Treffen am Dienstagnachmittag
Analysten: US-Notenbank wird Weg für niedrigere Zinsen ebnen

Was die Märkte erwarteten, sei ein formelles Bekenntnis der Fed zu ihrer Bereitschaft, die Zinsen zu senken, sagten Analysten.

Reuters WASHINGTON. Die US-Notenbank (Fed) wird bei ihrem Zinstreffen am Dienstag dieser Woche nach Einschätzung von Analysten den Weg für niedrigere Zinsen in den USA ebnen. Die internationalen Finanzmärkte gehen aber davon aus, dass die Währungshüter trotz einer drastischen Verlangsamung der Aktivitäten der US-Wirtschaft nicht sofort die Kosten für die Geldbeschaffung verbilligen. Eine erste Zinssenkung halten einige Experten aber bereits am 31. Januar 2001 für möglich. Was die Märkte erwarteten, sei ein formelles Bekenntnis der Fed zu ihrer Bereitschaft, die Zinsen zu senken, sagten Analysten.

Der für die Geldpolitik der Fed verantwortliche Offenmarktausschuss (FOMC) kommt am Dienstagnachmittag (MEZ) zu seinem letzten Treffen in diesem Jahr zusammen. Seine Beschlüsse und die Stellungnahme der Fed werden üblicherweisen gegen 20.15 Uhr MEZ veröffentlicht.

Neutrale Haltung

Analysten zufolge haben Notenbank-Chef Alan Greenspan und andere Mitglieder der Fed in der jüngeren Vergangenheit die Erwartung geweckt, dass die Fed ihre Haltung in der Geldpolitik verlagern wird. Anstelle der bislang strikten Anti-Inflationspolitik dürfte die Fed nach Einschätzung der Analysten vorerst eine neutralere Haltung einnehmen. Dies lasse sich insbesondere aus den Äußerungen Greenspans am 5. Dezember bei der amerikanischen Bankenvereinigung herleiten. Dort hatte Greenspan eine deutliche Abkühlung der Konjunktur als ein zumindest ebenso grosses Risiko für die Wirtschaft bezeichnete, wie eine inflationäre Überhitzung. Immerhin seien Industrieproduktion, Verbrauchervertrauen und Ausgaben der Konsumenten im Vergleich zu den Hochs im vergangenen Winter dramatisch gefallen.

Greenspan habe mit seiner Äußerung offenbar eine Kehrtwende gegenüber der seit Juni 1999 verfolgten strikten Straffungspolitik mit insgesamt sechs Zinserhöhungen eingeleitet, hieß es. Derzeit liegt der als Schlüsselzins geltende Zielsatz der Fed für Tagesgeld bei 6,50 %. Über den Zeitpunkt einer Zinssenkung durch die Fed sind sich die Analysten allerdings noch uneins. Einige schließen angesichts der deutlichen Abkühlung der Konjunktur in allen Sektoren mit Ausnahme des Wohnungsbaus nicht aus, dass bereits beim ersten Treffen des FOMC im neuen Jahr am 30./31. Januar, zehn Tage nach der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten George W. Bush, ein erster Zinsschritt kommen könnte. "Wenn die Wirtschaft schneller an Schwung verliert, könnte eine Senkung schon am 31. Januar kommen," sagte Sung Won Sohn, Chefvolkswirt der Wells Fargo Bank in Minneapolis.

Bush trifft Greenspan

Ein Treffen Greenspans und des designierten Präsidneten Bush wird bereits im Laufe des Tages erwartet. Dabei dürfte Bush dem Notenbankchef seine Pläne für Steuersenkungen im Volumen von 1,3 Billionen $ zur Belebung der Wirtschaft direkt vorstellen. Greenspan hatte allerdings schon zuvor erkennen lassen, dass er die Pläne Bushs weniger enthusiastisch sieht und eine Fortsetzung des Abbaus der Staatsschulden Steuersenkungen vorziehen würde.

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