Traum-Fabrik
Filmfonds wollen keine Verlustzuweisungsgesellschaften sein...

...sondern Gewinn erzielen. Das soll sie vor dem Fiskus retten. De facto gibt es aber noch Verluste.

FRANKFURT. Hollywood gilt immer noch als Inbegriff der Traumfabrik. Wie manches Filmsternchen den großen Erfolg sucht, träumen deutsche Steuerzahler von sicheren Möglichkeiten, ihr Geld am Fiskus vorbei zu manövrieren. Das Geschäft mit Filmfonds führt Künstler und Steuerartisten schließlich zusammen: Immer mehr Steuersparer legen ihr Geld in geschlossenen Fonds an, die - meist als Ko-Produzenten - Filme produzieren. Das bringt deutsches Geld in die Filmindustrie und Verlustzuweisungen in die Steuererklärungen der Anleger.

Allerdings wollen Filmfonds seit diesem Jahr offiziell keine Verlustzuweisungsgesellschaften mehr sein. Statt dessen streben sie vollmundig den Totalgewinn an. Auslöser für diesen Sinneswandel ist der § 2 b EStG. Mit diesem Paragrafen will der Fiskus Verlustzuweisungsgesellschaften endgültig austrocknen. De facto gibt es aber auch bei den aktuellen Fonds am Markt noch Verlustzuweisungen.

Die Initiatoren machen sich zunutze, dass Filme steuerlich als immaterielles Wirtschaftsgut behandelt werden. Deswegen können sie den Aufwand der Filmproduktion nach § 248 Abs.2 HGB (Aktivierungsverbot für immaterielle Wirtschaftsgüter) sofort abschreiben (regelt § 5 Abs.2 EStG). Voraussetzung ist, dass die Fondsgesellschaften selbst als "Mitunternehmer" tätig sind. Das schreibt der so genannte Medienerlass (siehe Kasten) vor. Die Branche geht allerdings davon aus, dass er in diesem Jahr nicht mehr wirksam wird. Zur ihrer Sicherheit weisen die Fonds deswegen darauf hin, dass die Finanzverwaltung von den Berechnungen der Fonds abweichende Steuerbescheide erlassen könnte.

Für die Anleger stehen der Hoffnung auf hohe Verlustzuweisungen erhebliche Risiken gegenüber, wenn der Film ein Flop werden sollte. Diesen Ängsten treten die Prospekte mit allerlei Fotos von internationalen Größen wie Altmeister Paul Newman, aber auch von Schlagerstar Jennifer Lopez entgegen. Das sollte nicht darüber hinweg täusche, dass die einzelnen Projekte meist nicht feststehen. Und selbst wenn die Projekte bekannt sind, die Zusammenarbeit mit Stars und einem so genannten Major-Studio wie Universal steht, ist noch kein Erfolg garantiert. Die Liste der teuren Flops ist lang, wie das Debakel um Kevin Costners "Waterworld" gezeigt hat. Die Fondsanbieter bemühen sich deshalb, ihre Strategien als chancenreich darzustellen: Zeichentrickhersteller verweisen auf angeblich aussichtsreiche weltweite Vermarktungs- und Merchandising-Möglichkeiten. Produzenten von TV-Spielfilmen dagegen belegen mit geeigneten Statistiken, dass das Kino allein nicht über den kommerziellen Erfolg entscheide. Tatsächlich folgt in der Verwertungskette die Vermarktung über Video und DVD sowie im bezahlten Kabelfernsehen.

Einige handfeste Kriterien sollten Anleger bei der Auswahl beachten: Generell ist das Risiko eines Fonds, der in mehrere, international auswertbare Filme investiert, niedriger, als wenn nur ein Kinofilm produziert wird. Wichtig ist weiter, dass Personen mit ausreichender Erfahrung maßgeblichen Einfluss auf die Produktion haben. Immer wieder macht die Geschichte vom "stupid german money" die Runde. Deutsche hätten zwar viel Geld, aber zu wenig Erfahrung im internationalen Filmgeschäft, heißt es. Deswegen würden sie zu viel Geld für Lizenzen und Produktionen zahlen. Tatsächlich sind Lizenzpreise seit 1990 teilweise um 100 Prozent gestiegen. Entscheidend ist auch die Frage, wem die Rechte für die Verwertung zustehen. Eine Reihe von Garantien und Versicherungen, die alle ihr Geld kosten, sollen Sicherheit bieten. Einen Glaubenskrieg führen die Fondsinitiatoren zur Frage, ob Short-Fall-Versicherung oder Vorverkäufe zu bevorzugen seien. Die Versicherung zahlt, wenn der Film innerhalb einer gewissen Frist nicht die vereinbarten Einnahmen erzielt. Vorverkäufe werden auf der Basis von Drehbüchern vereinbart. Das kann aber dazu führen, dass zwar 60 Prozent der Produktionskosten eingespielt werden, aber dafür 80 Prozent der Auswertungsrechte abgegeben werden müssen.

Das Risiko eines Flops ist bei Film-Leasingfonds ausgeschlossen. Sie verkaufen einen produzierter Film an einen Lizenznehmer. Allerdings hat ihre letzte Stunde geschlagen. Sie sind nur noch dieses Jahr auf dem Markt, dank einer Übergangsregelung (§ 52 Abs.4 EStG), mit der § 2b umgangen werden kann. Sie gilt, wenn die Investitionen vor dem 5. März 1999 erfolgten und die Anleger die Anteile bis zum 31. Dezember dieses Jahres gekauft haben.



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