Trend zu partnerschaftlichen Allianzen
Pharmakonzerne schauen jetzt zwei Mal hin

Nachdem Bristol-Myers mit dem Engagement bei Imclone Schiffbruch erlitten hat, wird die Pharmabranche bei Biotech-Allianzen vorsichtiger. Sie nimmt Neuentwicklungen genauer unter die Lupe.

FRANKFURT/NEW YORK. Der Fall Imclone hat die Gewichte zwischen Pharmakonzernen und Biotechfirmen verschoben. Nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA Imclones viel versprechendem Krebsmittel Erbitux die Zulassung verweigert hat, nehmen die Konzerne die Allianzen mit Biotechfirmen verstärkt unter die Lupe. Manager und Analysten gehen davon aus, dass Arzneimittelhersteller künftig genauer hinschauen, bevor sie Lizenzen für neue Produkte oder Technologien kaufen. Ob dieser Trend die Position der Biotechfirmen generell schwächt, bleibt aber umstritten.

Noch bis Ende des vergangenen Jahres deutete vieles auf eine stetig wachsende Verhandlungsmacht der Biotechbranche. Der Umfang der Forschungs- und Entwicklungs-Kooperationen und die vereinbarten Lizenzgebühren für Neuentwicklungen erreichten immer neue Höhen und gipfelten in dem 2 Mrd. $ schweren Deal, den Bristol-Myers mit Imclone Systems vereinbarte, um sich die Vertriebsrechte an Erbitux zu sichern.

FDA weist Zulassungsantrag zurück

Doch die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Zulassungsantrag für Erbitux zurückgewiesen, woraufhin Bristol-Myers mehr als 700 Mill. $ auf ihre Imclone-Beteiligung abschreiben musste. Damit scheint ein Wendepunkt in den Beziehungen Pharmaindustrie-Biotech-Branche erreicht. Darauf zumindest setzen die Manager großer Pharmakonzerne, so Igor Landau, Vorstandsmitglied des deutsch-französischen Pharmariesen Aventis. "Die Konditionen werden wieder auf ein vernünftiges Niveau zurückkehren. Imclone kam gerade zur rechten Zeit." Ähnlich argumentiert Thomas Picone, Vice President für Lizensierung beim US-Konzern Pharmacia: "Wir rechnen mit besseren Deals", sagte bei einer Branchenkonferenz in New York.

Externe Beobachter sehen das differenzierter: "Imclone war sicherlich ein Sonderfall, den man so nicht verallgemeinern kann", sagt Anders Hove, Manager der Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech, die selbst einen Anteil an Imclone hält. Für die Biotechs spricht unter anderem, dass vor allem die größeren Unternehmen nach wie vor relativ üppig mit Liquidität ausgestattet sind. Gleichzeitig sind Pharmafirmen weiter stark an Neuentwicklungen interessiert. Alison Taunton-Rigby, Chef der Marktforscher von Forester Biotech, sieht daher die Position der Biotech-Firmen wenig beeinträchtigt. "Wenn sie ein gutes Produkt haben, wird es immer noch genug Unternehmen geben, mit denen sie reden können."

Trend zu partnerschaftlichen Beziehungen

Schwierig könne es für jüngere Firmen werden, deren Produkte noch ganz am Anfang stehen. Denn für sie sei der Weg an den Aktienmarkt derzeit weitgehend verschlossen. Sicher sind sich aber alle Beteiligten darin, dass Pharmafirmen künftig genauer hinschauen.

So lässt Pharmacia - wie viele andere Firmen - mögliche Partner-Unternehmen vor dem Abschluss einer Allianz jetzt genauer unter die Lupe nehmen. Lizenz-Experte Picone räumt indessen ein, dass dieses Prozedere seine Grenzen hat. "Es gibt immer noch genug Interessenten. Wenn wir die vierte Due Dilligence verlangen, wird das Biotech-Unternehmen sich für einen den entscheiden, der sich mit zwei Prüfungen begnügt."

Verstärken dürfte sich auch der Trend zu partnerschaftlichen Beziehungen. Waren viele Deals bisher durch hohe Anfangszahlungen (an Biotechfirmen) und geringe Lizenzgebühren im Erfolgsfall gekennzeichnet, wurden in jüngerer Zeit Kooperations-Modelle entwickelt, bei denen sich die Partner Risiken, Kosten und mögliche Erträge teilen. Als typische Beispiele gelten Deals von Aventis mit Millennium oder Bayer mit Curagen. Hohe Anfangszahlungen für neue Technologien oder Substanzen werden dabei durch höhere Lizenzgebühren bei erfolgreicher Vermarktung ersetzt. "Das fördert auch die Motivation der Firmen, bis zum Ende an den Produkten zu arbeiten", zeigt sich Werner Kroll von der Pharmacogenomics-Abteilung bei Bayer überzeugt. "Die schummeln nicht, weil sie wissen, sie bekommen das Geld nur zum Schluss."

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