Triebwerkschaden für den Absturz verantwortlich
113 Tote bei Concorde-Absturz nahe Paris

Das Überschallflugzeug der Air France ist kurz nach dem Start abgestürzt. Alle Insassen starben bei dem Unglück.

dpa PARIS. Beim Absturz eines Überschallflugzeugs vom Typ Concorde in der Nähe des Pariser Flughafens Charles de Gaulles (Roissy) sind 113 Menschen ums Leben gekommen. Alle 100 deutschen Passagiere starben. Zu den anderen Todesopfern zählen nach Angaben des Pariser Innenministeriums neun Besatzungsmitglieder sowie vier Menschen in einem Hotel, auf das Teile des Flugzeugs stürzten. Das Unglück ereignete sich am Dienstagnachmittag gegen 16.45 Uhr, zwei Minuten nach dem Start. Die Maschine AF 4590 war von der deutschen Reederei Deilmann gechartert worden und sollte nach New York fliegen.

Zeugen berichteten, das linke Triebwerk des Flugzeugs habe unmittelbar nach dem Abheben Feuer gefangen. Das Überschallflugzeug habe in ungewöhnlich niedriger Höhe noch die nahe gelegene Autobahn überquert und sei in einer Höhe von etwa 50 Metern über dem Boden im Pariser Vorort Gonesse abgestürzt. Dabei fielen Teile des Flugzeugs auf ein Hotel, wo vier Menschen starben.



Passagiere auf dem Weg zu Kreuzfahrt

Die deutschen Passagiere, deren Identität am frühen Abend noch nicht bekannt war, wollten von New York aus eine von Deilmann veranstaltete Kreuzfahrt unternehmen. Das Unternehmen ist in Neustadt an der Ostsee ansässig. Die deutsche Botschaft in Paris und das Außenministerium in Berlin bildeten einen Krisenstab. Frankreichs Premierminister Lionel Jospin begab sich unmittelbar nach dem Absturz zum Unfallort. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte alle Veranstaltungen für den Dienstagabend ab. Ebenso wie US-Präsident Bill Clinton sprach er den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Ein Zeuge des Infernos sagte: "Ich habe gesehen, wie der linke Motor des Flugzeugs brannte, wenig später, ungefähr zwei Minuten nach dem Start, stürzte die Maschine ab." Ein anderer Zeuge berichtete, die Concorde sei auffällig niedrig an den Flughafenbüros vorbeigezogen, habe offenbar "mit großen Schwierigkeiten versucht, hoch zu kommen, es noch geschafft, die nahe gelegene Autobahn zu überqueren, und ist dann brennend abgestürzt." Andere Zeugen erklärten, beide Triebwerke hätten gebrannt und dem Flugzeug sei es nicht mehr gelungen, an Höhe zu gewinnen.



Keine Bedenken wegen Rissen an Tragflächen

Die Fluggesellschaft British Airways (BA) hatte am Montag eines ihrer Überschallflugzeuge vom Typ Concorde wegen Rissen an den Tragflächen außer Betrieb genommen. Derselbe Fehler wurde auch an den übrigen sechs Maschinen der Concorde-Flotte entdeckt, für die aber keine Sicherheitsbedenken bestünden, sagte ein BA-Sprecher.

Die französische Fluggesellschaft Air France, die über sechs Concorde-Jets verfügt, hat das gleiche Phänomen an vier Maschinen entdeckt. Das Problem sei aber seit Monaten bekannt und im Griff, hatte ein Air-France-Sprecher am Montag erklärt. Die Sicherheit der Passagiere sei dadurch nicht in Frage gestellt, hatte es geheißen. Die beiden Fluggesellschaften setzen seit mehr als 30 Jahren die Maschinen ein, die zweifache Schallgeschwindigkeit erreichen können. Bislang hatte sich kein größeres Unglück mit den Maschinen ereignet.

Die Flughafen-Feuerwehr berichtete, es gebe einen verletzten Überlebenden des Unglücks, man wisse aber nicht, ob er in dem Flugzeug gesessen habe oder ob er sich in der Nähe des Absturzortes befunden habe.



Air France und British Airways streichen Concorde-Flüge

Air France

und British Airways haben nach dem Absturz des Überschallflugzeuges alle Flüge mit den verbleibenden zwölf Concorde-Maschinen vorerst gestrichen. Der Pariser Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot ordnete am Dienstagabend den vorläufigen Stopp aller Flüge der Air France an. Derzeit verfügen die französische Fluggesellschaft noch über fünf und die britische über sieben Concorde-Maschinen. British Airways setzte vorerst bis Mittwoch zwei planmäßige Flüge aus, wie ein Sprecher in London mitteilte.

Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta schrieb den Absturz in einer ersten Stellungnahme einem Triebwerksschaden zu. Die zuvor an den Tragflächen einiger Concorde-Maschinen entdeckten Haarrisse hätten mit dem Absturz nichts zu tun, sagte Spinetta weiter. Erst am Freitag sei die verunglückte Maschine noch überprüft worden. Nach Angaben des britischen Triebwerk-Herstellers Rolls Royce waren die vier Triebwerke der angestürzten Concorde 23 Jahre alt.

Für die Angehörigen der Absturzopfer wurde in Paris eine Hotline eingerichtet: 0033 1 5383 4500. Das Auswärtige Amt in Berlin hat für Bürgerinformationen ab sofort folgende Notfallnummern geschaltet: 01888-17-4600 und 01888-17-4899. Die französische Fluggesellschaft Air France richtete unter der Telefonnummer 0033-141-568430 eine weitere Hotline ein.

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