Treffen in Washington
G-7-Staaten sehen Wirtschaft auf Erholungskurs

Die Finanzminister und Zentralbankchefs der sieben größten Industrienationen (G7) rechnen mit einer schnelleren und kräftigeren Erholung der Weltwirtschaft als noch vor wenigen Monaten.

rtr WASHINGTON. Unsicherheitsfaktoren seien jedoch die Entwicklung der Ölpreise und der Aktienmärkte, sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) am Samstag nach Abschluss des Treffens in Washington. Zudem nannte er in diesem Zusammenhang die Gefahr eines Handelskrieges mit den USA wegen des Streits um Stahlexporte. Die Konferenz und die parallel laufende Frühjahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) waren von umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Vor den Absperrgittern demonstrierten Tausende von Gegnern der Globalisierung und Kritikern der Entwicklung im Nahen Osten.

AUSSICHTEN HABEN SICH DEUTLICH GEBESSERT Die Konjunkturaussichten seien erheblich besser als noch vor wenigen Monaten beim jüngsten Treffen der Minister, hieß es in dem Abschlusskommunique. "Es bestand Einigkeit unter den G7-Ministern, dass sich die weltwirtschaftlichen Aussichten in den letzten Wochen deutlich verbessert haben", sagte Eichel. Ähnlich äußerten sich auch seine Kollegen. Die positive Perspektive gilt laut Eichel auch für Deutschland. Dessen Exportentwicklung zeige, dass es die konjunkturelle Krise relativ gut bewältigt habe.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg sagte, trotz der jüngsten Erhöhungen beim Ölpreis werde die Inflation in der Euro-Zone noch im ersten Halbjahr 2002 auf unter zwei Prozent sinken und 2003 auf diesem Niveau bleiben. Er machte Öl- und hohe Lebensmittelpreise dafür verantwortlich, dass die Inflation im Januar zeitweise über die Marke von zwei Prozent gestiegen war. Die EZB geht von Preisstabilität aus, wenn die Inflationsrate unter zwei Prozent liegt. Duisenberg sagte Eichel zufolge zudem, dass er das derzeitige Leitzinsniveau in der Euro-Zone "für die absehbare Zeit" für angemessen halte. G7-MINISTER SEHEN VIELE RISIKEN

Für die erhoffte Aufwärtsentwicklung gebe es aber viele Risiken, hieß es in der gemeinsamem Erklärung der G7. Komme es wegen der von der US-Regierung verhängten Zölle auf Stahleinfuhren zu einem Handelskrieg zwischen Europa und den USA, seien starke Beeinträchtigungen zu befürchten, warnte Eichel. Er hoffe auf eine gütliche Problemlösung.

Auch das hohe US-Leistungsbilanzdefizit, das die Europäer als potenzielle Gefahr für die Stabilität des Welt-Finanzsystems sehen, wurde angesprochen. Eichel sieht das Defizit als Beleg dafür, dass es in den USA bedenkliche wirtschaftspolitische Ungleichgewichte gibt. Mit Blick auf die deutsche Situation sagte der SPD-Politiker, er gehe weiter davon aus, dass der Tarifstreit in der Metallindustrie mit einem "vernünftigen" Abschluss und ohne größere Streiks ende. Offenbar sieht er auch von dieser Seite her Gefahren für den Aufschwung in Deutschland, den die Bundesregierung mit rund 0,75 % in diesem und rund 2,5 % im nächsten Jahr etwas vorsichtiger sieht als viele Wirtschaftsexperten und der IWF.

GROSSE SORGEN WEGEN ARGENTINIEN Große Sorgen äußerten die G7-Minister wegen Argentiniens Wirtschaftskrise. Die Regierung des Landes müsse vielfältige Reformen angehen, um Voraussetzungen für eine finanzielle Unterstützung des Internationalen Währungsfonds zu schaffen, hieß es. Auch in dem von einer Rezession heimgesuchten Japan sind nach den Worten Eichels umfassende Reformen und die Abschreibung notleidender Kredite nötig.

Im Hinblick auf die Bekämpfung von Finanzkrisen in einzelnen Ländern habe man sich auf einen Aktionsplan verständigt, der eine deutlich größere Rolle der privaten Kreditwirtschaft bei der Problemlösung vorsieht. Zugleich solle parallel ein formelles Verfahren entwickelt werden, wie in schwierigen Verschuldungsfällen verfahren werden soll.

Erhebliche Fortschritte gelangen den Ministern laut Kommunique auch im Kampf gegen Geldwäsche und die Finanzierung von Terrorgruppen. Man habe gemeinsam zehn Organisationen benannt, deren Konten in allen G7-Ländern wegen vermuteter Nähe zur Organisation des Moslem-Extremisten Osama Bin Laden gesperrt werden, sagte Eichel. Bin Laden wird für die Anschläge am 11. September verantwortlich gemacht.

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