Trend weist dennoch nach oben
Analysten sehen Stagnation bei Industrieaufträgen

Die deutsche Industrie hat im Mai nach Einschätzung von Analysten kaum mehr Neuaufträge verbucht als im April.

Reuters FRANKFURT. Teilweise rechnen Volkswirte sogar mit einem Auftragsrückgang, den sie allerdings nur als Ausgleich für die hohe Zuwachsrate im April sehen. Insgesamt sei der Trend nach oben gerichtet. Ein weiterer Anstieg des Euro zum Dollar könne die Aufträge, vor allem aus dem Ausland allerdings auch belasten. Insgesamt werde das Wirtschaftswachstum sich im Jahresverlauf aber trotzdem beschleunigen.

Das Finanzministerium in Berlin wird die Daten zur Auftragsentwicklung im Mai am Donnerstag veröffentlichen. Von Reuters befragte Analysten rechnen im Schnitt mit einer leichten Zunahme der Aufträge um 0,1 Prozent zum April. Im Jahresvergleich erwarten sie einen Rückgang um 3,0 Prozent. Das Auftragsvolumen war von März auf April um 2,3 Prozent gestiegen. Dabei hatte es keine nennenswerten Großaufträge gegeben, die traditionell zu starken Ausschlägen der Daten führen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hatte das Auftragsvolumen im April um 1,3 Prozent zugenommen.

Volkswirte sehen Aufträge im Aufwärtstrend

Optimistisch zeigt sich Volkswirt Gregor Beckmann von HSBC Trinkaus in Düsseldorf, indem er für Mai ein Auftragsplus von 0,8 Prozent zum Vormonat prognostiziert. Damit liegt er am oberen Rand der Analystenerwartungen, die Werte zwischen dieser Marke und minus 1,1 Prozent voraussagen. Gerd Haßel von der BHF Bank in Frankfurt sieht dagegen einen zum Vormonat unveränderten Wert, vielleicht sogar ein leichtes Minus. Manfred Kurz, Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank in München, geht sogar von einem deutlichen Rückgang aus. Doch wie seine Kollegen erkennt er in dem Rückgang kein Ende des Aufwärtstrends.

"Der Rückgang im Mai wird nur den Ausreißer nach oben korrigieren, den wir im April gesehen haben", sagt Kurz. Er beziffert den Trend auf ein Wachstum von rund einem Prozent zum jeweiligen Vormonat und erwartet, dass die Aufträge in den kommenden Monaten durchschnittlich mit diesem Tempo weiterwachsen werden. Haßel erwartet ebenfalls eine Beruhigung nach dem steilen Order-Anstieg im April. "Außerdem wird die Zahl durch die vielen Feier- und Brückentage im Mai verzerrt." Für einen schwachen Mai-Wert sprächen auch die rund zehntägigen Streiks in der Metallindustrie. Haßel rechnet allerdings schon für Juni wieder mit einem Anstieg der Aufträge.

"Der Trend ist weiterhin aufwärts gerichtet", sagt Beckmann. Wesentliche Impulse werden seiner Einschätzung nach vom Exportsektor kommen, aber auch von der Binnennachfrage. Was die ausländischen Aufträge angeht, sei allerdings ein starker Euro ein Belastungsfaktor. "In der Mai-Zahl ist der Euro aber sicher noch nicht drin." Beckmann richtet für die kommenden Monate den Blick in die USA: "Die US-Konjunktur springt an und erhöht auch die Nachfrage nach deutschen Gütern. Das wird mögliche Ausfälle durch den Anstieg des Euro mehr als kompensieren."

Stärkeres Wachstum erwartet

Bis Ende des Jahres wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach Auffassung der Volkswirte weiter ansteigen. Chefvolkswirt Kurz erwartet im Jahresdurchschnitt einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,7 oder 0,8 Prozent nach 0,6 Prozent im vergangenen Jahr. Die Zahlen fielen so mäßig aus, weil der Jahresbeginn schwach verlaufen sei: "Der Unterhang, den wir mitschleppen, muss erst einmal aufgeholt werden."

Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums hat sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal wieder beschleunigt. Zum Vorjahreszeitraum sei es um rund 0,75 Prozent gestiegen, schreibt das Ministerium in der Juli-Ausgabe der Internet-Seite "Wirtschaftsfakten". Zum ersten Quartal werde das Plus saisonbereinigt mehr als 0,5 Prozent betragen. Im ersten Quartal hatte sich das BIP nur um 0,2 Prozent zum Vorquartal erhöht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%