Treffen in Johannesburg geht zuende
Eklat bei Weltgipfel - US-Außenminister ausgebuht

Colin Powell erntete bei seiner Rede Proteste. Umweltschützer werfen der US-Regierung Untätigkeit vor.

rtr JOHANNESBURG/BERLIN. Umweltschützer haben am Mittwoch beim Weltgipfel in Johannesburg für einen Eklat gesorgt. Sie pfiffen und buhten US-Außenminister Colin Powell aus, der am Schlusstag zu den Delegierten sprach.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) begrüßten trotz einiger Enttäuschungen die Ergebnisse der Konferenz über nachhaltige Entwicklung als zukunftsweisend.

Powell wurde mit Rufen wie "Schande über Bush" und einem roten Spruchband mit der Aufschrift "Von den Regierungen betrogen" begrüßt. Die Polizei führte sieben der Demonstranten aus dem Saal, als sie ein Pfeifkonzert begannen. Buh-Rufe erntete der Minister für seine Aussage, die USA blieben nicht untätig, wenn es um den Klimaschutz gehe. Protestrufe löste auch seine Kritik an der Landreform in Simbabwe aus. Sie verstoße gegen die Rechtsstaatlichkeit und das Völkerrecht und treibe neben der Dürre "Millionen von Menschen an den Rand des Hungertodes", sagte Powell.

Der Minister nahm die Proteste mit der Merkung zur Kenntnis: "Danke, ich habe Euch gehört. Ich bitte Euch, mir zuzuhören." Sein Sprecher Richard Boucher sagte zum einzigen Zwischenfall dieser Art beim zehntägigen Gipfel, Powell habe gesagt: "So ist das nun mal." Die Regierung sei überzeugt, dass die Proteste nicht die Meinung der Mehrheit widerspiegelten. Der Minister habe vielmehr "den Saal in Begeisterung versetzt". Es seien so viele Leute auf ihn zugekommen, "um ihm die Hand zu schütteln und ihm zu gratulieren", dass er zu spät zu seinem nächsten Termin gekommen sei.

Die USA wollen dem Klima-Protokoll von Kyoto über die Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen nicht beitreten, um ihre Industrie ungehindert produzieren zu lassen. In Johannesburg verhinderten sie gemeinsam mit den Ölstaaten zudem, dass Zielgrößen für den Einsatz erneuerbarer Energien vereinbart wurden. Beides soll vermeiden helfen, dass sich das Klima durch die Erwärmung der Atmosphäre verändert. Michael Brune, ein Delegierter der US-Organisation zum Schutz des Regenwaldes, dem Rainforest Action Network, er schäme sich für die Politik der Regierung.

Schröder sagte, bei den Themen erneuerbare Energien, Erhaltung der Artenvielfalt und der Wasserproblematik habe der Gipfel wichtige Schritte nach vorne gebracht. Zwar seien nicht die Ziele erreicht worden, die man erhofft hatte. "Das ist gescheitert an einer bestimmten Haltung auch des einen oder anderen Industriestaates." Er fügte hinzu: "Alles in allem kann man aber davon ausgehen, dass der Johannesburg-Gipfel deshalb ein Erfolg war, weil er in vielen Punkten ... eine wichtige Schneise geschlagen hat."

Umweltverbände und Oppositionsparteien hatten dagegen kritisiert, in Johannesburg seien bei wichtigen Themen wie dem Ausbau erneuerbarer Energien weder konkrete Zahlen noch ein Zeitplan zur Durchsetzung der Ziele vereinbart worden. Trittin wertete die Vereinbarung dennoch als Schritt in die richtige Richtung.

Seit vergangenen Montag waren rund 45 000 Delegierte aus 190 Ländern zum Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung gekommen, um über den Kampf gegen die Armut und Umweltzerstörung zu beraten. Es war die bislang größte Konferenz der Vereinten Nationen (UNO).

Die Delegierten einigten sich zu den Themen Klimaschutz, Wasserversorgung, AIDS-Bekämpfung und Artenvielfalt auf eine 65-seitige, aber wenig konkrete Abschlusserklärung. Schröder hatte auf dem Gipfeltreffen für einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien und eine effizientere Energienutzung geworben. Die Bundesregierung sagte den Entwicklungsländern für die nächsten fünf Jahre rund 500 Mill. ? für den Ausbau erneuerbarer Energien zu.

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