Treuhändervertrag unterschrieben
Schmid gibt Mobilcom endlich frei

Der tagelange Nervenkrieg um die Zukunft des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters Mobilcom ist zu Ende. Der frühere Firmengründer Gerhard Schmid und die Bundesregierung unterzeichneten am Donnerstag einen Treuhändervertrag. Dies bestätigte eine Sprecherin von Gerhard Schmid.

lip/dri HAMBURG. Der Vertrag ist wesentlicher Bestandteil dafür, dass der Mobilcom-Anteilseigner France Télécom die Mobilfunkgesellschaft weitestgehend von ihrem Schuldenberg von mehr als 7 Mrd. Euro befreit und damit die geplante Sanierung des Unternehmens umgesetzt werden kann. Der Vertrag muss noch vom Verwaltungsrat des Pariser Großaktionärs unterzeichnet werden. Die Unterschrift gilt aber als sicher. Der Verwaltungsrat von France Télécom tagte noch bei Redaktionsschluss. Der Aktienkurs von Mobilcom kletterte um mehr als 27,3 % auf 5,72 Euro.

Mit der Einigung werden die Aktien von Gerhard Schmid und der von seiner Ehefrau beherrschten Millenium GmbH in Höhe von insgesamt 40 % auf einen Treuhänder übertragen, heißt es aus Regierungskreisen. Dabei handelt es sich um den ehemaligen RTL-Chef Helmut Thoma, der auch im Aufsichtsrat von Mobilcom sitzt. Offen ist hingegen noch, inwieweit die private Beteiligung von Schmids Ehefrau Sybille Sindram von der Treuhändervereinbarung betroffen ist.

Der ehemalige Mobilcom-Vorstandschef kann nach dem jetzt ausgehandelten Vertrag zwei Jahre nicht über sein Aktienpaket verfügen. Im Gegenzug wird ihm allerdings auch die Zahlung der noch offenen Forderung von Mobilcom in Höhe von 72 Mill. Euro gestundet. Diesen Betrag hatte das Mobilfunkunternehmen an die Millenium GmbH überwiesen, die damit ein Aktienoptionsprogramm für Händler finanzieren wollte. Die Transaktion löste einen heftigen Streit zwischen Schmid und der France Télécom aus und gipfelte in der Abberufung von Schmid als Vorstandschef.

Mit der Einigung ist der Weg für die Sanierung des Unternehmens frei. Dabei will sich Vorstandschef Thorsten Grenz auf das Kerngeschäft mit 2 000 Mitarbeitern konzentrieren. "Die Verabschiedung des kompletten Sanierungspaketes wird in den kommenden Tagen erwartet", teilte Mobilcom mit.

Das Geschäft mit der neuen Mobilfunkgeneration UMTS soll nach Informationen des Handelsblatt eingefroren werden. Mobilcom behält aber die UMTS-Lizenz. Sollte das Büdelsdorfer Unternehmen die Lizenz zu einem späteren Zeitpunkt verkaufen, fließt France Télécom der Verkaufserlös zu, heißt es aus internen Kreisen von Mobilcom.

Für die Sanierung wollen die Banken weitere finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Nach den bereits ausgezahlten Hilfen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von rund 50 Mill. Euro sollen jetzt erneut 112 Mill. Euro an Mobilcom fließen. Der Betrag soll von der Dresdner Bank, der Deutschen Bank, der Landesbank Schleswig-Holstein (LB Kiel) und von der KfW kommen. Welchen Anteil die einzelnen Finanzhäuser beisteuern, ist nicht bekannt. Das Geld soll nach Informationen aus Bankenkreisen aber zu 80 % vom Bund verbürgt werden, heißt es.

Mit der Einigung dürfte sich die France Télécom bereit erklären, die Schulden von Mobilcom weitestgehend zu übernehmen. Dabei handelt es sich unter anderem um rund 4,7 Mrd. Euro, die für den Erwerb der UMTS-Lizenz verwendet wurden. Noch unklar ist, ob France Télécom mit der Entschuldung von Mobilcom seine Beteiligung von 28,5 % langfristig an dem Unternehmen behalten wird. Nach Informationen des Handelsblatts dürfte der Pariser Riese vorerst nicht an einem Verkauf denken. France Télécom war bis zum Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. France Télécom will die Schulden von Mobilcom nach letzten Informationen über eine Wandelanleihe finanzieren, deren Laufzeit unbegrenzt ist.

Anfang des Jahres war es um die Zukunft von Mobilcom zwischen Gerhard Schmid und France Télécom zum Streit gekommen. Der Firmengründer pochte auf die Einhaltung der UMTS-Verträge. Doch der hochverschuldete Staatsriese winkte ab. Der Streit gipfelte in der Absetzung des Télécom-Firmenbosses Michel Bon, der durch Thierry Breton ersetzt wurde. Er bemühte sich zusammen mit dem Ex-Thyssen-Manager Dieter Vogel um eine Lösung für die finanziell angeschlagene Gesellschaft aus Schleswig-Holstein.

Quelle: Handelsblatt

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