Treffen mit Alt-Nazis
Flämischer Minister wegen Nazi-Skandal zurückgetreten

Drei Tage nach seinem Auftritt vor 1 500 belgischen SS-Veteranen und Ostfront-Kämpfern ist der flämische Innenminister Johan Sauwens von seinem Amt zurückgetreten

dpa BRÜSSEL. Der Minister hatte sich nach Angaben des belgischen Rundfunks vom Donnerstag darauf berufen, nichts vom politischen Hintergrund des rechtsextremen Sint-Maartens- Fonds gewusst zu haben. Videoaufnahmen des Treffens vom Sonntag hätten Sauwens Darstellung jedoch widerlegt.

Das Video zeigt nach Medienberichten vom Donnerstag, wie der 50-jährige Sauwens nach dem Vortrag des Gedichts "Die Glocken von Stalingrad" applaudierte. Auch das Lied der flämischen Waffen-SS, "Vlaams Legioen", habe der Minister mitgesungen. Alle demokratischen Parteien im Parlament von Flandern, dem größten Landesteil Belgiens, entzogen dem Politiker der national gesinnten Volksunie in einer erregten Parlamentsdebatte am Mittwoch ihr Vertrauen.

Die Affäre könnte auch Belgiens föderaler Regierung von Ministerpräsident Guy Verhofstadt neue Schwierigkeiten bescheren. In der Koalition ist zwar die Volksunie nicht vertreten, doch für eine geplante Staatsreform zählte die Regierung bislang auf deren Stimmen im Parlament. Die Zustimmung der Volksunie werde immer ungewisser, schrieb die Zeitung "De Morgen". Der liberale Außenminister und Vizepremier Louis Michel suche nun nach neuen Mehrheiten.

Der Auftritt des flämischen Innenministers bei den alten Nazi-Kollaborateuren habe das Bild Belgiens im Ausland beschmutzt, meinte der Außenminister. Michel gehörte in der EU zu den härtesten Kritikern einer Regierungsbeteiligung der FPÖ von Jörg Haider in Österreich. Belgien hatte im vergangenen Jahr wesentlich zu den Sanktionen der 14 EU-Partner gegen Wien beigetragen.

Sauwens hatte eingeräumt, seit 25 Jahren dem Sint-Maartens-Fonds anzugehören. Der Verein unterstützt Flamen, die im Zweiten Weltkrieg mit dem Hitler-Regime zusammengearbeitet haben. Bei dem Treffen am Sonntag wurden Lieder der Waffen-SS gesungen und Nazi-Parolen gezeigt. "Ich sehe meinen Fehler ein und bitte um die Chance, das Vertrauen neu aufbauen zu können", erklärte der flämische Innenminister vor seinem Rücktritt.

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