Trennung von Investmentbanking und Research zwingt US-Geldhäuser zum Sparen
Unabhängige Analysten kommen Banken teuer zu stehen

In den USA haben die Behörden die Unabhängigkeit der Analysten durchgesetzt. Den Geldhäusern an der Wall Street droht eine Kostenfalle. Deutschen Banken könnte es ähnlich ergehen, denn auch Finanzminister Eichel denkt über die Trennung von Investmentbanking und Research nach.

mm/Bloomberg FRANKFURT/M. Wenn es um ihre hauseigenen Research-Abteilungen geht, stecken die Investmentbanken in einem Dilemma. Nach gängigen wirtschaftlichen Maßstäben können die Geldhäuser sich ihre Analysten eigentlich gar nicht leisten. Gleichzeitig sind sie aber auf deren Know-how angewiesen. Das ist die zentrale Aussage einer Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte Consulting.

Das Dilemma ist eine Folge des Vergleichs, den die zehn größten US-Investmentbanken Ende 2002 mit den Aufsichtsbehörden getroffen haben, um weitere Ermittlungen zu möglichen Interessenkonflikten aus dem Wege zu gehen. Schon bald könnten auch die deutschen Banken in einem ähnlichen Dilemma stecken, denn Bundesfinanzminister Hans Eichel denkt ebenfalls über eine striktere Trennung zwischen Investmentbanking und Research nach.

In den USA hatten einige Banken während des Technologiebooms mit Gefälligkeitsanalysen um Kunden für lukrative Börsengänge und Übernahmen geworben. Nach dem Platzen der Kursblase hatte diese Praxis die Staatsanwaltschaft und die Wertpapieraufsicht SEC auf den Plan gerufen. Vor allem der New Yorker Bundesanwalt Eliot Spitzer setzte den Banken mit seinen Untersuchungen zu. Um Interessenkonflikte künftig zu vermeiden, haben Spitzer und die SEC bei den Investmentbanken durchgesetzt, Analyse und Beratungsgeschäft zu trennen. Die Banken müssen darüber hinaus zusätzlich zu den eigenen Analysen mindestens drei unabhängige Researchfirmen beauftragen und deren Analysen ihren Kunden zur Verfügung stellen.

Finanzminister Eichel schwebt offenbar eine ähnliche Lösung für Deutschland vor. "Wir wollen die Unabhängigkeit der Analysten weiter stärken", hatte Eichel in der vergangenen Woche bei der Vorstellung seines Finanzmarktförderplans 2006 klar gemacht und hinzu gefügt: "Es ist zu überlegen, ob es künftig noch möglich sein soll, das Einkommen der Analysten von Provisionen aus dem Investmentbanking abhängig zu machen".

Die Berater von Deloitte Consulting warnen allerdings vor großen Problemen bei der Trennung von Investmentbanking und Research. Angesichts der miserablen Marktlage gebe es derzeit ein drastisches Missverhältnis zwischen den hohen Kosten der Analyseabteilungen und den Ertragschancen. Deloitte geht davon aus, dass die rund 8 Mrd. Dollar, die im Jahr 2000 für Wertpapieranalysen ausgegeben wurden, längst nicht mehr verfügbar sind. In der aktuellen Krise rechnet die Unternehmensberatung mit einer Kürzung dieser Ausgaben um mindestens 50 %. Edgar Klein, Leiter Financial Services in Deutschland bei Deloitte Consulting, meint hierzu: "Alle Banken mit eigenständiger Wertpapieranalyse stehen unter enormem Druck, ihre Researchabteilungen den neuen Anforderungen anzupassen." Die Empfehlungen der Analysten seien insbesondere für Investmentbanken häufig ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz. Andererseits könne eine radikale Verkleinerung hohe Kosteneinsparungen liefern. "Die Auflösung dieses Dilemmas ist nur im Rahmen einer sauberen strategischen Ausrichtung möglich.", betont Klein.

Die Institute sollten nach Ansicht der Berater zunächst prüfen, wie viele Analysten überhaupt nötig sind, um die Qualität und Unabhängigkeit des Researchs sicherzustellen. Darüber hinaus sollten die Banken Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit anderen Instituten prüfen. Insbesondere für Häuser, deren Research keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz darstellt, seien Gemeinschaftsprojekte eine interessante Alternative.

In den USA haben zahlreiche Banken bereits den Rotstift gezückt. Allein an der Wall Street wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als 20 000 Stellen gestrichen, vor allem in jüngster Zeit traf der Abbau auch das Research. Anfang Februar hat beispielsweise Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) 20 Analysten entlassen, 10 % der gesamten Abteilung.

Nach Einschätzung von Sallie Krawcheck, seit Oktober für das Research der Citigroup-Tochter SSSB verantwortlich, hat sich die Trennung von Analyse und Investmentbanking dennoch bewährt. "Die Analysten begrüßen die Rückbesinnung auf das Wesentliche. Ich glaube, sie sind sehr glücklich darüber", sagt Krawcheck. Trotz Entlassungen und sinkender Gehälter glaubt sie, dass die Qualität des Researchs unter der strikteren Trennung nicht leiden wird. Einige Fondsmanager haben aber durchaus Bedenken: "Es mag sein, dass die Analysten keine Interessenkonflikte mehr haben, aber die Qualität der Analysen lässt nach, wenn die Top-Leute gehen", warnt beispielsweise Wayne Bopp, Vermögensverwalter bei der Fifth Third Bancorp.

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