Treffen mit Investoren kurzfristig abgesagt
British Telecom steckt in der Schuldenfalle

Nach offizieller Lesart will sich British Telecom alle Möglichkeiten offen halten, den 30 Milliarden Pfund schweren Schuldenberg zu verringern. Doch der geplante Verkauf mehrerer Unternehmenstöchter verzögert sich. Eine Kapitalerhöhung wird immer wahrscheinlicher.

LONDON. Die Nerven bei dem britischen Konzern British Telecom Plc. liegen offensichtlich blank. Ein für gestern Abend anberaumtes Treffen mit institutionellen Anteilseignern wurde abgesagt. Bestätigen wollte das BT jedoch nicht. Auslöser dieser Entscheidung waren offensichtlich die in den vergangenen Tagen zahllosen Spekulationen in der britischen Presse über anstehende Entscheidungen, die 30 Mrd. Pfund schwere Schuldenlast des Telekom-Riesen zu mindern. Über die Rücktritte des CEO Sir Peter Bonfield und des Chairmans Sir Ian Vaillance wird schon lange spekuliert.

Ziel von BT ist es, den Schuldenstand bis Ende des Jahres um 10 Mrd. Pfund zu verringern. Das ist genau der Betrag, den BT nach Auffassung von Bonfield zu viel für die UMTS-Lizenzauktionen gezahlt hat.

Auf den Weg gebracht wurde bereits ein Verkaufsprogramm für Immobilien, mit dem 2 Mrd. Pfund erlöst werden soll. Ferner will man sich von Beteiligungen in Asien trennen, die nicht mehr als zentral für die Geschäftsstrategie angesehen werden.

Trennung von Japan Telekom?

Bislang war Japan davon ausgenommen. Doch auch der 20 % Anteil von BT an Japan Telecom (JT) steht wohl zur Disposition. Der britische Konkurrent Vodafone hält 25 % an JT und hat sein Interesse erklärt, seine Beteiligung weiter zu erhöhen. Über JT haben die Anteilseigner auch Zugriff auf J-Phone, dem drittgrößten japanischen Mobilfunkbetreiber.

Der Druck auf das Management von BT hat sich durch den verpatzten Börsengang der Mobilfunktochter von France Télécom, Orange, mächtig erhöht. Denn maßgeblich sollte das Sparziel bislang durch Börsengänge der Gelben Seiten "Yell" und der Mobilfunkaktivitäten, die in BT Wireless gebündelt sind, erreicht werden. Rund 5 Mrd. Pfund wollte BT für einen Freefloat in Höhe von 25 % für BT Wireless erlösen. Bei den derzeit widrigen Marktbedingungen ist das jedoch illusorisch. Unter Wert will BT seine Assets jedoch auch nicht verkaufen.

Die Zeit drängt. Bei Rating-Agenturen wie Moody´s und Standard & Poors steht BT auf der Watch-List. In der City wird die Stimmung bei BT so wiedergegeben: Das Unternehmen sei eher bereit, ein schlechteres Kreditranking in Kauf zu nehmen als Vermögen unter Preis zu verschleudern. Derzeit verfügt BT noch über ein Single A-Rating, das auf ein BBB abrutschen könnte. Damit verbunden wären höhere Zinszahlungen für Kredite.

BT erwägt Kapitalerhöhung

Als weitere Maßnahme zur Schuldenreduzierung erwägt BT jetzt offensichtlich eine Kapitalerhöhung, die bei der gegenwärtigen Kursentwicklung eher als Verzweiflungstat gewertet werden muss. Gestern stieg die Aktie im Handelsverlauf zwar um 3,4 % auf 517 p, doch notiert sie damit immer noch dicht an ihrem Drei-Jahres-Tief. In den vergangenen drei Jahren schwankte die Notierung zwischen 488 p und 1330 p.

In britischen Medien ging man davon aus, dass institutionelle Investoren ihre Bereitschaft, neue Aktien zu zeichnen, vom Rücktritt des Führungsduos abhängig machen würden.

Nicht wenige reiben sich die Augen angesichts der Entwicklung von BT. Das 1984 privatisierte Unternehmen hat unter dem Strich zu wenig aus seinen Freiheiten gemacht. Stieg Vodafone beispielsweise innerhalb von wenigen Jahren zum weltgrößten Mobilfunkanbieter auf, muss BT in Großbritannien um seinen zweiten Platz auf dem heimischen Mobilfunkmarkt kämpfen.

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