Triathlon "für die ganz Harten"
Ausdauerwunder Lothar Leder ist urlaubsreif

Beide Arme von Infusionsnadeln zerstochen, die geschundenen Glieder von Schmerzen geplagt - Lothar Leder fühlte sich urlaubsreif, aber nicht reif für die Insel. "Ich weiß noch nicht, ob ich den Ironman auf Hawaii mache. Im Moment bin ich zu kaputt", sagte der Gewinner der Ironman-Premiere in Frankfurt/Main.

HB/dpa HAMBURG. Bei seinem zweiten Schwimm-Rad-Lauf-Sieg innerhalb von nur fünf Wochen hatte sich der Darmstädter Triathlet nach 8:21:31 Stunden ins Ziel auf dem Römerberg geschleppt. "Die letzten fünf Kilometer waren schrecklich", gestand das Ausdauerwunder, der als einziger Athlet den abschließenden Marathon unter drei Stunden gelaufen war.

In einer Zeitspanne, in der Marathonläufer nicht einmal zwei Rennen bestreiten, mutete sich der 31-jährige «Eisenmann» gleich zwei Mal die Distanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen zu. Die Ziellinie überquerte er sowohl in Roth als auch bei der Erstauflage am Main als Sieger. Jetzt bin ich total leer, vor allem im Kopf", sagte Leder.

Dem geschlagenen Jürgen Zäck ging es nicht viel besser. Der Altmeister aus Koblenz, der mit acht Siegen bei offiziellen Ironman- Wettbewerben immer noch einen Erfolg vor Leder rangiert, brach hinter der Ziellinie zusammen. Noch lange nach dem Rennen waren ihm die Qualen der Hitzeschlacht anzumerken. An einen Start auf Hawaii mochte der 37-Jährige nicht denken: "Ich brauche Zeit zum Regenerieren. Neun Wochen sind dafür eigentlich zu kurz."

Lothar Leder lächelte dazu, wohl wissend, dass ihn der Ehrgeiz packt, sobald kein Muskel mehr schmerzt. Hawaii wäre sein fünftes Langdistanz-Rennen innerhalb eines Jahres. "Das ist nichts Besonderes, das habe ich früher auch gemacht, als ich jünger war", erzählte Leder. Der gelernte Bürokaufmann hat längst zum Berufstriathleten "umgeschult". Auch außerhalb des Sports muss er einen Triathlon bewältigen: Sein im März eröffneter Laufladen, seine ebenfalls Ironman-gestählte Frau Nicole und Tochter Mia fordern Zeit.

Das Training hat er deshalb radikal umgestellt. "Ich mache längst nicht mehr so viel wie früher. Was ich brauche, hole ich mir bei Wettkämpfen", sagte Leder. Seine zwei Wochen Urlaub wird er im Geschäft verbringen. "Der Laden zieht viel Energie vom Sport ab, lenkt aber auch ab." Wenigstens seine Ambitionen auf der Kurzstrecke hat der Allrounder ad acta gelegt: "Olympia in Athen ist kein Thema."

Lieber genießt Frankfurts Olympia-Botschafter Leder ein "Gänsehaut-Feeling" wie in der Bankenmetropole. 150 000 bis 180 000 Zuschauer säumten nach Polizeiangaben am Sonntag die Strecke. Ein Riesenerfolg für das mit viel Vorschusslorbeer bedachte Erstlingswerk, das die Ironman-Lizenz in Deutschland für zunächst fünf Jahre vom Traditionsrennen in Roth übernommen hat. Von "einer Stimmung wie in Roth" schwärmte Leder. Die Absicherung mit einer komplett gesperrten Radstrecke fand Zäck "besser, als sie in Roth jemals war". Nun will Frankfurt im kommenden Jahr auf den Roth-Termin am 13. Juli vorrücken. Hausgemachter Zank zwischen den zwei besten Langdistanz-Rennen in Europa ist programmiert.

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