Treffen Rumsfeld - Struck
Deutsch-amerikanische Beziehungen normalisieren sich

Rumsfeld sprach am Mittwoch bei einem Kurzbesuch in Deutschland von Anzeichen einer Normalisierung des Verhältnisses.

Reuters GARMISCH-PARTENKIRCHEN. Zugleich wiederholte er jedoch bei einem Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Marshall-Centers für Sicherheitspolitik im bayerischen Garmisch-Partenkirchen aber seinen heftig kritisierten Vergleich zwischen "altem und neuem" Europa. Während er demonstrativ das Engagement osteuropäischer Staaten im Irak-Krieg lobte, ignorierte er die Kriegsgegner Deutschland und Frankreich. Bei einem anschließenden Händeschütteln für die Fernsehkameras sprach er Struck sein Beileid für den Tod von vier deutschen Soldaten in Afghanistan aus. Struck zeigte sich versöhnlich: "Wir waren in der Irak-Frage unterschiedlicher Auffassung. Wir richten den Blick jetzt nach Vorne."

Rumsfeld hatte Deutschland und Frankreich wegen ihrer Ablehnung eines Militärschlags gegen Irak heftig kritisiert und als "altes Europa" bezeichnet, während sich das "neue Europa" in Richtung Osteuropa verlagert habe. Der Vergleich war in vielen europäischen Ländern auf heftige Kritik gestossen. Zwischen Deutschland und den USA war es zu einem schweren Zerwürfnis gekommen, nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine militärische Beteiligung kategorisch ausgeschlossen hatte.

Rumsfeld lobt Polen und Rumänien

Es stelle sich die Frage, warum viele Länder, darunter viele kleine und andere mit wirtschaftlichen Problemen, soviel zu Frieden und Sicherheit hätten beitragen können, sagte Rumsfeld in einer halbstündigen Rede vor Ministern, Sicherheitsexperten und hochrangigen Offizieren aus 32 Ländern. "Es legt den Schluss nahe, dass die Unterscheidung zwischen dem alten und neuen Europa heute nicht wirklich Sache des Alters oder Größe oder Geographie ist. Es ist eine Frage der Haltung - der Vision, die Länder zusammenbringt zu einem transatlantischen Verhältnis."

Einige Länder - aber nicht alle - sähen die Gefahren des Terrorismus und der Massenvernichtungswaffen als sehr ernste Bedrohung. "Wenn wir mit diesen neuen Gefahren umgehen müssen, benötigen wir neue Instrumente internationaler Kooperation, einschließlich neuer Autoritäten", forderte Rumsfeld.

Auf Deutschland und Frankreich ging er in der Rede nicht ein. Bei seiner Ankunft sagte er auf Fragen von Reportern, der jüngste Besuch von US-Präsident George W. Bush zeige Anzeichen für eine Normalisierung des Verhältnisses. Rumsfeld überging zugleich eine scharfe Passage in seinem vorab verteilten Redemanuskript, in der einigen Ländern in Europa vorgeworfen wurde, sich durch Opposition und als Gegengewicht zu Amerika zu definieren. Dagegen hob Rumsfeld ausdrücklich das Engagement Polens, Rumäniens und Albaniens bei der Nachkriegsordnung in Irak hervor. Beide Länder hatten den Irak-Krieg der USA und Großbritanniens uneingeschränkt unterstützt, Polen hatte rund 200 Elitesoldaten entsandt.

Struck zeigt sich versöhnlich

In einer Rede forderte Struck, Differenzen in der Irak-Frage zwischen Deutschland und den USA dürften nicht die transatlantische Partnerschaft belasten. "Auch unsere europäischen Nachbarn können erwarten, dass diese starke transatlantische Partnerschaft ein wichtiger Motor bleibt für die Bewältigung der großen Herausforderungen in Europa und darüber hinaus." Wie Rumsfeld forderte er, die Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA auszubauen, um die Gefahren wie Terrorismus wirksamer zu bekämpfen.

Struck hatte bei seinem Eintreffen angekündigt, auch mit Rumsfeld bei einem informellen Treffen über die Friedensbemühungen in Afghanistan zu sprechen. Ein offizielles Gespräch war nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums nicht geplant. Details wurden zunächst nicht bekannt.

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