Trennung zum 31. Oktober
Dresdner-Vorstand Fischer schmeißt Brocken hin

Das Vorstandsmitglied der Allianz und Chef der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, Leonhard Fischer, verlässt den Konzern.

rtr/vwd FRANKFURT. Die zum Allianz-Konzern gehörende Dresdner Bank bestätigte am Mittwoch-Nachmittag den Rücktritt Fischers.

"Fischer hat den Aufsichtsrat der Dresdner Bank gebeten, ihn wegen unterschiedlicher Auffasssungen über den Unternehmensbereich Corporates & Markets vorzeitig von seinen Vorstandspflichten zu entbinden", heißt es in einer Mitteilung der Bank. Der Aufsichtsrat habe dieser Bitte bei seiner Sitzung am entsprochen. Fischer werde zum 31. Oktober aus dem Vorstand der Bank und dem Vorstand der Allianz ausscheiden. Die von Fischer geleitete Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein gehört zum Geschäftsfeld "Corporates & Markets" der Allianz-Bankentochter Dresdner.

Die Verantwortung im Vorstand für den Unternehmensbereich Corporates & Markets habe der Vorstandsvorsitzende Bernd Fahrholz übernommen. Zugleich habe Fischer auch den Aufsichtsrat der Allianz gebeten, seine Bestellung in den Vorstand der Allianz zum gleichen Zeitpunkt aufzuheben.

Aus Kreisen der Allianz hieß es, der erst 39-jährige Fischer habe das Vertrauen wichtiger Mitarbeiter in der Bank verloren, das er benötige, um den Turnaround der von ihm verantworteten Einheit zu erreichen. Aus anderen Quellen verlautete, Fischer habe Probleme mit den bereits vollzogenen oder noch anstehenden Einschnitten bei Dresdner Kleinwort Wasserstein gehabt: "Er empfand es offensichtlich als hart, eine Einheit zu führen, die ihre Segel dramatisch trimmen musste", hieß es aus den Kreisen.

Die Allianz unterstrich heute ihr Festhalten an der Investment-Tochter. "Die Allianz steht weiter zu Dresdner Kleinwort Wasserstein. An unserer Strategie ändert sich Nichts", sagte eine Unternehmenssprecherin. Der Geschäftsbereich hatte im ersten Halbjahr 2002 einen Großteil der Dresdner-Bank-Verluste in Höhe 1,024 Milliarden Euro eingefahren.

Den Verlusten will die Dresdner Bank mit drastischen Einsparmaßnahmen begegnen. Dresdner-Bank-Vorstandschef Bernd Fahrholz hatte Anfang August angekündigt, zusätzlich 3 000 Arbeitsplätze abzubauen. In Bankenkreisen wird davon ausgegangen, dass 1 000 dieser Stellen bei Dresdner Kleinwort Wasserstein gestrichen werden. Insgesamt will die Bank bis Ende nächsten Jahres 11 000 Arbeitsplätze abbauen. Die Bank will am Donnerstag Details zu ihren geplanten Kosteneinsparungen und dem Personalabbau bekannt geben.

Fischer war 1995 in die Dresdner Bank eingetreten und wurde 1999 Vorstandsmitglied. Mit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz im Juli 2001 rückte Fischer neben Fahrholz in den Vorstand der Allianz auf. Er galt als einer der Stars des Ende der 90er Jahre boomenden Investmentbankings. Nun, da die schwachen Aktienmärkte und das nahezu zusammengebrochene Geschäft mit Börsengängen den Investmentbankern die Bilanzen verhageln, ist Fischer nur einer von vielen hochrangigen Bankmanagern, die ihren Job verlieren.

"Ich denke wir werden einen fortgesetzen Anpassungs- und Restrukturierungsprozess sehen, aber solange die Märkte in einer so schlechten Verfassung wie im Moment bleiben, gibt es auch eine Reihe von Schließungsszenarien für europäische Banken", sagte Mark Hoge, Analyst bei Banc of America Securities in London. "Ich denke, Dresdner Kleinwort Wasserstein ist ein sehr starker Kandidat für eine solche Schließung." Fischer hatte sich zuletzt immer wieder gegen Gerüchte gewandt, die Allianz wolle die Investmentbank personell ausbluten oder ganz schließen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%