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Traut Euch wieder zu vertrauen!

"Um unsere Ziele zu erreichen, brauchen wir auch ein bisschen mehr Mut und ein bisschen mehr Zuversicht für die Zukunft", betonte Wolfgang Clement am Ende seines Berliner Debüts.

Im Gegensatz zum Kanzler gelang dem neuen Superminister ein authentischer Appell zu einer "Allianz der Erneuerung". Wie aber können die Ziele erreicht werden, wenn all zu laute Diskussionen über Details dominieren, wenn Interessen einzelner Gruppen die Politik immer stärker beherrschen? Meckern ist Mode geworden. Ablehnung wird Routine. Nein, es geht nicht um Kritik an der Kritik. Und natürlich sollen analytische Auseinandersetzungen, alternative Forderungen und harte Opposition nicht in Frage gestellt werden. Doch fehlt es dieser Republik am gemeinsamen Willen zum Erfolg, wird das Bedenkenträgertum mehr denn je gepflegt. Und wir, die Medien, sind ein Katalysator: Schlechte Nachrichten haben höchste Priorität, gut Gemeintes wird erst einmal zerpflückt, offenbar Positives rutscht nach hinten.

Die hinter uns liegende Woche bescherte doch nicht nur neuen Stoff für anhaltend kritische Auseinandersetzungen mit dem Kurs der Koalition, nicht nur negative Nachrichten zur Lage von Gesamtwirtschaft und einzelnen Unternehmen. Denn es gab beispielsweise an nur drei Tagen gleich drei Initiativen zur Rückgewinnung des Anlegervertrauens durch Hauptakteure des deutschen Kapitalmarkts: Am Mittwoch Ankündigung eines neuen Kodex für Finanzanalyse durch die DVFA, am Donnerstag neue Indexsystematik im Zuge der neuen Marktsegmentierung durch die Deutsche Börse, am Freitag neue Wohlverhaltensregeln für die Fondsbranche durch den BVI. Dicke Schlagzeilen? Weitgehend Fehlanzeige. Ob im Online oder Print: Statt einer gesamthaften Würdigung wurde mit der Nachricht quasi realtime der beliebte Chor der Unzufriedenheit übertragen. Es gelingt kaum noch, Stimmen für ein Spektrum außerhalb von "Ablehnung" bis "Unzulänglich" zu finden. Der Supporter, der Optimist wird zum Außenseiter.

Zur Erinnerung: Das Wort "Vertrauen", das seit Monaten zu Recht so stark strapaziert wird, kommt von "trauen". Ich fordere neben der kritischen Diskussion endlich wieder mehr Mut zum Vertrauen!

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