Trend hin zu Zertifikaten
Banken verdienen wenig mit Optionsscheinen

Das Optionsschein-Geschäft steckt in der Krise. Deutschland ist zwar der wichtigste Markt für Optionsscheine. Doch die Konkurrenz unter den Anbietern steigt. Das drückt auf die Margen. Wichtige Emittenten setzen nun vermehrt auf Zertifikate.

FRANKFURT/M. Über Jahre hinweg war das Geschäft mit Optionsscheinen klein aber fein. Institute wie der Marktführer Citibank fuhren kräftige Gewinne ein. Auf Grund des Erfolgs wird der Optionsschein-Handel weltweit sogar aus Frankfurt heraus gelenkt und das Know-how in andere Länder wie Japan exportiert. Doch seit einigen Monaten läuft das Geschäft nur noch schleppend; die Margen schrumpfen. Es kommt zu ersten Entlassungen.

So hat die Citibank auf die veränderte Situation reagiert und trennt sich nach Informationen des Handelsblatts von zehn ihrer rund 100 Mitarbeiter im Optionsscheingeschäft. Unter den Entlassenen sind allein sechs Händler. Die Citibank wollte die Zahlen nicht bestätigen, betonte jedoch: "Aus strategischen Überlegungen heraus und angesichts des allgemeinen Marktumfelds bauen wir gezielt Überkapazitäten innerhalb der gesamten Organisation ab." Die Entscheidung hat Signalwirkung für die Branche - schließlich hat

die Citibank in Deutschland bei Optionsscheinen (Warrants) einen Marktanteil von fast 50 Prozent.

Deshalb steigt auch bei anderen Optionsschein-Anbietern die Nervosität der Mitarbeiter. Am Markt wird beispielsweise über einen Rückzug von Nomura spekuliert. Das Institut begibt vornehmlich Scheine auf japanische Aktien. Lehman Brothers hat die Stelle eines Mitarbeiters nicht wieder besetzt.

Einzig bei den großen Emittenten BNP Paribas und Deutsche Bank sieht es anders aus: Es werde nicht an Kündigungen gedacht, heißt es. Im Gegenteil: Die Deutsche Bank versucht mit hohen Marketingausgaben ihren Marktanteil zu steigern - mit Erfolg. Nach Angaben der Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax kletterte der Marktanteil der Deutschen, der Mitte 2001 noch bei rund vier Prozent lag, auf fast zehn Prozent.

Die Probleme fußen auf mehreren Gründen

Die Probleme im Optionsscheingeschäfts fußen auf mehreren Gründen: Bei den anhaltend schwachen oder bestenfalls seitwärts laufenden Börsen halten sich immer mehr Anleger auch bei Warrants zurück. Schließlich sind Optionsscheine spekulative Instrumente, die meist von Optimisten genutzt werden. Nach den Worten von Dirk Heß, Warrant-Experte der Citibank, beträgt etwa der Anteil von Kaufoptionsscheinen, die für steigende Kurse gut sind, bei Aktienwarrants rund 70 Prozent. Zwar kann man mit den Scheinen bei geringem Einsatz viel Geld verdienen. Aber auch Totalverluste sind möglich.

Hinzu kommt, dass sich das Warrant-Angebot gegenläufig zur Nachfrage entwickelt hat: Gab es im Jahr 2000 noch 18 700 neu emittierte Produkte, stieg deren Zahl 2001 schon auf 26 000. Wer etwa auf steigende Aktienkurse bei dem Softwarehersteller SAP spekulieren will, hat dafür 525 Kaufoptionsscheine zur Auswahl. Nur: In Zeiten sinkender Margen, wie sie alle Marktteilnehmer bestätigen, benötigen die Emittenten zumindest hohe Umsätze, um auf ihre Kosten zu kommen. Doch durch das steigende Angebot werde der Handel zersplittert, räumt ein großes Handelshaus ein. Hohe Umsätze sind folglich selten.

Der Grund für das massiv steigende Angebot liegt in der Anzahl der Wettbewerber. Ein Beispiel: Zum Jahreswechsel notierten die Produkte von 29 Emissionshäusern an der Stuttgarter Euwax. In diesem Jahr wollen sich bis zu fünf weitere anschließen, sagt Euwax-Vorstandschef Harald Schnabel. Consors Capital ist bereits seit kurzem aktiv. Die belgische KWC wird als nächster Kandidat gehandelt. Durch das reichhaltige Warrant-Angebot würden die Spannen zwischen An- und Verkaufskursen bei den Scheinen immer kleiner, stöhnen Marktteilnehmer. Damit schrumpfen auch die Gewinnmargen.

Angesichts des Ertragsdrucks liegt die Hoffnung der Banken auf Zertifikaten. Fondsanleger kaufen derzeit verstärkt Zertifikate, die einen Aktienindex 1:1 nachbilden. Als Vorteile nennt Reinhard Bellet vom Marktführer Deutsche Bank, dass es keinen Ausgabeaufschlag gebe, keine Managementgebühr anfalle, der Kauf- dem Verkaufskurs entspreche und die Papiere besser handelbar seien. Der Trend zu Zertifikaten lässt sich belegen: Nach Angaben der Euwax setzten alle Emittenten zusammen in 2001 Optionsscheine für elf (Vorjahr: 17) Mrd. Euro um; die Umsätze mit Zertifikaten betrugen gut eine Mrd. Euro. Doch allein im Januar 2002 haben die Emittenten mit Zertifikaten mehr als 200 Mill. Euro und mit Optionsscheinen 688 Mill. Euro umgesetzt.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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