Traumfinale
Brasilien im Finale gegen Deutschland

In einem an Torchancen nicht armen Halbfinale reicht Brasilien ein Treffer des überragenden Ronaldo für den Finaleinzug. Zum ersten Mal in der WM-Geschichte kommt es jetzt am Sonntag zu einer Begegnung zwischen der "Selecao" und einer deutschen Nationalmannschaft.

dpa SAITAMA. Eine Geniestreich von Ronaldo hat Brasilien den Weg ins Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft gewiesen und das Traumfinale gegen Deutschland perfekt gemacht. Der 25 Jahre alte Stürmer von Inter Mailand erzielte am Mittwoch beim 1:0 (0:0) gegen die Türkei im Halbfinale in Saitama in der 49. Minute den entscheidenden Treffer. Er setzte sich damit nicht nur in der WM- Torschützenliste mit sechs Treffern an die Spitze vor Miroslav Klose (5), sondern sorgte auch dafür, dass der viermalige Weltmeister zum dritten Mal hintereinander und siebten Mal insgesamt um den Titel spielt.

Während die Brasilianer am Sonntag im Finale in Yokohama zum ersten Mal überhaupt bei einer WM auf Deutschland treffen, müssen sich die Türken mit dem Spiel um Platz drei am Samstag in Daegu gegen Gastgeber Südkorea trösten. Für die Mannschaft vom Bosporus war das Erreichen des Halbfinals trotz der Niederlage der bisher größte Erfolg in der Fußball-Geschichte des Landes.

An die Brasilianer haben die Deutschen keine guten Erinnerungen. Gegen keinen Gegner hat die DFB-Auswahl eine schlechtere Bilanz als gegen die Südamerikaner. In 17 Spielen siegten die Deutschen nur drei Mal, 10 Mal gingen sie als Verlierer vom Platz. Zuletzt setzte es im März 1996 in Stuttgart ein 1:2 gegen die "Selecao".

Dass die Brasilianer aber keine "Über-Mannschaft" sind, zeigten sie im Spiel gegen die Türken. Basis ihres Erfolges waren auch im Halbfinale die Einzelkönner. Auf einen der Stars musste Trainer Luiz Felipe Scolari allerdings verzichten. Ronaldinho, der wegen einer Roten Karte beim Viertelfinal-Sieg gegen England fehlte, wurde im Mittelfeld durch Edilson ersetzt. Scolaris Kollege Senol Günes vertraute auf die Anfangsformation aus dem Spiel gegen den Senegal. So erhielt der alternde und zuletzt schwer kritisierte Stürmer Hakan Sükür erneut den Vorzug vor dem neuen türkischen Volkshelden und Siegtorschützen Ilhan Mansiz.

Während die Türken wie in den Spielen zuvor mit mannschaftlicher Geschlossenheit überzeugten und bewiesen, dass sie zu Recht im Halbfinale standen, fielen die Brasilianer wieder einmal nur durch Einzelleistungen auf. Dabei ragte Rivaldo heraus und stellte seinen Sturmpartner Ronaldo zunächst in den Schatten, bei dem in der ersten Halbzeit lediglich die silberfarbenen Schuhe glänzten.

Beide Mannschaften begannen sehr vorsichtig und zeigten viel Respekt voreinander. Nach 20 Minuten gaben die Türken dann das Startsignal zu einem der besseren Spiele der K.o-Runde. Alpays Kopfball (20.) nach Flanke von Fatih Akyel wehrte Brasiliens Torhüter Marcos hervorragend ab. Die Chance wirkte wie ein Muntermacher für die Spieler vom Zuckerhut.

Der türkische Schlussmann Rüstü rückte zunehmend ins Rampenlicht. Erst prüfte Cafu (21.) den Keeper von Fenerbahce Istanbul. Eine Minute später verzog Roberto Carlos mit seinem schwächeren rechten Fuß aus aussichtsreicher Position. Nach Rivaldos Schuss hielt Rüstü den Ball nicht fest, doch Ronaldo konnte den Abpraller nicht verwerten (23.). Erneut war es Rivaldo (34.), der Rüstü mit einem Schuss zu einer prächtigen Parade zwang. Zwei Minuten später verfehlte der Ball nach einem 17-m-Schuss von Rivaldo das Tor nur um Zentimeter. Auch Roberto Carlos (43.) scheiterte mit einem weiteren Versuch.

Der zweite Abschnitt begann mit einem Paukenschlag. Ausgerechnet Ronaldo (49.), von dem bis dahin gar nichts zu sehen war, brachte die Brasilianer in Front. Nach einem Pass von Gilberto Silva setzte sich der ehemalige Weltfußballer gegen drei Abwehrspieler durch und überwand Rüstü mit einem Schuss mit der Fußspitze ins lange Eck. Die Türken bemühten sich um den Ausgleich und spielten bis zum Strafraum gefällig. Doch Torgefahr strahlten ihre Aktionen nur selten aus. Die Südamerikaner verlegten sich auf das Kontern und waren durch Chancen von Edilson (58.) und Kleberson (61.) dem zweiten Tor nahe. Beeindruckend die Moral der Türken, die bei zwei Möglichkeiten von Mansiz (79.) und Sükür (81.) Pech hatten.

Statistik zum Spiel:

Brasilien: Marcos - Lucio, Roque Junior, Edmilson - Cafu, Gilberto Silva, Kleberson (85. Belletti), Edilson (75. Denilson), Roberto Carlos - Rivaldo, Ronaldo (68. Luizao)

Türkei: Rüstü - Fatih Akyel, Bülent Korkmaz, Alpay, Ergün - Ümit Davala (74. Izzet), Tugay, Bastürk (88. Erdem), Emre Belözoglu (62. Mansiz), Sas - Hakan Sükür

Schiedsrichter: Nielsen (Dänemark)

Zuschauer: 61 058

Tor: 1:0 Ronaldo (49.)

Gelbe Karten: Gilberto Silva / Tugay, Sas

Beste Spieler: Rivaldo, Cafu / Rüstü, Tugay

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