Trend zum Batterie- und Verbundfeuerwerk
Die Freude am Silvester-Feuerwerk ist ungetrübt

Terroranschläge hin, Arbeitslosigkeit her - an Silvester lassen es die Deutschen krachen wie eh und je. Vom morgigen Freitag an ist der Verkauf von Feuerwerkskörpern für den Jahreswechsel erlaubt.

ap FRANKFURT. Die Geschäfte halten Unmengen Raketen und Knallkörper bereit. Der Hauptverband des Einzelhandels (HDE) erwartet einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres, und das sei nur wenig niedriger gewesen als anlässlich des Feuerzaubers zum Jahrtausendwechsel 1999/2000, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr am Donnerstag in Berlin.

Beim elf Mitgliedsfirmen zählenden Verband der pyrotechnischen Industrie in Ratingen ist von mindestens 200 Millionen Mark die Rede, so viel wie letztes Jahr. Das «Silvester-Standbein» bringe der Branche ein gutes Drittel des Umsatzes, berichtete Hans Moeller, Marketing-Leiter des großen Feuerwerksherstellers Nico in Trittau bei Hamburg. Daneben produziert die Branche anspruchsvolles Material für die relativ selten stattfindenden professionellen Feuerwerke sowie pyrotechnische Artikel wie etwa Signalraketen für den Gebrauch bei Militär, Polizei und in der Seefahrt. Raffinierte Neuerungen sorgen dafür, dass die Freude am Ballern und am bunt erleuchteten Himmel in der Silvesternacht nicht nachlässt. Seit einigen Jahren gebe es einen Trend zum Verbund- und Batteriefeuerwerk, berichtet Moeller. Man muss nicht mehr unbedingt jeden Böller und jede Rakete einzeln anzünden. Wer sich etwa eine mit sechs Raketen bestückte «Abschussbasis» für rund 60 Mark kauft, muss nur einmal zünden, dann schießt automatisch alle vier Sekunden eine Rakete in den Himmel. Manche Serienknaller klingen wie minutenlanges Maschinengewehrfeuer.

Klein- und Kleinstfeuerwerke

Rechtlich handelt es sich um «Kleinfeuerwerke», pyrotechnische Gegenstände der Klasse II. Harmlose «Kleinstfeuerwerke» der Klasse I, wie Tischfeuerwerke und Wunderkerzen, dürfen das ganze Jahr über verkauft werden. Der Verkauf der Klasse II ist üblicherweise vom 29. bis 31. Dezember zulässig, in diesem Jahr schon ab dem 28., weil ein Wochenende in die Zeitspanne fällt.

Zoll fahdet nach verbotenen Böllern

An Personen unter 18 Jahren dürfen keine Feuerwerke der Klasse II ausgehändigt werden, sie dürfen sie auch nicht zünden. Zulässig ist nur der Verkauf (und die Einfuhr) von Artikeln, die von der Bundesanstalt für Materialprüfung zugelassen sind und deren Zeichen (BAM) tragen. Auch dürfen die Händler nur begrenzte Mengen in einzelnen Räumen lagern.

Alle Jahre wieder fahndet der Zoll nach nicht zugelassenen Feuerwerkskörpern, die vor allem aus Polen eingeschmuggelt werden, in der Regel für den Eigenbedarf. Die Ware enthält manchmal starke Schwarzpulverladungen - bis zu 250 Gramm pro Stück, wie Hubert Lühn, Vorsteher des Zollamts Linken gegenüber Stettin, berichtet. Je massiver die Umhüllung, desto größer ist die Wucht der Explosion. In dieser Saison bestand der größte Fang, den seine Beamten machten, aus einem Sortiment von 450 Raketen und Böllern.

Letztes Jahr wurden nach Angaben des Zollkriminalamts Köln in einem Pkw 1.617 verbotene Feuerwerkskörper entdeckt. Wären sie auf einmal losgegangen, hätten sie «die Sprengwirkung einer 100-Kilo-Bombe gehabt». Die Verpackungen illegaler Böller-Sortimente tragen manchmal aufgedruckte Totenköpfe oder Namen wie «Witwenmacher».

Dass zum Jahreswechsel in Städten und Dörfern der Teufel los ist, weiß jeder, daher sollte auch jeder in erster Linie selbst dafür sorgen, dass er nicht zu Schaden kommt. In der Silvesternacht seien die Anforderungen an die Sicherungspflicht beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern herabgesetzt, hieß es in einer 1986 veröffentlichten Entscheidung des Bundesgerichtshofs. «Jeder vernünftige Mensch, der dem Silvesterfeuerwerk zuschaut, richtet sich auf derartige Gefährdungen selbst ein» - sofern diese das Normalmaß nicht übersteigen und er sie erkennen kann.

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