Traum wurde wahr
Bouba Diop: Ein Nobody schockt die „Grande Nation“

Nach dem Schlusspfiff rissen ihn seine Teamgefährten vor Freude zu Boden, doch der Held des Tages war zum Jubeln zu müde. Völlig ausgepumpt und mit weichen Knien verließ Bouba Diop den Rasen des "World Cup Stadium" von Seoul, wo er mit Senegal im WM-Eröffnungsspiel Fußball-Geschichte geschrieben hatte.

dpa SEOUL. Mit dem 1:0-Siegtor gegen Weltmeister Frankreich versetzte der 24-Jährige vom französischen Vizemeister RC Lens die "Grande Nation" in einen Schockzustand und löste in seiner Heimat grenzenlosen Jubel aus. "Das ist der größte Erfolg für das Land", meinte Senegals französischer Trainer Bruno Metsu. "Es ist ein Traum, aber kein Mirakel."

Dass ausgerechnet Diop zum Helden des Spiels wurde, lässt vermuten, dass es im Fußball doch höhere Mächte gibt. In Frankreich hatte er die Meisterschaft mit Lens nach wochenlanger Tabellenführung erst am letzten Spieltag verpasst, gegen Frankreich machte er nun sein Meisterstück. Der Treffer in der 29. Minute war bereits sein vierter im 14. Länderspiel und die Krönung einer engagierten Vorstellung des Afrika-Vizemeisters, der als neuntes Land vom Schwarzen Kontinent seit 1954 und 66. insgesamt den Sprung zur WM geschafft hatte. Auch bei den Interviews konnte sich der Siegschütze der Glückwünsche seiner Kollegen, von denen gleich 21 in Frankreich ihr Geld verdienen, kaum erwehren. "Davon habe ich geträumt", erzählte Diop.

Der 1,93 Meter große und 88 Kilogramm schwere Hüne stand erstmals im Mittelpunkt des Interesses, das bisher Stürmerstar El Hadji Diouf beanspruchte. Der pfeilschnelle "Fußballer des Jahres" in Afrika war auffälligster Akteur auf dem Rasen. Nicht zufällig bereitete Diouf den Treffer seines Vereinskollegen vor. "Es war ein großer Sieg für uns", jubelte der Torjäger.

Den größten Verdienst an der Erfolgsstory des WM-Neulings, der zwölf Jahre nach Kameruns 1:0 gegen Argentinien für den zweiten Sieg einer afrikanischen Mannschaft im WM-Auftaktspiel sorgte, hat aber Trainer Metsu. Der 48-Jährige, der mit einer Senegalesin verheiratet ist, wird in seiner Wahl-Heimat als weißer Zauberer verehrt. Nun dürfte ihm ein Denkmal gesetzt werden.

Auf ähnliches darf auch Diop hoffen, der seine Karriere bei Diaraf Dakar begann. 1999 suchte er sein Glück in der Schweiz, zuletzt bei Grasshoppers Zürich. Im vergangenen Dezember wagte er dann den Schritt in die Weltmeister-Liga zum RC Lens. Nach seinem Länderspieldebüt im Juni 2000 gegen Togo erkämpfte er sich im vergangenen Jahr einen Stammplatz im Team. Seit Freitag hat er diesen auch in den WM-Geschichtsbüchern sicher.

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