Trittbrettfahrer bescheren Labors Überstunden
Ein Milzbrand-Test kostet Hunderte Mark

Die nach den Milzbrand-Anschlägen in den USA angelaufene Welle übler "Scherze" von Trittbrettfahrern in Deutschland beschert mikrobiologischen Laboratorien Überstunden und geht ins Geld. Mehrere hundert Mark kann die Untersuchung einer Probe x-beliebigen Pulvers kosten, wie sie gegenwärtig zu hunderten in Briefen verschickt oder irgendwo abgelegt werden.

ap FRANKFURT/MAIN. Über 100 Proben sind allein im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg gelandet, wie dessen Wissenschaftsreferentin Barbara Ebert am Freitag mitteilte.

Vorerst wurden keine Krankheitserreger entdeckt. Der Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben (BBGes) hatte bis Freitag 36 von 46 Proben untersucht und nichts gefunden, wie Sozialsenatorin Gabriele Schöttler mitteilte.

Mehr als 50 Mal gab es Milzbrand-Alarm in Bayern. In den Hochsicherheitslabors der beiden Landesuntersuchungsämter und der Universität Regensburg wurden, wie anderswo auch, Überstunden gemacht. Für solche Untersuchungen brauche man Sicherheitsschleusen, Unterdruckeinrichtungen und andere spezielle Ausstattung, sagte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums in München.

Er gab die Kosten der Untersuchung einer Probe mit 300 Mark an. Das Bernhard-Nocht-Institut berechnet 60 Mark für die herkömmliche Untersuchung, wie Barbara Ebert berichtete. Dabei wird die Probe auf einen Nährboden aufgebracht, der im Brutkasten warm gehalten wird. Nach etwa 24 Stunden lässt sich feststellen, ob Anthrax-Bazillen vorhanden sind.

Schneller und teurer ist die Suche nach für den Milzbranderreger typischen DNA-Abschnitten in der Probe. Das dauert nur einige Stunden, schlägt aber mit 300 Mark zu Buche. Auf jeden Fall werde die Probe noch nach der Nährboden-Methode überprüft, sagte Ebert. Die Rechnung gehe an den Einreicher, also Polizei oder Gesundheitsämter.

Bei der Untersuchung gilt Sicherheitsstufe 3. Die höchste, Stufe 4, ist vorgeschrieben, wenn es um Ebola- oder Lassafieber-Verdacht geht. In den Stufe-3-Laboratorien der BBGes könnten zwölf mit Schutzkleidung und-masken ausgestattete Mitarbeiter bis zu 20 Proben am Tag examinieren, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit, Klaus-Peter Florian. Für dringende Fälle gibt es einen Notfalldienst.

Reguläre Arbeit bleibt liegen

An Brennpunkten wie in Berlin bleibt wegen der zusätzlichen Belastung die reguläre Arbeit liegen. Nachtschichten oder Urlaubssperren gibt es nicht, von der Einstellung neuer Mitarbeiter ist nicht die Rede. Diese müssten überdies große Erfahrung haben, meinte Horst Gerhard Baumeister vom nordrhein-westfälischen Landesinstitut für den öffentlichen Gesundheitsdienst in Münster. Über die Mehrbelastung der vier für die Untersuchungen befassten Einrichtungen des Landes wollte er nichts sagen.

Niedersachsen ist für die Untersuchungen auf Hamburg sowie das Wehrwissenschaftliche Institut der Bundeswehr in Munster angewiesen. In dem Land fielen bis Freitag 159 verdächtige Briefsendungen auf, darunter 60 an der Fachhochschule Emden und 25 an der Fachhochschule Suderburg, die offenbar von einem Täter in Serie gefertigt wurden, wie das Innenministerium in Hannover mitteilte.

In Mecklenburg-Vorpommern reichten die Laborkapazitäten aus, hieß es im Sozialministerium in Schwerin. Verdächtige Substanzen würden in der normalen Dienstzeit abgearbeitet.

"Wir sind belastet, aber die Arbeit ist noch zu bewältigen", sagte Direktor Bernd Thrien vom Landeshygieneinstitut Sachsen-Anhalts in Magdeburg. Bislang seien etwa 18 Proben eingeliefert worden.

Thriene schließt aus, dass man binnen 24 Stunden zu endgültigen Erkenntnissen kommen könne. Dafür brauche man mindestens 48 Stunden, denn die verdächtige Substanz müsse zunächst in einer flüssigen Nährlösung vorbehandelt werden, erst einen Tag später trage man sie auf feste Nährmedien auf.

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