Triathlon Olympia
"Die härtesten zehn Kilometer aller Zeiten"

Jan Frodeno hat seine Außenseiterchance bei den Olympischen Spielen genutzt. Im Interview spricht der Olympiasieger im Triathlon über Psychologie und ungewöhnliche Vorbereitung.

Trotz eines kleinen Schwächemoments krönte sich Jan Frodeno zum ersten deutschen Triathlon-Olympiasieger der Geschichte. Als er nach der Schinderei am Ziel seiner Träume angekommen war, ließ sich der Goldjunge wie ein Käfer erschöpft auf den Rücken fallen. Im Interview spricht der Olympiasieger im Triathlon über Psychologie und ungewöhnliche Vorbereitung.

Frage: "Am Montag Geburtstag, am Dienstag Olympiasieger. Was ging in Ihnen vor, als Sie ganz oben auf dem Treppchen gestanden und die Nationalhymne mitgesungen haben?"

Jan Frodeno: "Ich habe gedacht: Mein Traum ist wahr geworden. Das ist das Allergrößte. Ich habe die Nacht vor dem Rennen nur zwei Stunden geschlafen. Da ist mir 100 oder 1 000 Mal dieser mögliche Moment durch den Kopf gegangen."

Frage: "Und wie haben Sie das Rennen erlebt?"

Frodeno: "Das Schwimmen war hart. Auf dem Rad habe ich dann etwas Kraft schöpfen können. Beim Laufen habe ich Ende der zweiten Runde kurz den Anschluss verloren. Aber bei der Hitze wollte ich mein eigenes Rennen laufen und mich nicht zu früh verausgeben."

Frage: "Wann haben Sie daran geglaubt, gewinnen zu können?"

Frodeno: "Ach, Triathlon ist auch ein psychologisches Spiel. In diesen knapp zwei Stunden geht einem sehr viel durch den Kopf. Da gibt es Höhen und Tiefen. Vor dem Laufen wusste ich, dass es die härtesten letzten zehn Kilometer aller Zeiten werden. Am Ende habe ich einfach nur noch gedacht: Augen zu und durch."

Frage: "Dabei galten Sie bislang nicht unbedingt als guter Sprinter, oder?"

Frodeno: "Richtig ist, dass ich zuletzt häufig im Sprint knapp geschlagen worden bin. Hier habe ich daraus gelernt und im richtigen Augenblick den Sprint angezogen. Das haben wir auch vorher häufig und intensiv trainiert."

Frage: "Sie galten als Außenseiter, jetzt sind Sie Olympiasieger - was glauben Sie, wird sich nun für Sie ändern?"

Frodeno: "Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung! Ich habe ja auch noch gar nicht richtig realisiert, was hier passiert ist. Ich habe sowieso schon immer nach dem Motto gelebt: Ich habe keinen Plan B, also muss Plan A funktionieren."

Frage: "Wie haben Sie sich auf Olympia vorbereitet?"

Frodeno: "Ich bin ja am Stützpunkt in Saarbrücken. Dort habe ich mir die letzten zwei Monate ein Zimmer genommen, eine Matratze auf den Boden gelegt, eine Olympiafahne an die Wand gehängt und mich vorwiegend von Reis ernährt."

Frage: "Wie sind Sie überhaupt zum Triathlon gekommen?"

Frodeno: "Über das Wellenreiten. Ich bin in Südafrika aufgewachsen, meinen Eltern hat es da so gut gefallen, dass sie dorthin ausgewandert sind. Also das, was man heute in den Doku-Soaps im Fernsehen sieht, haben meine Eltern damals schon gemacht. Über das Wellenreiten kam ich mit 16 Jahren zum Schwimmen, und dann war der Weg zum Triathlon nicht mehr weit."

© SID

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