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Trendmobil: Kleine Kastenwagen kommen groß in Mode

Es muss nicht immer die Hochtechnologie sein, die beim Auto fasziniert. Auch pfiffig gemachte einfache Fahrzeuge, praktisch und preiswert, aber mit viel Charme, können überzeugen. Die immer attraktiver werdende Generation der Kasten-Kombis ist ein Beleg dafür.

von PETER HANNEMANN

DÜSSELDORF. Anfangs waren sie nur nützliche, schlichte und entsprechend preiswerte Fortbewegungsmittel für die breite Masse. Erst am Ende ihrer Lebenszeit wurden sie vor allem in Deutschland zu Kultmobilen. Der Citroën 2CV und der Renault 4 sind die typischen Vorbilder für die heutige Kastenwagen-Generation.

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Getreu dem Slogan "quadratisch, praktisch, gut" gelten Fahrzeuge vom Schlage eines Renault Kangoo, Citroën Berlingo, Peugeot Partner oder Fiat Doblo bereits als klassenlos und trendy. Dabei ist erstaunlich, dass die kompakten Hochdach-Kombis so schnell den Weg vom Hinterhof gewerbetreibender Kleinunternehmer in die besseren Wohngegenden gefunden haben. Mehr noch: Feinere Modeläden nutzen sie - in Trendfarben lackiert - für ihre Zubringerdienste. Künstler und Kreative sehen in den Berlingos und Co. eine adäquate Fortbewegungsart - abseits des Mainstream, wie weiland in Fahrzeugen wie "R4" oder "Ente".

Inzwischen rollen mehr als 250 000 Autos dieser neuen Kategorie über Europas Straßen - Tendenz steigend. Citroën Berlingo und Renault Kangoo streiten um die Vorherrschaft. In Deutschland hat der Berlingo mit rund 15 000 Einheiten pro Jahr die Nase vorn, der Kangoo folgt ihm dicht auf. Dass die kleinen Kastenwagen vergleichsweise schnell den Aufstieg in die feinere Autogesellschaft schaffen würden und sogar in die Fußstapfen ihrer berühmten Vorgänger treten könnten, haben am Anfang allenfalls einige Visionäre für möglich gehalten.

Sicherheitsrelevante Zutaten gegen Aufpreis

Die nüchternen Absatzplaner jedenfalls dachten zunächst ausschließlich an die Kleingewerbler wie Klempner und Elektriker oder an Dienstleister wie Post und Telekom. Allein der Preis galt als Richtlinie für den Erfolg. Entsprechend mager waren die Modelle ausgestattet. In den Grundpreisen von 22 690 DM (Renault Kangoo) über 24 110 DM (Citroën Berlingo) bis hin zu 26 980 DM (Peugeot Partner) sind Extras wie Servolenkung, Zentralverriegelung, ESP oder Seitenairbags nicht enthalten. Lediglich der Fiat Doblo zu 24 000 DM verfügt - gemessen an reinrassigen Pkw - über eine halbwegs passable Basisausstattung.

Dass die Hersteller dennoch die jungen Familien als potenzielle Kunden im Auge hatten, schien allein durch die Tatsache belegt, dass komfortbetonte wie sicherheitsrelevante Zutaten wenigstens gegen Aufpreis bestellt werden können - ebenso wie seitliche Schiebetüren, die Gütern wie Passagieren gleichermaßen einen bequemen Zugang nach hinten ermöglichen.

Als sich die kleinen Kastenkombis Zug um Zug ihre neue Zielgruppe eroberten, reagierten die Hersteller mit höherwertigen Modellen, stärkeren Motoren und neuen Komfortmerkmalen schnell auf die neuen Marktbedürfnisse. Beispiel Renault: Alle Versionen verfügen jetzt über Seitenairbags, Bremsassistent und Sicherheitskopfstützen vorn. Darüber hinaus haben die Franzosen durch den Einsatz dickerer Seitenscheiben und weiterer akustischer Maßnahmen den Innengeräuschpegel gesenkt. Im Interieur gibt es neue Stoffe und Farben sowie Klimaanlage. Die verwendeten Materialien sind höherwertig.

Neue Variante in den Startlöchern

Während Peugeot und die Schwestermarke Citroën für ihre Modelle bereits stärkere Motoren anbieten (bis 109 PS), legt Renault beim Kangoo mit 1,6 Liter, 95 PS erst jetzt nach. Und von Oktober an steht zusätzlich eine weitere reizvolle Variante in den Startlöchern. Für die Lifestyle-Klientel gibt es dann den Kangoo mit Allradantrieb, einer höher gelegten Karosserie, Unterbodenschutz und größeren Rädern mit Stollenreifen. Dann steigt allerdings der Preis mit der 95-PS-Maschine auf knapp 35 000 DM.

Der Boom bei den kleinen Freizeit- und Familienautos hat auch Opel auf den Plan gerufen. Auf Basis des Corsa Combo (Lieferwagen) planen die Rüsselsheimer von Sommer 2002 an eine fünfsitzige, üppig ausgestattete Familienversion mit dem Beinamen Tour. Extras wie ein riesiges Schiebedach, elektrische Fensterheber, Aluräder oder Zentralverriegelung gibt es gegen Aufpreis.

Auch Mercedes will sich nicht dem Vorwurf verpasster Marktchancen aussetzen. Mit dem im Vergleich zu den Kontrahenten luxuriösen und qualitativ hochwertigen Vaneo setzt sich gleich ein attraktives Zugpferd an die Spitze dieser neuen Vier-Meter-Klasse. Auch der Vaneo hat seine Wurzeln bei den Nutzfahrzeugen. Spitze ist aber nicht nur sein Ausstattungsniveau (sieben Sitze, zwei Schiebetüren, ausziehbarer Ladeboden, Dachreling) und sein Fahrkomfort, sondern auch der Preis. Knapp unter 40 000 DM bedeuten nichts anderes als den höchsten Quadratmeterpreis in dieser neuen Marktnische.

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