Trendwende nicht vor 2004
Bankenkrise fegt Bürotürme leer

Die Bankenkrise fegt in Frankfurt die Bürotürme leer. Bereits fünf Prozent der mehr als zehn Millionen Quadratmeter sind ungenutzt. Dies ist fast doppelt so viel wie noch vor einem Jahr, und die Tendenz ist weiter steigend.

HB/dpa FRANKFURT/M. Immobilienfirmen befürchten, dass der Leerstand 2003 bis auf zehn Prozent hochschnellen könnte. So hoch war der Anteil seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Makler finden immer weniger Interessenten für Büroraum. Oft werden sie ihre Objekte nur zu niedrigeren Mieten los. Frühestens 2004 rechnet die Branche mit einer Trendwende.

Während die Etagen leer stehen, wird in der Finanzmetropole fleißig weitergebaut. Riesige Bürogebäude mit rund 1,5 Millionen Quadratmetern werden in der City und in den Randlagen hochgezogen. Nicht selten im Auftrag der drei großen Geldhäuser Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank. Doch bei denen ist ein Ende des Personalabbaus noch nicht in Sicht. Und jeder Banker weniger bedeutet 15 Quadratmeter mehr freie Fläche.

Die Entscheidung für den Bau neuer Gebäude hatten die Institute zu Zeiten getroffen, als ihre Erträge noch üppig waren. In der Regel ziehen fünf bis sechs Jahre ins Land, bis ein Großprojekt bezugsfertig ist. Dadurch kommt jetzt inmitten der Bankenkrise zusätzlicher Büroraum auf den Markt, der nicht mehr gebraucht wird. So lässt die Deutsche Bank sich ein Gebäudekomplex für Investmentbanker mit mehr als 30 000 Quadratmetern hochziehen. Doch das einst lukrative Geschäft mit Firmenübernahmen und Börsengängen liegt danieder, der jüngste Personalabbau der Banken konzentriert sich auf diese Sparte.

Die Abhängigkeit der Immobilienbranche in Frankfurt vom Finanzsektor ist sehr stark. Zusammen mit den Beratern nutzen die Geldhäuser fast zwei Drittel des Büroraums am Finanzplatz. "Schwächeln die Banken, spüren wir es unmittelbar", sagt Oliver Obert vom Immobilienmakler Jones Lang LaSalle. Er betreut für den deutschen Ableger der US-Firma in Frankfurt die Objekte. "Uns beunruhigt nicht nur die Höhe der Leerstandsquote, sondern auch die Qualität - immer mehr Top-Gebäude finden keine Abnehmer."

Noch ein weiteres Phänomen gräbt den Immobilienmaklern im Großraum Frankfurt Sorgenfalten in die Stirn: Die Banken versuchen, ihre leeren Büroräume mit Untermietverträgen los zu werden. "Die drücken die Preise nach unten, um Abnehmer zu finden", beschweren sich die Vermittler.

Aber auch die allgemeine flaue Konjunktur lässt die Aussichten für die Makler in den nächsten zwei Jahren nicht rosiger erscheinen. "Sie ist derzeit unsere Gretchenfrage", meint der Geschäftsführer des Immobilienvermittlers DTZ Zadelhoff, Mathias Müller. Denn viele Unternehmen verschieben geplante Projekte wegen der Unsicherheit über den Aufschwung. Erst wenn das Wirtschaftswachstum anzieht, werden sich nach Ansicht Müllers die Bürotürme in Frankfurt wieder füllen. Vor 2004 sei keinesfalls mit einer Trendwende zu rechnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%