Trend zum Carving-Ski hält die Branche in Fahrt: Atomic schließt zu Rossignol und Salomon auf

Trend zum Carving-Ski hält die Branche in Fahrt
Atomic schließt zu Rossignol und Salomon auf

Um die Führung in der Skiindustrie ist ein Dreikampf ausgebrochen. Jahrelang war der französische Rossignol-Konzern unangefochten die Nummer eins. Doch der österreichische Marktführer Atomic holt auf, Salomon greift mit der Finanzkraft des Mutterkonzerns Adidas an.

HB MÜNCHEN. Auf dem Skimarkt wird es dieses Jahr spannend. "Rossignol, Salomon und Atomic verkaufen von ihrer Kernmarke jeweils zwischen 800 000 und 900 000 Paar Ski", weiß Atomic-Chef Michael Schineis. Damit machen die großen drei Komplettanbieter, die unter ihren Marken Ski, Bindung und Schuhe anbieten, die Hälfte des leicht wachsenden Weltmarktes unter sich aus.

Selten zuvor waren die Bedingungen für Atomic günstiger, die Nase am Ende vorne zu haben. Obwohl das österreichische Abfahrtsidol Hermann Maier immer noch verletzt ist, kurbelt sein Name den Atomic-Absatz kräftig an. Kräftiger Schneefall vor Weihnachten in den Nordalpen - Atomics Heimatmarkt - sorgte zusätzlich für gute Verkäufe. Die gesamte Branche beflügelt zudem der Trend zu den stark taillierten Carving-Ski.

Den Herstellern ist es gelungen, ihr gegenüber den Snowboards angestaubtes Image abzulegen. Inzwischen tummeln sich Jugendliche mit Carving-Ski auf Schanzen und Pisten, wo früher vor allem Snowboarder unterwegs waren. Schon in den ersten neun Monaten 2001 hat Atomic den Umsatz um 21 % gesteigert. "Den Trend haben wir im Gesamtjahr gehalten", sagt Atomic-Chef Schineis. Das würde einem Umsatz von rund 200 Mill Euro entsprechen. Dass die Umsatzrendite vor Steuern bei 20 % liegen dürfte, macht Schineis besonders stolz. Mitte der 90er Jahre war Atomic so stark angeschlagen, dass die Firma die Hälfte der Belegschaft feuern musste.

Nicht ganz so glatt läuft es derzeit beim Marktführer Rossignol. Die Franzosen vermissen ihren pensionierten Megastar, den Slalomkönig Alberto Tomba schmerzlich. Die Höhenflüge von Vierschanzentournee-Sieger Sven Hannawald sorgen zwar für eine ordentliche Medienpräsenz, aber ob Rossignol dadurch auch nur einen Alpinski mehr verkauft, kann nicht einmal Deutschland-Chef Helmut Bälz sagen. "Kein anderer verkauft mehr als 1,3 Millionen Ski und arbeitet seit Jahren mit Gewinn", sagt Bälz. Eingerechnet ist allerdings der Absatz der 350 000 Ski der Tochter-Marke Dynastar.

Rossignol hat ein weiteres Problem in dieser Saison: In den französischen Alpen liegt wenig und auf der Alpensüdseite so gut wie kein Schnee - ausgerechnet hier verkaufen die Franzosen sonst stark. "Wir rechnen damit, dass wir den Absatz halten können", sagt Bälz und hofft auf das Ostergeschäft.

Ähnliche Probleme auf dem französischen Heimatmarkt hat Salomon. Die zum Adidas-Konzern gehörende Marke hat einen beachtlichen Aufstieg hinter sich. Der ehemals reine Bindungs- und Schuhhersteller hat erst vor zehn Jahren mit dem Bau von Skiern angefangen. "Zuerst wurden wir belächelt, jetzt zählen wir zu den Top drei", freut sich Salomon-Chef Jean-Luc Diard. Marken wie Head, Fischer, Blizzard, Völkl und K2 haben die Franzosen hinter sich gelassen.

Die Toproduzenten haben die gleiche Strategie: Alles wird aus einer Hand angeboten. Atomic hat bereits über 60 % seiner Ski mit Bindung verkauft. Carving verstärkt diesen Trend, weil Ski und Bindung eine funktionelle Einheit bilden.

Langfristig geben Experten nur den großen drei eine Überlebenschance. Fachhandel und Warenhäuser wollen komplette Programme mit schneller Nachlieferung. Der Ski mit Bindung lässt sich in den Geschäften besser verkaufen, als wenn für die Bindung extra beraten wird. Zudem ist die Logistik entscheidend. Die Zeiten, in denen blind auf Halde produziert wurde, sind vorbei. Zu tief waren die Wunden, bei den letzten Überproduktionskrisen Mitte der 90er mit ihrem drastischen Preisverfall. Ihre genauen Zahlen wollen die Hersteller auf der am Wochenende beginnenden Sportartikelmesse Ispo in München bekannt geben.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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