Trends bei deutschen Winzern
Zwischen Leichtsinn und Rotwein

Der deutsche "Secco" mit meist geringerem Alkoholgehalt - ebenso wie der Prosecco kein Sekt, sondern laut Weingesetz ein Wein - galt vor allem in den heißen Wochen vielerorts als spritziger Durstlöscher. Bevorzugte Rebsorten für den "Secco" sind nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) in Mainz Riesling und Weißburgunder.

HB/dpa MAINZ. Zum Teil würden jedoch auch bukettreiche Rebsorten wie Bacchus, Gewürztraminer und Muskateller zu Perlwein verarbeitet. Dabei wird dem Wein die bei der Gärung entwichene Kohlensäure wieder zugeführt.

Bei vielen Winzern in allen deutschen Anbaugebieten ist der "Secco" nach Angaben des DWI Teil des Standard-Angebots. Die Marke "Leichtsinn" hat sich etwa für einige Rheingauer Jungwinzer als lohnend erwiesen: Die Tranche von bisher 90 000 Flaschen musste angesichts der großen Nachfrage bereits aufgestockt werden. Weitere findige Namen wie "Prickeldi", "Umperlo" oder "Ballerina" verweisen auf die meiste junge Winzergeneration der "Secco"-Produzenten.

Auf dem Weg zu jungen Kunden als Weintrinker liegen nach Angaben der Fachzeitschrift Weinwirtschaft leichte frische Weine im Trend, die ein Gegengewicht zu den edlen Tropfen der klassischen Rebsorten setzen. So habe etwa die Bottwarttalkellerei (Baden-Württemberg) mit ihrem neuen "Trollesco" den rechten Geschmack getroffen. Allein in den ersten drei Monaten nach Einführung des frischen Trollinger- Weines seien mehr als 70 000 Flaschen verkauft worden, berichtet Geschäftsführer Roland Hannemann. Damit habe die Winzergenossenschaft ihren zuletzt rückläufigen Umsatz wieder angekurbelt.

Ungebrochen ist indes der Trend zu mehr Rotwein in Deutschland. Inzwischen machten die roten Trauben bereits rund 30 Prozent der deutschen Anbaufläche aus, sagt DWI-Geschäftsführer Armin Göring. Das diesjährige Sommerwetter habe dem Roten beste Chancen geboten. "So wie es bis jetzt aussieht, können die Rotweine die Gewinner der Saison sein", sagt Göring. "Die Mostgewichte liegen überall sehr hoch".

In Rheinland-Pfalz hat das Weinbauministerium inzwischen die Notbremse für Klasse statt Masse bei der roten Hauptrebe gezogen: Mit neuen Qualitätsstandards für den Bestseller "Dornfelder", der seit dieser Saison mindestens 68 Grad Oechsle haben muss, soll dem Weg in die Regale der Billigweine ein Riegel vorgeschoben werden.

Auch die fränkischen Winzer im Land des Bocksbeutels setzen seit einigen Jahren mehr und mehr auf Rotwein, um Absatzschwierigkeiten zu trotzen. Auf den rund 6000 Hektar Anbaufläche haben die roten Trauben nach Auskunft des Bezirks Unterfranken mittlerweile einen Anteil von etwa 13 Prozent erreicht. "Rechnet man die erst gepflanzten Rebstöcke hinzu, liegt man bei rund 16 Prozent", sagt der Fachberater für Kellerwirtschaft beim Bezirk, Hermann Mengler.

Edgar Sauer, Kellermeister in einem der größten Weingüter Deutschlands, dem Staatlichen Hofkeller in Würzburg, spürt indes trotz der Rotweinlust der Deutschen keinen Drang zum Trendsetter: "Unsere Stärken liegen im Weißwein. Modezüge hat es immer gegeben. Die sind in den Bahnhof reingefahren und wieder raus und manch einer hat den Absprung verpasst".

Einem anderen Trend auf dem Weinmarkt stellen sich die deutschen Weinfreunde unterdessen nur widerwillig: Dem Abschied vom Korkverschluss. Während etwa in der Schweiz angesichts abnehmender Korkqualitäten bereits 80 Prozent aller Weine mit Schraubverschluss abgefüllt werden, wechseln die Deutschen Winzer nur zögerlich zu Metall am Flaschenhals.

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