Trennung von der Mehrheit an Infineon
Siemens: Gewinn soll wieder steigen

Der von Gewinneinbrüchen geplagte Siemens-Konzern ist nach eigener Einschätzung aus dem Gröbsten raus. Der eingeleitete Umbau solle schon im laufenden Geschäftsjahr zu deutlich steigenden Gewinnen führen, sagte Siemens-Chef Heinrich von Pierer am Donnerstag in München.

dpa MüNCHEN. Eine genaue Prognose sei aber nicht möglich. "Niemand weiß genau, wann insbesondere eine Wende im Informations- und Kommunikationssektor erfolgen wird." Einen Quartalsverlust wie zuletzt solle es aber nicht mehr geben. "Ich hoffe doch sehr, dass das einmalig bleiben wird." Allerdings werde das laufende erste Quartal noch durch Restrukturierungskosten belastet.

Im Geschäftsjahr 2000/01 war der Siemens-Gewinn von 8,9 auf 2,1 Milliaren Euro eingebrochen. Der Umsatz stieg um 15 % auf 82,3 Mrd. ?. Siemens habe in der Konjunkturflaute noch von seiner breiten Aufstellung profitiert, betonte Pierer. Einige Bereiche, wie Kraftwerksbau und Medizintechnik, hätten sich hervorragend entwickelt und wüchsen unabhängig von der Konjunktur. Im zuletzt defizitären Handy-Geschäft, das im vergangenen Geschäftsjahr zu den größten Sorgenkindern des Konzerns gehörte, sei das erste Quartal gut angelaufen. Der Siemens-Aktienkurs stieg um zeitweise 4,5 % auf 77 ?, gab dann aber wieder nach.

Weiterer Stellenabbau möglich

Wegen der unsicheren Konjunkturaussichten in anderen Bereichen sei ein weiterer Stellenabbau nicht ausgeschlossen, sagte Pierer. "Ich kann nicht garantieren, dass es nicht zu weiteren Restrukturierungen kommen wird." Bislang hatte Siemens den Abbau von weltweit mehr als 17 000 Arbeitsplätzen angekündigt. Der Großteil davon entfällt auf die Mobilfunk-Sparte ICM und das Netzwerk-Geschäft ICN, die im abgelaufenen Geschäftsjahr vor Steuern, Zinsen und Firmenwertabschreibungen einen Verlust von zusammen mehr als 1,1 Mrd. ? erzielten.

Einen anderen Verlustbringer muss die Siemens AG (Berlin/München) ab sofort nicht mehr voll konsolidieren. Die Trennung von der Mehrheit an Infineon, die am Vortag verkündet wurde, sei ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Umstrukturierung des Siemens-Konzerns, sagte Pierer. "Infineon ist also jetzt ein ganzes Stück weiter weg gerückt von der Mutter Siemens." Auch von weiteren Anteilen an dem Chip-Hersteller werde sich Siemens wie geplant ganz trennen.

Rückschlag bei UMTS-Handys

Bei der Entwicklung von Handys für den UMTS-Mobilfunk musste Siemens einen Rückschlag einstecken. Wegen technischer Probleme liegt die Kooperation mit dem japanischen Toshiba-Konzern derzeit auf Eis, bestätigte Siemens einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts". Nach wie vor sei Siemens aber an Kooperationen interessiert, betonte Pierer. MÖgliche Partner gebe es sowohl in Europa als auch in den USA oder Asien. Weltweit werde der Absatz von Handys im nächsten Jahr höher liegen als die rund 400 Mill. verkauften Geräte in diesem Jahr, prognostizierte Pierer.

Mit seinem Logistik-Spezialisten Dematic und mit dem Autozulieferer VDO, die zuletzt rote Zahlen schrieben, will Siemens im laufenden Geschäftsjahr die Trendwende schaffen. Allerdings senkte Pierer die Renditevorgabe für Dematic. Der Bereich soll bis 2003 vor Steuern, Zinsen und Firmenwertabschreibungen (EBITA) eine Marge von sieben bis 9 % erreichen und nicht die ursprünglich geplanten elf bis 13 %. Dies liege aber allein daran, dass der Bereich nach der Integration der früheren Atecs-Gesellschaft Dematic deutlich größer und komplett neu aufgestellt sei. Im Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) erzielte Siemens Dematic einen EBITA-Verlust von 59 Mill. ?. Bei VDO betrug das Minus sogar 186 Mill. ? (369 Mio DM).

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