Treffen auf der Expo
Internet-Start-Up-Firmen planen eigene Interessenvertretung

Geschäftsführer und Vorstände der deutschen Dot.com-Firmen sind sauer auf die Politik. Ihre Interessen würden nicht berücksichtigt, Gesetze seien veraltet, in den bestehenden Verbänden fühlen sie sich unwohl.

wab HANNOVER. Die Generation der Internet-Gründer will zukünftig durch eine eigenständige Interessenvertretung Einfluss auf politische Entscheidungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Deutschland nehmen. Im Rahmen eines Treffens auf dem Gelände der Expo 2000 in Hannover einigten sich Vertreter von 15 Unternehmen aus ganz Deutschland auf Grundlagen und weitere Schritte auf dem Weg zu einer konkreten Struktur. So soll der zu gründenden Institution über Beiträge der Firmen kurzfristig bis zu 15.000 DM zur Verfügung stehen. Die Summe soll wesentlich in eine professionelle inhaltliche Arbeit investiert werden: "Wir wollen nicht nur die bestehenden Regelungen kritisieren, sondern konstruktiv eigenständige Vorschläge erarbeiten", betont Felix Frohn-Bernau, Vorstand der Berliner dooyoo.de AG und vorläufiger Sprecher der Initiative. Innerhalb der kommenden drei Wochen sollen Verantwortliche und Organisationsform definiert werden, eine internet-gestützte Informationsplattform soll die Kommunikation der Beteiligten ermöglichen.

An den aktuellen Rahmenbedingungen in Deutschland übten die Vertreter der Start-Up-Unternehmen heftige Kritik. Veraltete Gesetze, verkrustete Strukturen und bürokratische Hindernisse wirken sich nach der Auffassung der Gründer negativ auf Wachstum und Ergebnis ihrer Firmen aus. Beispiel Besteuerung von Aktienoptionen: "Die gegenwärtige Regelung erschwert es massiv, Mitarbeiter dauerhaft am Wachstum des Unternehmenswertes zu beteiligen und so langfristig an das Unternehmen zu binden", erklärt Florian Forstmann, Mitbegründer des auf Spielzeug spezialisierten E-Commerce-Unternehmens myToys.de.

Den Beitritt in einen der etablierten Verbände wie den Bundesverband junger Unternehmer (BJU) oder Bundesverband Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) lehnten die Teilnehmer der Konferenz überwiegend ab. "Dort geht es meistens um die Interessen der grossen Unternehmen. Auch finden wir dort unseren Anspruch an schnelles Handeln und kurze Entscheidungswege nicht wieder", betont Felix Frohn-Bernau.

Die Internet-Gründer zeigten sich weitgehend unbeeindruckt von denn massiven Kursverlusten der Internet-Unternehmen an den Börsen und der damit geringer werdenden Investitionsbereitschaft. "Das bringt für uns einige Vorteile", meint Felix Hildebrand von oneview.com. So würde die "Rüstungsspirale" der Marketingbudgets sich nicht mehr weiter nach oben entwickeln, weil alle genauer auf die Ausgabenseite achten müssten. Zudem entdecken immer mehr amerikanische Unternehmen den europäischen Markt und sorgen damit für neue Impulse: "Es gibt gegenwärtig erstaunlich viele Anfragen aus dieser Richtung", so Felix Hildebrand.

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