Treffen mit 60 Bürgern aus Bagdad
USA: Regierungsbildung im Irak beginnt nächste Woche

Der US-Zivilverwalter im Irak, Jay Garner, will in der kommenden Woche mit dem Aufbau einer Übergangsregierung aus Irakern beginnen.

Reuters BAGDAD. "Sie werden irakische Gesichter darin sehen. Sie wird von Irakern regiert", sagte Garner am Donnerstag nach Gesprächen mit irakischen Vertretern in Bagdad. Als einziges Detail nannte er, dass der pro-amerikanische Chef des Irakischen National Kongresses (INC), Ahmad Chalabi nicht für den künftigen Chefposten vorgesehen sei. UNO-Generalsekretär Kofi Annan ermahnte die USA, ihrer Verantwortung für die öffentliche Ordnung im Irak gerecht zu werden. Mit dem früheren Chef der Luftabwehr nahmen US-Truppen den bislang ranghöchsten Vertreter des früheren Machtapparats Saddams gefangen.

Am Montag sollen sich zunächst in Bagdad Vertreter verschiedener sozialer Gruppen mit US-Regierungsvertretern treffen. Bei seinem Treffen mit rund 60 prominenten Bagdader Bürgern versicherte Garner, er wolle an einem stabilen Umfeld arbeiten. Dieses solle es den Irakern ermöglichen, ihr Land selbst zu regieren. "Ich denke, wir können das schnell tun", sagte er.

Die künftige Regierung werde die ethnische Vielfalt des Landes widerspiegeln und ein "Mosaik des irakischen Volkes" sein, sagte Garner weiter. INC-Chef Chalabi, der Beobachtern als Wunschkandidat der USA für ein führendes Amt im Irak gilt, hat Ambitionen auf einen führenden Posten in der Übergangsregierung zurückgewiesen. Er will sich nach eigenen Angaben dem Wiederaufbau widmen.

Warnung vor Tendenzen zu einem Religionsstaat

Unter Hinweis auf die jüngste Machtdemonstration der schiitischen Bevölkerungsmehrheit warnte Garners britischer Stellvertreter Tim Cross vor Tendenzen, die zu einem Religionsstaat wie im benachbarten Iran führen könnten. Er sei sich jedoch sicher, dass viele Schiiten Teil eines demokratischen Irak sein wollten. Der Iran wies unterdessen Vorwürfe der USA zurück, er mische sich in seinem Nachbarland zu Gunsten der Schiiten ein. Die Regierung habe nicht vor, den Einfluss der schiitischen Moslems im Nachbarland zu fördern, sagte Außenminister Kamal Charrasi auf einer Pressekonferenz. "Schiiten stellen natürlich die Mehrheit im Irak, aber wir bestehen nicht auf (der Rolle der) Schiiten", sagte er.

Die USA hatten am Mittwoch den mehrheitlich schiitischen Iran vor einer Einmischung im Irak gewarnt. Bei der Wallfahrt aus Anlass eines ihrer höchsten Feiertage hatten die Schiiten im irakischen Kerbela erneut ihren Führungsanspruch im Land untermauert.

Annan: US-Truppen sollen Beispiel geben

Unter Hinweis auf den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung im Irak forderte Annan die US-Truppen auf, durch ihr Handeln beispielhaft zu zeigen, "dass sie die Verantwortung einer Besatzungsmacht für die öffentliche Ordnung und Sicherheit und das Wohlergehen der Zivilbevölkerung akzeptieren". Die Worte Annans vor der UNO-Menschenrechtskommission in Genf lösten Verärgerung bei den USA aus. "Wir empfinden es als recht seltsam, dass der UNO-Generalsekretär glaubt, uns darauf aufmerksam machen zu müssen", sagte der UNO-Botschafter der USA in Genf, Kevin E. Moley.

Die US-Truppen Im Irak nahmen am Mittwoch nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums vier weitere ranghohe Vertreter des früheren irakischen Machtapparats Saddams gefangen - darunter der frühere Chef der Luftabwehr, Musahim Sab Hassan el Tikriti. Er ist die Nummer Zehn auf der US-Fahndungsliste der 55 meistgesuchten Funktionäre Saddams. Nach Angaben des Verteidigungsministerium sind elf von ihnen inzwischen in Gewahrsam, drei weitere seien tot. Das ehemalige Regime in Bagdad "fällt zusammen wie ein Kartenhaus", kommentierte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums die Festnahmen.

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