Trendwende bei Unternehmensgewinnen deutet sich an
Dax-Ausblick: Zarte Frühlingsgefühle

Zurzeit sind die Aktienmärkte dabei, die Kursgewinne der Vorwoche zu verarbeiten. Auf kurze Sicht erscheint den meisten Analysten eine Seitwärtsbewegung der wichtigsten Börsenindizes wahrscheinlicher als eine anhaltende Aufwärtstendenz. Doch zumindest die Stimmung im Aktienbereich hat sich deutlich aufgehellt. Verantwortlich hierfür sind auch zunehmend bessere Konjunkturaussichten.

DÜSSELDORF. Ab nächste Woche beginnt die Phase, in der die Unternehmen vor der anstehenden Berichtssaison noch mit Vorab-Ankündigungen auf sich aufmerksam machen können. In den letzten beiden Wochen vor der Veröffentlichung ihrer Quartalsergebnise dürfen sie dies aus rechtlichen Gründen aber nur noch bei begründeten Sonderfällen. Diese Vorab-Meldungen, die sowohl Gewinn- und Umsatzwarnungen als auch Bestätigungen oder Anhebungen bisheriger Prognosen zum Inhalt haben könnne, dürften aber nach Ansicht des Frankfurter DZ-Bank-Analysten Michael Pohn dieses Mal unterm Strich deutlich positiver ausfallen, als in den zurückliegenden Quartalen.

Bestätigt sich der Trend der letzten Wochen, so scheint es nun sogar möglich, dass die Konsensusschätzungen nach langer Zeit wieder steigen, da die Analysten auf Grund positiver Unternehmensmeldungen ihre Prognosen mehrheitlich anheben. Im Technologie-Sektor ist das schon jetzt der Fall.

Vor diesem Hintergrund erwartet die DZ Bank zunächst eine freundliche Grundstimmung am US-Aktienmarkt, bei einer allerdings nicht mehr als uneinheitlichen Börsentendenz. Ein nachhaltiger Ausbruch des S&P-500-Index nach oben, so Pohn, dürfte erst im April gelingen.

Konsolidierungstendenzen - aber bei guter Stimmung

Trotz der insgesamt positiven Marktperspektiven sind größere Kursgewinne am deutschen Markt nach Ansicht von DZ Bank-Analyst Heinz Weyershäuser eher unwahrscheinlich. Technisch hat der Markt nach den Gewinnen der Vorwoche "sicher eine längere Verschnaufpause verdient", heißt es. Voraussetzung für einen weiteren Anstieg im Bereich 5 300 bis 5 500 Zähler sei, dass der Dax gleich mehrere Widerstände überwinde. Andererseits sei aber auch kaum mit neuen Rückschlägen unter das Niveau von 5 000-Dax-Punkten zu rechnen. Eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung auf erhöhtem Niveau ist für die Frankfurter daher das wahrscheinlichste Szenario für den deutschen Aktienmarkt.

Für einige Titel könnte allerdings noch die neue Anpassung der Index-Gewichtung durch die Deutsche Börse (am heutigen Freitagabend) kursbestimmend sein , die auf Basis der Schlusskurse vom Freitag berechnet wird. In Kraft treten die Änderungen am kommenden Montag. "Davon sind einige Aktien, wie beispielsweise Eon, negativ betroffen", sagte heute ein Frankfurter Händler. Ein möglicherweise deutlicher Rückgang der Gewichtung im Dax hatte die Aktie des Energieversorgers bereits gestern unter Druck gesetzt.

Auch Armin E. Kogge vom Bankhaus Ellwanger & Geiger sieht die Aktienmärkte zurzeit in einer gesunden Konsolidierungsphase. Die letzten schnellen Gewinne müssten erst einmal verkraftet werden, heißt es aus Stuttgart, so das eine Seitwärtsbewegung als durchaus positiv anzusehen sei. Auf der Empfehlungsliste der Privatbank stehen weiterhin Münchener Rück, AOL Time Warner und .

Neue Anpassung der Index-Gewichtung

Für einige Titel dürfte auch die neue Anpassung der Index-Gewichtung durch die Deutsche Börse ausschlaggebend sein, die auf Basis der heutigen Schlusskurse berechnet wird. In Kraft treten die Änderungen am Montag. Deutlich davon betroffen sind die Aktien von Eon, deren Gewichtung sich nach den vorläufigen Berechnungen der Deutschen Börse, die am Mittwochabend bekannt gegeben wurden, auf 5,36 von zuvor 5,96 Prozent verringern wird. Desweiteren kommt es am Montag zu einer geänderten Zusammensetzung des MDax und des Nemax50. In den Index für die mittelschweren Werte werden DIS, Gerry Weber und Indus Holding aufgenommen und ersetzen damit Baader, Deutz und Depfa. In den Blue-Chip-Index des Neuen Marktes steigen Nordex, FJA und Funkwerk auf. Carrier1, Heyde und Primacom müssen dagegen den Index verlassen.

