Trend zu Zweitplatzierungen hält an
Anleger misstrauen den Börsenneulingen

Deutschland wird im nächsten Jahr eine Sonderrolle bei Aktienemissionen in Europa einnehmen. Wie Hartmuth Jung, Vorstandssprecher der UBS Warburg AG, in Frankfurt betonte, profitiere der hiesige Markt von der im nächsten Jahr anstehenden Steuerreform, durch die Beteiligungsverkäufe von Aktiengesellschaften steuerfrei werden. Dies wird nach seiner Ansicht verstärkt dazu führen, dass Gesellschaften Wertpapiere von beteiligten Unternehmen über Börsengänge, Zweitplatzierungen und den schnellen Blockhandel von Aktienpaketen veräußern.

pot/rob FRANKFURT/M. Nach einem Einbruch bei Neuemissionen in diesem Jahr erwartet Michael Bednar, Managing Director bei UBS Warburg, auch 2002 keinen Boom bei Börsengängen. "Zweitplatzierungen bereits börsennotierter Aktien sind leichter am Markt unterbringen und werden deshalb auch im nächsten Jahr das Bild im Emissionsgeschäft bestimmen," urteilte der Experte. Der Grund: Der jüngste Kursabsturz an den weltweiten Börsen führte dazu, dass Großanleger bei Börsenneulingen vorsichtig geworden sind. Sie bevorzugen Aktien von Unternehmen, die bereits notiert sind, deren Management Erfahrung hat und Erfolge vorweisen kann.

Außerdem können die Aktien von bereits börsennotierten Gesellschaften schnell innerhalb von Stunden bis maximal zwei Tagen platziert werden. Angesichts der starken Kursschwankungen an den Märkten spielt das eine immer größere Rolle. Allerdings betragen die Provisionen der Banken bei derartigen Geschäften mit rund 1 % nur ein Drittel dessen, was bei normalen Börsengängen üblich ist.

Mit ihren Emissionen wenden sich die Unternehmen inzwischen vor allem an institutionelle Investoren. Denn Privatanleger halten sich nach Aussage von Ernst Fassbender, Managing Director bei Merrill Lynch, mit Engagements zurück. Während sie von 1997 bis 1999 noch die Garanten für gut laufende Aktienplatzierungen waren, hat ihnen der Kursrutsch der letzten 19 Monate die Stimmung gründlich verdorben. Private Investoren bevorzugten inzwischen, sich indirekt über Fonds bei Aktien zu engagieren, ergänzte Fassbender.

Die Anleger können im nächsten Jahr zwischen mehreren größeren Emissionen auswählen, die sich bereits jetzt abzeichnen. Dazu gehört nach Einschätzung Bednars die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobile. Zudem kann sich der Investmentbanker auch vorstellen, dass Tchibo einen Börsengang wagt und Infineon sowie Lufthansa Kapitalerhöhungen planen. Die Platzierung von weiteren Anteilen von Stinnes durch die Mutter Eon wäre ebenfalls keine Überraschung. Zudem ist damit zu rechnen, dass der Bund erneut Anteile der Deutschen Post abgibt.

Privatisierungen spielen auch im restlichen Europa eine wichtige Rolle: Allein in Italien wolle sich der Staat von Anteilen an Unternehmen im Wert von 60 Mrd. in den nächsten zwei Jahren trennen, erwartet Adam Welham, Executive Director von UBS Warburg. Auch in Norwegen und Frankreich stünden größere Privatisierungen an.

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