Trend geht zu leicht verständlichen Produkten
Wettbewerb bei Optionsscheinen hilft Anlegern

Sollten sich die Aktienmärkte wie erwartet in diesem Jahr erholen, dürfte auch der Optionsscheinmarkt wieder verstärkt in den Fokus der Anleger rücken. Risikofreudige Anleger versuchen, mit relativ wenig Kapital über den Hebeleffekt hohe Gewinne einzufahren oder sichern ihr Depot gegen mögliche Verluste ab.

FRANKFURT/M. Am Markt für Optionsscheine werden in diesem Jahr vor allem Scheine auf Indizes gefragt sein. Davon geht Harald Schnabel, Vorstandsmitglied der Euwax Broker AG, aus. "Bei Scheinen auf Aktien werden sich die Anleger auf Schwergewichte wie Siemens, SAP, Daimler-Chrysler oder die Telekom konzentrieren", prognostiziert Dirk Heß, Warrantspezialist bei der Citibank.

Der Optionsscheinmarkt bleibe ein Markt für private Anleger, die spekulieren oder ihr Depot absichern wollten, ergänzt Heß. Im Vergleich zu Aktien brauchen Investoren bei Optionsscheinen weniger Kapital, haben durch den Hebeleffekt aber höhere Gewinnchancen - allerdings können auch die Verluste größer ausfallen. Insbesondere Kauf- und Verkaufsoptionen - so genannte Calls und Puts - auf den Deutschen Aktienindex (Dax) mit kurzen Laufzeiten dürften 2002 einen großen Anteil am Gesamtumsatz ausmachen, glauben Experten.

Optionsscheine auf Indizes waren gefragt

Dieser Trend zeichnete sich bereits im vergangenen Jahr ab. Optionsscheine auf Indizes hatten nach Angaben der Deutschen Bank am deutschen Markt einen Anteil von fast 57 %. Dahinter kamen Scheine auf Einzelaktien mit 38 %. Währungsoptionsscheine erreichten knapp 5 %. "Bei diesen Scheinen passiert kaum etwas, weil die Anleger für Währungen momentan keine Kursphantasie haben", erklärt Florian Brechtel von der Deutschen Bank. Fast bedeutungslos waren zudem Edelmetall- und Zinswarrants. Die Citibank wird daher beispielsweise ihre Zinsscheine auslaufen lassen und keine neuen mehr begeben. Nach Angaben der Deutschen Bank wurden 2001 insgesamt für 50 Mrd. Optionsscheine gehandelt.

Die meisten Anleger werden auch weiterhin einfache, leicht verständliche Optionsscheine kaufen, glaubt Brechtel. Sollten sich die Aktienkurse wie erwartet in diesem Jahr erholen, dürften auch die Umsätze auf dem Warrant-Markt wieder anziehen. 2001 sei ein Tiefpunkt erreicht worden, sagt Heß. Für dieses Jahr rechnet er mit einem Umsatzzuwachs von 30 %.

Optionsscheinmarkt wird weiter wachsen

Insgesamt dürfte der Markt für Optionsscheine weiter wachsen. 2001 hatte sich der Warrant-Bestand bereits um 41 % erhöht, zum Jahresschluss gab es in Deutschland knapp 30 000 Optionsscheine. Damit gilt der deutsche Warrant- Markt als der größte der Welt. Während Citibanker Heß davon ausgeht, dass es in diesem Jahr eher etwas weniger neue Scheine als im vergangenen Jahr geben wird, rechnet die Deutsche Bank damit, dass die Anzahl der Optionsscheine bis zur Jahresmitte die 35 000-er Marke überschreiten könnte.

Einig sind sich die Experten aber darin, dass der Wettbewerb unter den Emittenten durch weitere neue Anbieter auf dem Markt zunehmen wird. Den 29 Emissionshäusern, die ihre Produkte an der Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax notieren lassen, wollen sich nach Angaben Schnabels in diesem Jahr bis zu fünf weitere anschließen. Da die Optionsscheinanbieter auch im Kundenservice beispielsweise durch hilfreiche Analysewerkzeuge auf ihren Internetseiten oder spezielle Kundenmagazine miteinander konkurrieren, profitiert der Privatanleger.

Preiskampf kommt dem Anleger zugute

"Er hat bessere Vergleichsmöglichkeiten bei den einzelnen Produkten, außerdem dürfte der Preiskampf unter den Anbietern zu insgesamt niedrigeren Preisen führen", erklärt Brechtel. Allerdings würden die ersten fünf Emissionsbanken nach Marktanteilen die gleichen bleiben, ändern könne sich in dieser Gruppe lediglich der eine oder andere Ranglistenplatz. Bei der Société Générale geht man davon aus, dass Anbieter mit einem Marktanteil von unter vier Prozent auf Dauer kein Geld verdienen werden und daher ihre Position langfristig nicht halten können.

Auffällig war im vergangenen Jahr vor allem, dass die Zahl der äußerst kurzfristig orientierten Anleger, der so genannten Day-Trader, zugenommen hat. Zum Teil waren auch Verkaufsoptionsscheine stärker gefragt als Kaufoptionsscheine. Das ist ungewöhnlich, weil Anleger als Optimisten gelten, die schon aus psychologischen Gründen lieber auf steigende Kurse spekulieren. Inzwischen haben die Calls aber wieder die Oberhand.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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