Trennung light
Outplacementberatung immer stärker gefragt

Die kessen Sprüche waren ihm am Ende doch zum Verhängnis geworden. Soeben hat der Vorstandssprecher erfahren, das seine Zukunft im Konzern nur noch wenige Tage dauert. Doch er ist in bester Gesellschaft. Heute noch erfolgreich, morgen schon ohne Job ist auch für Topmanager längst zum Normalfall geworden.
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Umstrukturierungen, Fusionen und die schlechte Konjunkturlage fordern ihren Tribut. Nach Ansicht von Experten bleiben deutsche Geschäftsführer und Vorstände im Durchschnitt nur dreieinhalb Jahre auf einem Posten, Tendenz fallend.

Des einen Leid, des andern Freud. Professionelle Trennungsmanager können sich über eine schlechte Auftragslage nicht beklagen. Outplacementberatung ist gefragt wie nie. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn ist der Umsatz in diesem Beratungsfeld im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. "Ende des Jahres wird der Umsatz der Branche rund 72 Millionen Mark betragen", sagt Herbert Mühlenhoff von der Fachgruppe "Outplacement" des BDU. Bei den etwa 30 auf das Trennungsmanagement spezialisierten Beratungsunternehmen hätten im Jahr 2001 rund 1 600 Kandidaten eine Einzel- und 13 700 Kandidaten eine Gruppenoutplacementberatung in Anspruch genommen. "Immer mehr Unternehmen erkennen die Bedeutung des Trennungsmanagements", so Mühlenhoff. Rund 75 Prozent der größten deutschen Unternehmen nähmen mittlerweile diese Hilfe in Anspruch. Aber auch der Mittelstand sei zunehmend interessiert.

Das Rezept der Outplacementberater ist einfach: Neben der Standortbestimmung, die sie gemeinsam mit dem Betroffenen erarbeiten, bieten die Berater praktisches Training für die Jobsuche an. Dann folgt ein Coaching, das insbesondere für Topmanager eine wichtige Hilfestellung ist. Hier werden Führungskräfte intensiv beraten und in ihrer neuen beruflichen Orientierung unterstützt. Die Berater begleiten den Trennungsprozess und versuchen, ihm die Dramatik zu nehmen. "Viele Führungskräfte können ihre Fähigkeiten häufig nicht richtig einschätzen", schildert Mühlenhoff das Problem. Bei Suche nach einer neuen Aufgabe für ihre Mandanten verstehen sich die Berater als "Scouts", die oft jenseits des offiziellen Arbeitsmarktes fündig werden müssen. Rund fünf bis sechs Monate dauert im Durchschnitt eine Beratung. Die Mühe lohnt sich "Rund 85 Prozent der Betroffenen haben durch die Beratung wieder eine zufriedenstellende Position gefunden", so Mühlenhoff.

Doch auch die Unternehmen profitieren vom Trennungsmanagement. Teure Rechtsstreitigkeiten und Abfindungen bleiben aus. Emotionale Spannungen beim Rest der Belegschaft, die den Profit des Unternehmens mindern könnten, halten sich im Rahmen. Das Unternehmensimage nimmt keinen Schaden durch negative Presse. Aus diesem Grund tragen die meisten großen Unternehmen die Kosten für die Beratung, die sich auf rund 20 Prozent des Jahresbruttoeinkommens des betroffenen Mitarbeiters belaufen. Eine friedvolle und verantwortungsvolle Trennung ist es allemal wert.

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