Treffen in Amman
World Economic Forum: Europas Wirtschaftsbosse glänzen durch Abwesenheit

Am jordanischen Ufer des Toten Meeres gibt sich die nahöstliche Prominenz an diesem Wochenende ein Stelldichein. Alles was in Politik und Wirtschaft Rang und Namen hat, ist der Einladung des World Economic Forum gefolgt. Nur die Europäerfehlen, habe sie kein Interesse an Wirtschaftsreformen in arabischen Ländern?

AMMAN. Wenige Wochen nach dem Ende des Irak-Krieges gilt es, einen Blick in die Kristallkugel zu werfen: Was wird aus dem Nahost-Friedensplan, wohin weist die Roadmap, welche unternehmerischen Chancen ergeben sich aus dem Wiederaufbau im Irak und wie steht es um eine Intensivierung des Handels mit der arabischen Welt?

Kaum Beteiligung aus Europa

Europas Unternehmen scheint es gut zu gehen. So gut, dass es sich offensichtlich nicht lohnt, den Dialog mit arabischen Nationen zu suchen. Oder haben sich die Europäer schon vollends damit abgefunden, dass ein Großteil der Aufträge für den Wiederaufbau des Irak an amerikanische Unternehmen geht? Wie auch immer, eine Reise an das Tote Meer war den Top-Unternehmern des alten Kontinents die Mühe offenbar nicht wert. Der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, äußert Befremden: "Ich bin arg enttäuscht über die mangelhafte unternehmerische Beteiligung aus Europa", sagte er dem Handelsblatt.

1000 Teilnehmer aus aller Welt

Mehr als 1000 Teilnehmer aus aller Welt haben die Reise nach Jordanien nicht gescheut, darunter, das muss man zur Ehrenrettung der Europäer sagen, zahlreiche Politiker. Viele aus dem neuen Europa und manche aus dem alten. Joschka Fischer ist darunter und Bundespräsident Rau, auch mehrere Vertreter der EU-Kommission. Sie haben offenbar besser verstanden, worin der Sinn solcher Veranstaltungen liegt: im Networking, in der Anbahnung und Pflege neuer und alter Kontakte. "Die europäischen Unternehmen verhalten sich entschieden zu defensiv", kritisiert Schwab.

US-Unternehmer zahlreich vertreten

Sie dürften im Gegensatz zu ihren amerikanischen Konkurrenten, die trotz des schlechten Rufs der USA in der Region nach dem Krieg die Anreise nicht gescheut haben, eine Gelegenheit versäumen, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Immerhin sondieren Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler in den kommenden Tagen intensiver Debatten nicht nur den Weg zum Frieden im Nahen Osten, sondern durchleuchten auch neue Projekte: in der Wasser- und Energiewirtschaft beispielsweise, in der Telekommunikation, in der Verkehrsinfrastruktur und im Bauwesen oder im Handel.

Wirtschaftlicher Aufbruch soll gefördert werden

Denn die Reformen in der arabischen Welt, die die USA so energisch vorantreiben, sollen sich nicht in der Demokratisierung verkrusteter politischer Regimes erschöpfen, sondern auch Aufbruchsstimmung in der Wirtschaft erzeugen. Den USA liegt daher die Liberalisierung des Handels besonders am Herzen. Europas Handelskommissar Pascal Lamy lässt sich diese Gelegenheit nicht entgehen, aber zu Hause muss er wohl noch ebenso kräftige Anschubarbeit leisten wie etliche Minister.

Unternehmer können einen Beitrag zur Stabilisierung des Nahen Osten leisten

Auch Unternehmer können einen Beitrag zur Stabilisierung des Nahen Osten leisten, können Projekte anschieben und durch ihr Engagement für die Verbesserung der materiellen Lebensverhältnisse sorgen. Doch nicht alle erkennen die langfristige Wirksamkeit eines solchen Einsatzes. Unter den 400 amerikanischen Mitgliedsfirmen des World Economic Forum war die Resonanz auf die außerordentliche Konferenz in Jordanien jedenfalls weitaus größer als bei ihren europäischen Kollegen. Sie denken stärker in globalen Dimensionen und wissen um den Nutzen solcher Events: "Das müssen wir den Europäern wohl noch eindringlicher erläutern", sagt Schwab.

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