Trickfilmproduzent verspricht kräftiges Wachstum
TV Loonland will von Kirch-Pleite profitieren

Auf dem Titel des neuen Geschäftsberichts macht der Kinderfilm-Held Kater Findus ein reichlich erschrockenes Gesicht. Ähnlich geschockt wie die Filmfigur war zu Jahresbeginn offenbar auch der Vorstand der TV Loonland AG, als er einen tiefen Blick in die Bücher seiner koreanischen Tochter SRE Corporation warf: "Wir sind von den Zahlen dort überrascht worden", gab gestern Finanzvorstand Carl Woebcken vor Journalisten in München zu. Die Konsequenz: "SRE ist zu 90 % der Grund dafür, dass wir unseren Plan im Jahr 2001 nicht eingehalten haben."

jojo MÜNCHEN. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen hat seine Gewinnziele drastisch verfehlt: Statt eines Vorsteuergewinns von 23,5 Mill. Euro konnte Woebcken nur 14,6 Mill. Euro verbuchen. Der Jahresüberschuss lag nicht bei 13,3 Mill., sondern bei nur 9 Mill. Euro. Besonders deutlich ist die Abweichung beim Umsatz: 98,1 Mill. Euro hatte Vorstandschef Peter Völkle zu Jahresbeginn 2001 versprochen, 77,4 Mill. Euro flossen schließlich in die Kassen.

Der niedrige Gewinn ist die Folge von Abschreibungen auf das Filmvermögen von SRE. Die Abschreibungen wurden nötig, weil TV Loonland seine Tochter nicht wie geplant im September aufs Parkett bringen konnte. Jetzt liegt die Emission auf Eis und wird frühestens 2003 kommen. Auslöser für den Umsatzeinbruch ist ein größerer Anteil von Eigenproduktionen. Ursprünglich hatte der Trickfilmproduzent einen höheren Anteil von Co-Produktionen geplant, die als Umsatz verbucht worden wären.

Das Debakel in Korea lastet schwer auf der Aktie, die bislang als einer der besten Filmwerte am Neuen Markt galt. Von mehr als 16 Euro im Februar ist das Papier auf derzeit 10 Euro gefallen. Im Gegensatz zum Wettbewerb EM.TV und RTV zählen Analysten TV Loonland dennoch zu den vergleichsweise soliden Titeln. So stufen die Experten von Merrill Lynch das Papier mit der Empfehlung "starker Kauf" ein. Analysten loben, dass TV Loonland international gut positioniert ist.

Für das laufende Jahr dürfen die Aktionäre hoffen: Umsatz und Ertrag sollen um 15 bis 20 % klettern. Genaue Prognosen wollte der Vorstand gestern nicht abgeben. Das Wachstum soll vor allem aus dem Home-Entertainment-Bereich kommen, also dem Verkauf von DVD- und Video-Rechten.

Darüber hinaus rechnet sich Völkle Chancen durch die Kirch-Pleite aus. Bislang haben die Kirch-Sender Pro Sieben und Sat 1 ihre Kinderfilm-Programme bei EM.TV eingekauft. Kirch und EM.TV gehört gemeinsam die Filmbibliothek Junior TV. "Vielleicht kommen wir jetzt bei diesen Sendern hinein", so Völkle. Solche Hoffnungen hegt nicht nur TV Loonland: Auch RTV rechnet sich Chancen aus, bald Material an beide Kanäle zu verkaufen.

Quelle: Handelsblatt

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