Treffen für Freitagnachmittag anberaumt
Metall-Tarifparteien reden wieder miteinander

Knapp vier Wochen nach Beginn der Streiks in der ostdeutschen Metallindustrie zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft wieder verhandeln. Die IG Metall kündigte eine Aussetzung der Streiks bei dem wichtigen Zulieferer ZF in Brandenburg ab Donnerstag an.

Reuters BERLIN. Die Tarifparteien würden wohl ab Freitag in Berlin wieder verhandeln, sagte Arbeitgeber-Verhandlungsführer Roland Fischer am Dienstag. Ziel sei, den Konflikt zu lösen. Dabei dürften für die Firmen aber keine zusätzlichen Kosten entstehen. Ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall erklärte, Ziel sei, neue Wege zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit zu finden und den Flächentarifvertrag zu modernisieren.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel kündigte an, den Streik bei ZF ab Donnerstag auszusetzen. Auch bei Volkswagen in Chemnitz und Mosel werde dies erwogen. Damit solle vorgebeugt werden, dass diese Firmen einen Haustarifvertrag mit der Gewerkschaft schließen und aus dem Flächentarifvertrag in Ostdeutschland ausscheren. VW vereinbart bereits seit einigen Jahren für seine sechs westdeutschen Werke Haustariferverträge mit der IG Metall.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) kritisierte die Streiks. Es sei zwar unüblich für die Politik, sich zu Tarifstreits zu äußern. Dieser sei aber so ungewöhnlich, dass er dies mit Blick auf eine mögliche Gefährdung der Standorte in Deutschland und Ostdeutschland für seine Pflicht halte. Die IG Metall fordert für die 310 000 Beschäftigten der Branche in Ostdeutschland eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit von 38 auf das Westniveau von 35 Stunden. Am Dienstag streikten nach Gewerkschaftsangaben knapp 10 000 Beschäftigte in elf Betrieben.

Zwickel zu Zugeständnissen bereit

Zwickel ließ erkennen, zu weit reichenden Zugeständnissen bereit zu sein. Er sprach von neuen Wegen, die beschritten werden könnten: "Nach vier Wochen Streik gibt es eine Reihe von Anknüpfungspunkten, an denen wir weiter arbeiten können." Vor Verhandlungsaufnahme sollten bis Donnerstag mit der Spitze von Gesamtmetall Möglichkeiten zur Einigung ausgelotet werden.

Arbeitgeber-Verhandlungsführer Fischer sagte, man werde für alle fünf neuen Länder verhandeln. Die Streiks müssten zuvor ausgesetzt werden. Was er zur Lösung des Konflikts anbietet, ließ Fischer offen. "Ich halte es für wenig sinnvoll, wenn man sich vorher festlegt." Die Arbeitgeber seien aber an flexibleren Arbeitszeit-Lösungen interessiert, die den realen Anforderungen der Firmen entsprächen. Zusätzlich Kosten dürfe ein Kompromiss aber nichts. "Jede weitere betriebliche Angleichung muss sich an der wirtschaftlichen Entwicklung in Ostdeutschland orientieren."

BMW erklärte, die unterbrochene Produktion der 3er-Reihe wohl am Montag wieder aufzunehmen. Der Autobauer war wegen ausbleibender Getriebelieferungen zur Kurzarbeit in den Werken München, Regensburg und Dingolfing gezwungen worden. Volkswagen - Chef Bernd Pischetsrieder erwartet wegen der Streiks einen Produktionsausfall von 20 000 Autos bis Ende der Woche.

Stufenplan strittig

Zwickel sagte, ein Kompromiss solle sich an dem für die ostdeutsche Stahlindustrie vereinbarten Einstieg in die 35-Stunden-Woche bis 2009 orientieren, könne aber davon abweichen. Es solle ein verbindlicher Stufenplan mit einem Zieldatum vereinbart werden, bis zu dem die Angleichung der Arbeitszeit an den Westen erreicht sein solle. Firmen mit wirtschaftlichen Problemen solle durch Anpassungsklauseln eine Abweichung ermöglicht werden. Zwickel erklärte sich zudem bereit, über die Anrechnung von Qualifizierungszeiten zu verhandeln. Die Arbeitgeber lehnen das ab. "Ein Abschluss auf der Basis des Stufenvertrages für die Stahlindustrie kommt für die Metall- und Elektroindustrie nicht in Frage", sagte Fischer.

Medienberichten zufolge steht der designierte künftige IG-Metall-Chef Jürgen Peters, der als treibende Kraft hinter der Forderung zur Arbeitszeit-Verkürzung gilt, bei Betriebsräten inzwischen in der Kritik. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf Teilnehmer, Daimler-Chrysler - Gesamtbetriebsrat Erich Klemm habe bei einem Krisentreffen Peters als "tarifpolitischen Geisterfahrer" bezeichnet. Unter Berufung auf Gewerkschaftskreise berichtete die "Berliner Zeitung", von Vorwürfen gegen die IG-Metall-Spitze, da der Streik vorschnell und schlecht vorbereitet begonnen worden sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%