Tripple-Play-Box soll TV, Telefon und Internet vereinen
Kabel-NRW rüstet das Fernsehkabel auf

Die Kabel GmbH-NRW & Co.KG, die am 17. Juli 2000 in Nordrhein-Westfalen an den Start gegangen ist, hat Großes vor im bevölkerungsreichsten Bundesland: Bis zum Sommer 2001 will das Kabelunternehmen über eine halbe Million Fernsehkabel-Anschlüsse zum Multimedia-Tor aufbohren.

DÜSSELDORF. Highspeed-Internet, Telefonie über Kabel, Digital-TV und, zumindest am Anfang, 32 Programme im Analog-TV sollen die Kabel-NRW-Kunden dann nutzen können.

In Düsseldorf haben die Umrüstarbeiten an 100 000 Kabelanschlüssen bereits begonnen - bis Ende Januar 2001 sollen sie anschlussfähig sein, erklärt Petra Vohn von der Kabel-NRW im Gespräch mit Handelsblatt.com. Dann werden bis zum Sommer nächsten Jahres insgesamt 500.000 Wohneinheiten in der Region Köln fertig sein, so die Prognose der Kabel-NRW. "Wir brauchen 500 000 Anschlüsse, vorher werden wir nicht starten", sagt Petra Vohn. Allein für die erste Aufrüstungsrunde wird Kabel-NRW einen Betrag von über 1 Mrd. DM investieren. In den kommenden dreieinhalb bis vier Jahren soll das gesamte bestehende Breitbandnetz in Nordrhein-Westfalen, das derzeit 4,2 Mill. Haushalte versorgt, zu einem integrierten, rückkanalfähigen Netz aufgerüstet werden, um schnell und zuverlässig große Datenmengen transportieren zu können.

Tripple-Play-Box soll TV, Telefon und Internet vereinen

Insgesamt 9 Mrd. DM will Kabel-NRW in den Ausbau des Kabelnetzes investieren. Die wichtigsten Investoren sind Blackstone und Caisse de Depot et Placement du Quebec. Weitere Finanzpartner sind Bank of America, Banco Santander Central Hispano, Bass Family, Angelo Gordon, Investcorps, CIBC World Markets und Merrill Lynch.

Im Januar 2001 wird das Bonner Kabelunternehmen eine Tripple-Play-Box - eine Set-Top-Box, die Features von Fernsehen, Telefon und Internet vereinigt - ausschreiben. "Wir sind mit allen Anbietern im Gespräch", sagt Kabel-NRW-Frau Vohn. Besonders interessant bei den Ausbauplänen: Kabel-NRW wird das erste 'voice over IP'-Telefonnetz weltweit in NRW aufbauen.

Callahan-Gruppe expandiert

An der Kabel-NRW hält die Callahan Gruppe 55 % der Anteile, die Kabel Deutschland GmbH als Tochter der Deutschen Telekom AG ist Anteilseigner. Zurzeit verhandelt Callahan exklusiv mit dem lokalen Netzbetreiber Netcologne über eine Akquisition. In Branchenkreisen wird von einem Übernahmepreis von 1,1 Mrd. DM gesprochen. Das pikante bei der Übernahme: Über die Kabel AG-NRW könnte die Deutsche Telekom, die immerhin 45 % der Anteile an der AG hält, wieder ein Mitspracherecht bei ihrem einstigen Konkurrenten, dem erfolgreichen regionalen Telekom-Anbieter Netcologne, erhalten. Diese Vorwürfe weist Vohn von sich: "Die Callahan Associates übernimmt die strategische und operative Führung von Kabel NRW, auch bei der Führung von Netcologne." Dazu gehöre auch die Auswahl des Managements, die Strategie- und Angebotsentwicklung sowie die Bereitstellung des Kapitals, so Vohn.

Die Callahan-Gruppe expandiert: Im Januar 2001 wird das Unternehmen in Baden-Württemberg aktiv und damit sein Netz in Deutschland um weitere drei Millionen anschließbare Haushalte vergrößern. Callahan wird 55 % des baden-württembergischen Kabelgeschäfts der Kabel Deutschland übernehmen.

Studie bescheinigt große Wachstumschancen

Die Rahmenbedingungen für die Pläne der Kabel-NRW sind gut. Deutschland hat neben den USA das zweitgrößte Kabelnetz weltweit. Eine Industriestudie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse bescheinigt den Kabelnetz-Unternehmen gerade in Deutschland enorme Wachstums- und Entwicklungschancen. Im gesamten Breitband-Kabelmarkt werden sich die Kabelnetzbetreiber einen Marktanteil von 50 % sichern können, sagt Branchenexperte Werner Ballhaus von Pricewaterhouse. Voraussetzung sei allerdings eine überzeugende Marketingstrategie und eine schnelle Aufrüstung der Netze, so Ballhaus. Und genau das wird das Problem der Kabel-NRW werden: Auch wenn die Technik läuft, das Content-Bouquet muss gleichzeitig an den Start gehen. Ein strategischer Vorteil bei der Vermarktung für Kabel-NRW bestehe allerdings im sogeannten 'Bundling', erklärt Ballhaus. Attraktiv gebündelte Angebote, die TV, Telefonie und High-Speed-Internetzugang verbinden, könnten dem Kunden Preisvorteile bieten. Wir bleiben gespannt.

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