Trend: Verwaltungsprozesse vollständig auslagern
Business Process outsourcing: Grenze fließend

Nach langer Suche haben die Unternehmensberater ein neues verheißungsvolles Wachstumsfeld gefunden: 100 Prozent Outsourcing. Die Idee, Verwaltungsprozesse vollständig auszulagern, findet auch Widerhall in der deutschen Unternehmenslandschaft.

New Blue nennen seine Kollegen Holger Meffert - der IBM-Jargon für neue Mitarbeiter. Der 34-jährige Physiker hat am Monatsbeginn seinen Arbeitgeber gewechselt. Den Arbeitsplatz allerdings bisher nur zur Hälfte. Bis Mai verbringt er täglich einige Stunden im Turm der Dresdner Bank in Frankfurt - den Rest des Tages bei IBM im Frankfurter Stadtteil Sossenheim. Meffert ist Leiter der Qualitätssicherung für das Projekt Dresdner Bank und einer von 24 Mitarbeitern, die seit 1. Februar eine Vorstufe des Risiko-Controllings für ihren alten Arbeitgeber mit dem grünen Band fortführen - unter dem Dach des blauen Riesen. "In der Bank hatten wir eine rein unterstützende Funktion, jetzt übernehmen wir eine Aufgabe, die hier zum Kerngeschäft zählt", sagt Meffert. IBM will das Modell auch anderen Banken anbieten. "Wir können gut 95 Prozent des deutschen Bankensektors abdecken", sagt Stefan Riedel, Leiter des Versicherungsbereichs für Zentraleuropa bei IBM Business Consulting Services.

Was viele Industrieunternehmen seit zwei Jahrzehnten durch immer weitergehende Reduktion der Fertigungstiefe vormachen, erreicht jetzt auch die Verwaltung. Was nicht zum Kerngeschäft gehört, sollen andere machen - effizienter und billiger. Firmen durchleuchten ihre administrativen Prozesse auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, Teile ihres Geschäfts auszulagern, um Kosten zu senken. "In Zukunft werden Geschäftsprozesse nicht mehr nur ausgelagert, sie werden auch neu strukturiert", sagt Stephan Scholtissek, Deutschland-Chef des IT-System- und Beratungshauses Accenture. Nach der Einführung des Fließbands und der Auslagerung der Fertigung an Zulieferer erlebt jetzt die Wirtschaft "die dritte Revolution der Wertschöpfung" - so der Titel eines neuen Buches, an dem Scholtissek mitgeschrieben hat. "Diese Entwicklung wird eine größere Tragweite haben als die Erfindung des Fließbandes", sagt Scholtissek (siehe Interview: ... "den Kopf freikriegen").

Und soll auch Beratern und Systemhäusern die lang ersehnten Impulse bringen. Ihre Hoffnung: Nach Jahren der Stagnation endlich ein neues Konzept gefunden zu haben, das wieder millionenschwere Geschäfte verspricht - wie in der Vergangenheit die Managementtheorien Benchmarking, Just-in-time-Produktion, Portfolioanalyse, Business Reengineering, Six Sigma oder auch der E-Commerce-Hype. Das jetzt propagierte Ziel: Ganze Abteilungen und Prozesse wie Buchhaltung, interne Rechnungslegung, Gehaltsabrechnung oder Personalverwaltung herauszulösen und ihre Abwicklung an externe Dienstleister abzugeben. Ein Kuchen, den die großen Beratungs- und Systemhäuser wie Accenture, EDS, IBM gerne unter sich aufteilen wollen. Der Traum der Berater: 100 Prozent Outsourcing. "Für die Branche hängt sehr viel an dieser Entwicklung", sagt Mitautor Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. "Gerade für die großen Anbieter wird es immer schwieriger, organisch zu wachsen. Kleinere Aufträge reichen nicht mehr aus, um die eigenen riesigen Kapazitäten auszulasten."

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