Treffen mit Taliban-Regierung geplant
Afghanistan: Diplomatische Bemühungen um Inhaftierte

Deutschland, Australien und die USA haben am Mittwoch ihre Bemühungen um die Freilassung der in Afghanistan inhaftierten Mitglieder einer Hilfsorganisation fortgesetzt.

Reuters CANBERRA. Das australische Außenministerium teilte mit, diplomatische Vertreter der drei Länder würden sich von Pakistan aus um Visa für Afghanistan bemühen. Dort wollten sie einen Zugang zu den Inhaftierten erreichen, die am Sonntag von der Religionspolizei der afghanischen Taliban-Regierung unter dem Vorwurf der Mission für das Christentum festgenommen wurden. Unter den 24 Inhaftierten sind vier Deutsche, zwei Australier und zwei US-Bürger. Sie sind Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now International (SNI).

Eine Sprecherin des australischen Außenministeriums sagte, sie hoffe, dass noch am Mittwoch ein Treffen mit Vertretern der afghanischen Taliban-Regierung in Pakistan zustande komme. Am Donnerstag sollten die diplomatischen Vertreter dann mit einem Flugzeug der Vereinten Nationen (UNO) in Afghanistans Hauptstadt Kabul fliegen. Die Taliban-Regierung habe mitgeteilt, den Inhaftierten gehe es gut.

Missionierung für das Christentum kann nach dem in Afghanistan geltenden islamischen Recht mit der Todesstrafe geahndet werden.

Die deutsche Sektion von Shelter Now International bezeichnete die Vorwürfe der afghanischen Taliban-Regierung als unglaubwürdig. Man könne sich nicht vorstellen, dass die festgenommenen Mitarbeiter bei ihrer Arbeit für das Christentum geworben hätten. Über die Hintergründe der Festnahme lägen Shelter noch keine Informationen aus Afghanistan vor, weil es bisher noch keine Kontakte zu den Gefangenen gegeben habe, teilte die Organisation mit. Ihre Mitarbeiter befänden sich zum Teil schon seit vielen Jahren in der Region. In Afghanistan, wo Shelter in Kabul seit 1993 ein Büro habe, würden Straßenkinder betreut sowie in einer Klinik die Wasserversorgung aufgebaut.

Deutschland unterhält nur Beziehungen unterhalb der diplomatischen Ebene zu den Taliban, die 1996 die Regierung gestürzt hatten und seither 90 % des Landes kontrollieren. Die Taliban-Regierung wird lediglich von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt.

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