Treffen mit Außenminister-Kollegen
Powell: Nato erwägt Engagement nach Kriegsende

Die USA sehen eine friedenssichernde Rolle der Nato nach Ende des Krieges im Irak. Diese Überlegungen präsentierte US-Außenminister Colin Powell am Donnerstag bei einem Treffen mit seinen Nato-und EU-Kollegen in Brüssel. Kein Bündnispartner habe dagegen Widerspruch angemeldet, sagte Powell. In der deutschen Delegation hieß es jedoch, Bundesaußenminister Joschka Fischer stehe einem solchen Plan sehr skeptisch gegenüber.

HB/dpa BRÜSSEL. Umstritten bleibt die Aufgabe der Vereinten Nationen im Irak. Die Europäische Union macht ihre Hilfe nach Kriegsende von einem starken Einfluss der UN beim Wiederaufbau abhängig. Selbst Großbritannien als Krieg führender EU-Partner signalisierte Zustimmung. Die Regierung in Washington zieht es hingegen vor, den Irak in einer Übergangszeit unter militärische Verwaltung zu stellen. In Brüssel trafen sich 23 Minister der EU und der Nato. Beschlüsse wurden nicht gefasst.

Powell hob hervor, dass der erste Meinungsaustausch mit den Partnern nach dem Kriegsbeginn vor zwei Wochen ausgesprochen hilfreich gewesen sei. "Ich habe heute viele gute Ideen gehört", sagte er. Auch wenn Diplomaten vieler Delegationen davon sprachen, dass sich das Verhältnis der Kriegsbefürworter und-gegner entkrampft habe, blieben beide Seiten hart in der Sache.

Powell machte klar, dass die Militäraktion vor dem Erfolg stehe und die Koalition eine besondere Verantwortung nach einem Sieg habe. "Die Koalition hat die führende Rolle, den weiteren Weg zu bestimmen", sagte der US-Außenminister. Nato-Generalsekretär George Robertson fasste die Gespräche über die Aufgabenverteilung nach Kriegsende zusammen: "Es gab Übereinstimmung, dass die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen ihre Rolle spielen müssen", sagte er. "Einige Staaten favorisierten irgendeine Nato - Rolle, keiner schloss eine solche aus."

Die Mehrzahl der EU- und Nato-Außenminister machte Powell klar, dass über einen Wiederaufbau erst nach Ende der Kämpfe gesprochen werden könne. Der EU-Ratspräsident, Griechenlands Außenminister Giorgos Papandreou, sagte nach einem gemeinsamen Mittagessen: "Eine UN-Resolution wird die Voraussetzung für eine volle Beteiligung der EU nach dem Kriege sein." In einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Donnerstagausgabe) deutete Großbritanniens Außenminister Jack Straw Interesse für diese Linie an. "Wir alle sind uns einig in unserer gemeinsamen Unterstützung für eine zentrale Rolle der Vereinten Nationen", schrieb er.

Fischer zog eine positive Bilanz des Treffens mit Powell. Alle Teilnehmer gingen nach seinen Worten von einer wichtigen Rolle der UN aus. Konkreter wollte sich Fischer nicht äußern, weil die Lage nach Ende des Krieges nicht absehbar sei. Der französische Außenminister Dominique de Villepin sagte: "Wenn die Zeit reif ist, wollen wir eine zentrale Rolle der UN beim politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau."

Nato-Generalsekretär Robertson hob die verbesserte Atmosphäre hervor. "Es gab in der Vergangenheit Spaltungen, aber ich sehe einen wachsenden Konsens." Alle seien sich einig, dass der Krieg so schnell wie möglich beendet und humanitäre Hilfe in den Irak gebracht werden müsse.

Frankreich und Deutschland wollten zudem keine Diskussion über den Wiederaufbau führen. Fischer sagte: "Darüber kann ich nur sehr abstrakt spekulieren, solange die Kämpfe anhalten." Eine ähnliche Position vertrat Frankreichs Außenminister Villepin. Der türkische Außenminister Abdullah Gül sicherte nach Angaben Papandreous für seine Regierung zu, nicht mit Truppen in den Norden des Irak einzurücken.

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