Trendwende noch nicht erreicht
Überraschender Anstieg bei Industrieproduktion macht Analysten wenig Mut

In Deutschland ist die Industrieproduktion im Mai überraschend gestiegen, doch viele Analysten sehen darin noch kein Signal für eine konjunkturelle Trendwende.

rtr FRANKFURT/BERLIN. Wie das Bundesfinanzministerium (BMF) am Montag in Berlin auf Basis vorläufiger Berechnungen mitteilte, legte die Produktion vor allem wegen einer höheren Leistung im Baugewerbe zum Vormonat um 0,9 (April revidiert minus 1,4) Prozent zu. Analysten hatten mit einer stagnierenden Produktion gerechnet. Im Zweimonatsvergleich ergab sich jedoch erneut ein Rückgang. Uneins waren sich Volkswirte, ob die EZB die Leitzinsen noch vor August senken werde. Dies wäre wegen der schwachen Konjunktur gerechtfertigt, während der anhaltende Preisdruck in der Euro-Zone gegen eine Zinssenkung spreche, sagten sie.

Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich (April/Mai gegen Februar/März) sei die deutsche Industrieproduktion wegen jedoch weiter rückläufig, teilte das BMF mit. Die Produktion sei in diesem Zeitraum um 2,3 % gesunken. Zum Vorjahresmonat fiel das Produktionsniveau im Mai nach Reuters-Berechnungen auf der Grundlage von Bundesbankdaten um 1,8 % nach minus 0,4 % im April. Analysten hatten im Mittel einen Rückgang um 2,6 % prognostiziert. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Produktionsdaten. Der Euro bewegte sich in engen Spannen um 0,8450 Dollar.

"Im Quartalsvergleich ist das zweite Quartal deutlich im Minus, mit einer Stabilisierung ist im dritten Quartal zu rechnen. Somit kann im zweiten Quartal von einer Trendwende nicht die Rede sein", sagte Uwe Angenendt von der BHF Bank. Nach den überraschend stark gestiegenen deutschen Auftragseingängen am Donnerstag sei ein Produktionsplus zu erwarten gewesen. Vor allem wegen Großaufträgen aus dem Ausland waren die Orders im Mai zum Vormonat nach Berechnungen des BMF um 4,4 % gestiegen, während Analysten im Schnitt einen Rückgang um 0,1 % prognostiziert hatten.

Besserung im Bau schafft noch keinen Ausgleich

Auch nach Ansicht von Christoph Hausen von der Commerzbank sieht die Lage in der Industrie noch nicht gut aus. "Fast die Hälfte (des Anstiegs) kommt vom Bauhauptgewebe, aber das ist sicherlich auf den starken Einbruch im März zurückzuführen, so dass selbst eine Verbesserung um diese Größenordnung keine guten Neuigkeiten sind", sagte Hausen. Da die Produktionsdaten zudem sehr volatil seien, weise der Anstieg im Monatsvergleich noch nicht auf eine verbesserte konjunkturelle Lage hin.

Nach Ansicht von Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei Invesco Asset Management, sind die Daten gemischt: "Der Bau und die Energieversorgung waren stark, während Investitionsgüter und Gebrauchsgüter Rückgänge verzeichneten", sagte er. Daraus ließe sich noch keine Trendwende ablesen. Er wollte sogar ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal nicht ausschließen. Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin geht hingegen davon aus, dass der konjunkturelle Tiefpunkt nun erreicht sei. "Unter dem Strich verbleibt ein klarer Hoffnungsschimmer", sagte Nitsch, der im zweiten Quartal mit einer Stagnation rechnet.

Mit Blick auf die Geldpolitik der EZB äußerten sich Analysten nach den Daten uneinheitlich. Nach Angenendts Ansicht spricht die konjunkturelle Entwicklung zwar für Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB). "Wegen der Geldmengenentwicklung und des Preisdrucks wird die EZB aber ihre abwartende Haltung beibehalten", sagte Angenendt, der vor der Sommerpause keinen Zinsschritt mehr erwartet. Krämer hingegen geht von einer Zinssenkung um 25 Basispunkte noch vor der Sommerpause aus, da der konjunkturelle Trend noch immer schlecht sei. Zuletzt hatte die EZB die Leitzinsen am 10. Mai um 25 Basispunkte auf 4,50 % im Schlüsselzins gesenkt.

Service: Der Bericht des Ministeriums im Internet (PDF-Version)

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