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Trichet: EU-Erweiterung schwächt den Euro nicht

Der französische Notenbankchef Jean-Claude Trichet hat die abwartende zinspolitische Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) bestätigt, gleichzeitig aber auf nachlassende Risiken für die Preisstabilität in der Euro-Zone hingewiesen.

rtr STOCKHOLM. "Die EZB bekräftigt ihre abwartende Haltung bei ihrer Geldpolitik", sagte Trichet, der auch dem EZB-Rat angehört, am Freitag seinem Redetext zufolge auf einer Konferenz in Stockholm. Die Lohnentwicklung müsse im Hinblick auf Inflationspotenzial allerdings weiterhin beobachtet werden. Zur geplanten Erweiterung der Europäischen Union (EU) sagte Trichet, diese werde den Euro nicht schwächen, wenn die Beitrittskandidaten sich gut vorbereiteten.

Trichet zufolge geht inzwischen sowohl vom Geldmengenwachstum als auch von der Realwirtschaft in der Euro-Zone ein geringerer Druck auf das Preisniveau aus. "Das Geldmengenwachstum hat seit Frühjahr 2000 abgenommen, was darauf hindeutet, dass die Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität zurückgegangen sind", sagte Trichet. "Was die zweite Säule betrifft, wird das etwas geringere Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zu einem geringeren heimischen Preisdruck beitragen", sagte er weiter. Das Wachstum der Geldmenge und eine breite Beurteilung der Inflation sind die zwei Säulen der geldpolitischen Strategie, an denen die EZB ihre Zinspolitik ausrichtet. Ein langsameres Geldmengenwachstum signalisiert eine geringere Inflationsgefahr.

Zugleich wies Trichet darauf hin, dass die EZB weiterhin den Inflationsdruck von möglichen höheren Lohnabschlüssen beobachtet. "Andererseits muss die Lohnentwicklung auf Grund der Gefahr von Zweitrundeneffekten wegen des vorangegangenen Ölpreisanstiegs sorgsam beobachtet werden", sagte er.

Trichet äußerte sich damit ähnlich wie andere EZB-Vertreter. Die Finanzmärkte rätseln derzeit, ob die Notenbank bereits in der kommenden Woche die Leitzinsen in der Euro-Zone senken wird. Die EZB hat im Gegensatz zu den Notenbanken in den USA und Japan angesichts der schwächeren Konjunktur ihre Geldpolitik bisher noch nicht gelockert und den Schlüsselzins seit Oktober 2000 unverändert bei 4,75 % gelassen.

Mit Blick auf die geplante EU-Erweiterung sagte der französische Notenbankgouverneur, diese werde den Euro nicht schwächen, wenn die Beitrittskandidaten alle Aufnahmekriterien "in Wort und Geist" berücksichtigten. "Wenn sie vollständig vorbereitet sind, dann werden sie den Euro nicht schwächen", sagte Trichet.

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