Trend nach oben vorerst gestoppt
Aufschwung nach Ifo-Indexrückgang immer fraglicher

Knapp vier Wochen vor der Bundestagswahl wird der bislang erwartete Aufschwung der deutschen Wirtschaft immer fraglicher. Trotz des erneuten Rückgangs des Ifo-Geschäftsklimaindexes erwarten Experten aber kein neues Abgleiten in eine Rezession. . Dennoch erwarten Experten kein neues Abgleiten in die Rezession.

Reuters FRANKFURT. Das viel beachtete Barometer für Stimmung der Unternehmen sank im August den dritten Monat in Folge auf 88,8 Zähler von 89,9 im Juli, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch mitteilte. "Damit signalisiert der Ifo-Indikator, dass der Aufschwung zumindest vorübergehend unterbrochen sein könnte", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch Bankenvolkswirte sprachen von einem schlechten Vorzeichen für die erhoffte Wachstumsbeschleunigung. Die Bundesregierung bekräftigte vor der Veröffentlichung des Ifo-Indexes ihre Wachstumsprognose von 0,75 % in diesem Jahr. Nach Ansicht der Opposition ist dieser Wert nach dem Rückgang des Ifo-Indexes aber nicht mehr zu halten.

Der schwache Index belastete die deutschen Aktien, die schon vor der Veröffentlichung im Minus tendiert hatten. Von Reuters befragte Volkswirte hatten ein Minus auf 89,0 Zähler prognostiziert. Der Rückgang resultiert Sinn zufolge vor allem aus einer ungünstigeren Zukunftseinschätzung der Unternehmen. Während sich das Geschäftsklima im Bausektor nicht verändert habe, verschlechterte sich die Stimmung vor allem im Verarbeitenden Gewerbe, erklärte Sinn.

Hochwasser bremst Panik ein

Obwohl ein dreimaliger Rückgang des Indexes nach einer Faustregel des Instituts eine wirtschaftliche Abkühlung signalisiert, warnen Volkswirte davor, die Zahl überzubewerten. "Einen Hinweis auf ein erneutes Abknicken der Konjunktur geben die Zahlen noch nicht her, da man nicht weiß, welche verzerrenden Effekte das Hochwasser mit sich brachte", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. "Aber der Gegenwind für die deutsche Wirtschaft wird stärker."

Auch Ifo-Volkswirt Nerb sagte in einem Reuters-Interview, er erwarte keinen wirtschaftlichen Abschwung, das Risiko einer weiterhin schwachen Entwicklung habe aber zugenommen. "Wir sehen zumindest die Gefahr, dass der Aufschwung im zweiten Halbjahr nicht an Tempo gewinnt", sagte Nerb. Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank erwartet keine Wachstumsbeschleunigung in diesem Jahr mehr. "Das läuft auf ein Jahreswachstum von 0,4 % in diesem Jahr hinaus."

Regierung sieht weiter Konjunkturerholung

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hält dagegen an seiner optimistischen Prognose für das deutsche Wachstum 2002 von rund einem Prozent fest. Müller sagte dem Magazin "Focus Money" in einem am Mittwoch vor dem Ifo-Index veröffentlichten Interview, die Entwicklung liege bislang "exakt im Trend der Regierungsprognose von 0,75 % für dieses Jahr". Er ergänzte: "Ich bleibe aber etwas optimistischer: Die Wirtschaft wird in der zweiten Hälfte kräftiger wachsen". Auch das Bundesfinanzministeriums blieb in seinem jüngsten Monatsbericht weiter zuversichtlich, dass sich die Wachstumsaussichten verbessern.

Nerb zufolge wird es jedoch angesichts der jüngsten Daten schon schwierig, das vom Ifo-Institut erst kürzlich prognostizierte Jahreswachstum von 0,7 % zu erreichen. Für den wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Matthias Wissmann, macht der jüngste Ifo-Index die Aussagen der Regierung zum Haushalt 2003, zu den geschätzten Steuereinnahmen und zum erhofften Wachstum zur "Makulatur". Sein Pendant bei der FDP-Fraktion, Rainer Brüderle, wertete den Index-Rückgang als Zeichen dafür, dass die Wirtschaft auf einen Regierungswechsel warte.

Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin sagte, wegen der besonderen Lage sei nun der Ifo-Wert für September sehr wichtig. "Die Faustregel mit den drei Monaten Rückgang ist keine Universalgesetz, sondern nur eine Faustregel. Der Juni-Wert war weitestgehend stabil, also haben wir eigentlich erst zwei Monate Rückgang."

Der Index für die Erwartungen fiel auf 100,8 Punkte von revidiert 102,4 Zählern im Juli. Der Index für die Bewertung der gegenwärtigen Lage sank auf 77,3 von 77,9 Punkten. In Ostdeutschland ging der Geschäftsklimaindex im August auf 99,1 (99,6) Punkte zurück.

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