Trennung vom Verlustbringer
Philips will Handy-Produktion einstellen

Der größte europäische Unterhaltungselektronik-Hersteller, Philips Electronics, will ebenso wie der schwedische Hersteller Ericsson die eigenständige Produktion von Mobiltelefonen aufgeben.

Reuters AMSTERDAM. Mit dem seit längerem vom Finanzmarkt erwarteten Schritt trenne man sich von der verlustreichen Sparte, teilte der niederländische Konzern am Dienstag in Amsterdam mit. Der Bereich, der seit 1997 von Philips gemeinsam mit dem US-Telekomausrüster Lucent betrieben wird, hat dem Mehrheitseigentümer Philips bislang Verluste von rund 850 Mill. ? eingebracht. Künftig will der Konzern gemeinsam mit China Electronics Mobiltelefone produzieren und eigene Kapazitäten in eine Allianz einbringen.

Die bislang verlustreiche Handy-Produktion wird den Angaben zufolge mit China Electronics zusammengelegt. Philips, will auch Teile seiner Produktentwicklung in die Partnerschaft einbringen. Die gemeinsam unter dem Markennamen Philips produzierten Mobiltelefone sollen weiter über den konzerneigenen Vertrieb veräußert werden. Durch die Reduzierung der Kostenbasis sichere man die weitere Marktpräsenz bei einem weithin gesenktem Marktauftritt, sagte Philips-Chef Gerard Kleisterlee. Durch die Umstrukturierung entstehen nach Unternehmensangaben Einmalbelastungen im zweiten oder dritten Quartal in Höhe von rund 300 Mill. ?.

Das Mobiltelefon-Gemeinschaftsunternehmen, das zu 60 % Philips gehört, hatte bislang lediglich im Mobilfunk-Boomjahr 2000 wirtschaftlich gearbeitet. Die in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächte Branchenkonjunktur hatte bereits andere Hersteller veranlasst, zur Kostenreduzierung die Produktion an Zulieferer auszugliedern oder mit anderen Produzenten zusammen zulegen. So hat Ericsson seine unter Verlusten leidende Handy- Produktion in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sony eingebracht, während Siemens einen Teil der Produktion auf Zulieferer verlagert hat. Eine weitere Erhöhung der gegenwärtig bei 20 % liegenden Fremdproduktionsquote sei aber nicht geplant, teilte Siemens am Dienstag auf Anfrage mit.

Aktien geben nach

An der Börse büßten die Aktien von Philips trotz des weithin erwarteten Schritts rund drei Prozent auf 29,40 ? ein. Auch die Aktien anderer Handyhersteller gaben bei einem schwachen Branchentrend zum Teil deutlich nach. Siemens verloren 1,7 %. Der Branchenindex Dow Jones Stoxx Telecom erreichte mit einem Verlust von zwei Prozent einen neuen Jahrestiefstand.

Analysten hatten der verlustbringenden Handy-Produktion von Philips zuletzt keine keine Überlebenschance mehr eingeräumt. Bis Ende Juni hatte sich Philips eine Frist gesetzt, über die Zukunft der Sparte zu entscheiden. In der Vergangenheit waren Verhandlungen über eine Zusammenlegung der Mobiltelefon- Produktion mit dem koreanischen Partner LG Electronics gescheitert. Am Weltmarkt haben Philips-Handys einen Anteil von unter zehn Prozent, womit das niederländische Unternehmen zu den mittelgroßen Herstellern zählt. Über die Höhe des im Zuge der Umstrukturierung zu erwartenden Stellenabbaus machte Philips keine Angaben. Analysten hatten zuletzt mit einem Stellenabbau von 7000 Mitarbeitern gerechnet

.

Philips stellt neben Unterhaltungselektronik auch Halbleiter her und gilt in dieser Branche als drittgrößter europäischer Hersteller. Im zweiten Quartal rechnet der Konzern auch in dieser Sparte mit Verlusten von rund 175 Mill. ?, die auf Jahressicht bestenfalls ein ausgeglichenes Konzernergebnis zulassen werden. In der Elektronik- und Telekom-Branche ist nach dem Boomjahr 2000 Ernüchterung eingekehrt, da die Auftragseingänge wegen der sich abschwächenden Konjunktur deutlich zurückgegangen sind. Während im vergangenen Jahr weltweit 405 Mill. Mobiltelefone verkauft wurden, wird in der von Nokia angeführten Branche für dieses Jahr zumeist nur ein "mäßiges" Absatzplus erwartet. Während Nokia bislang keine exakte Absatzprognose abgegeben hat, geht Siemens bis zum Jahresende von 400 bis 420 Mill. abgesetzten Mobiltelefonen aus. Bei der Zahl der Mobiltelefonnutzer weltweit wird mit einer Zunahme auf rund eine Milliarde Menschen von zuvor 770 Mill. 2002 gerechnet.

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