WGZ-Bank: Auf geht´s

Stephen Schneider von der Düsseldorfer WGZ-Bank betont in seiner technischen Analyse erneut die unbestrittene Abhängigkeit des Dax vom "Kursmotor Nasdaq". Die weitere Performance deutscher Titel hänge unmittelbar von der Entwicklung an der amerikanischen High-Tech-Börse ab, so Schneider, und diese präsentiere sich trotz der leichten Schwächephase der vergangenen Tage weiterhin freundlich. Extrem kurzfristige Indikatoren rangierten schon wieder im überverkauften Berreich, so dass bereits am heutigen Freitag oder aber zum Beginn der neuen Woche mit einer weiteren Impulswelle an der Nasdaq bis in die Region von etwa 2 250 Punkten gerechnet werden könne. Ein wenig längerfristig betrachtet könne das High-Tech-Barometer dann - nach einer erneuten Korrektur - bis Ende Mai etwa 2 350 Zähler erreichen, heißt es weiter.

Termine der nächsten Börsenwoche

Der Streit zwischen der Mobilcom AG und ihrem Großaktionär France Télécom hat zum massiven Kursverlust beider Unternehmen beigetragen. Mit einem Minus von 30 Prozent seit Jahresanfang bildet der französische Telekomkonzern das Schlusslicht im Börsenbarometer CAC 40. Mit Verlusten von annähernd 50 Prozent hat sich der einstige Börsenliebling Mobilcom zu den schlechtesten Aktien im Nemax 50 gesellt. Am kommenden Donnerstag legen beide Unternehmen ihre Jahresbilanz vor. Die Börsianer erwarten sich vor allem von France Télécom Aufschluss darüber, ob der hoch verschuldete Staatskonzern Mobilcom übernimmt oder sich von dem 3,7-Milliarden-Euro-Investment trennt, dessen Wert inzwischen auf 175 Millionen Euro geschmolzen ist. Analysten erwarten, dass France Télécom mit Abschreibungen von bis zu zwölf Milliarden Euro zumindest die Bilanz bereinigt, dafür unter dem Strich aber erstmals einen Verlust ausweist. Ebenfalls am 21. März legen die Hypo-Vereinsbank, Eon und T-Online ihre Zahlen vor. Einen Tag später, am Freitag, folgt die Münchener .

Weitere Bilanz-Pressekonferenzen geben am Dienstag (19. März) die Dax-Unternehmen BMW und Degussa , am Mittwoch präsentieren die am Frankfurter Neuen Markt gelisteten Medion und Stinnnes ihre Jahreszahlen.

Pfeiffer Vacuum mit Gewinnrückgang erwartet

Mit rückläufigen Ergebniskennziffern für 2001 rechnen Branchenbeobachter, wenn die Pfeiffer Vacuum Technology AG, Asslar, am Dienstag ihre Bilanzpressekonferenz abhält. Von vwd befragte Analysten erwarten das Ebit zwischen 27,5 und 28,1 Mill. Euro, nachdem im Vorjahr 35,5 Mill. Euro erwirtschaftet wurden. Das Nettoergebnis wird auf 17,4 bis 17,8 Mill. Euro geschätzt, was einem prognostizierten Ergebnis je Aktie von jeweils 2,07 (Vorjahr 2,24) Euro entspricht. Gespannt sein darf man, ob sich der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Dondorf am Dienstag konkreter zu den diesjährigen Geschäftsaussichten äußert.

Im Fokus der Investoren steht des weiteren die Sitzung der US-Zentralbank am kommenden Dienstag. Eine erste Zinserhöhung zu diesem frühen Zeitpunkt wird allgemein noch nicht erwartet, solange die Konjunkturerholung immer wieder Rückschläge verdauen muss. In Euroland dürfte eine Erhöhung der Leitzinsen sogar frühestens im Herbst diesen Jahres erfolgen, glauben die Experten der Frankfurter Commerzbank. Auch die DZ-Bank bestätigt in ihrer Wochenstrategie: Die Zinsentscheidung in der nächsten Woche birgt kaum Überraschungspotenzial.

Aktuelle Analysten-Einschätzungen auf einen Blick

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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