Trittin bekundet Verständnis für Transport-Gegner
Castor-Transport nach Gorleben unterwegs

Nur wenige Atomkraftgegner mit Transparenten versammelten sich am Montagmorgen an der Bahnstrecke, als nach vierjähriger Pause wieder ein Transport nahe Valognes in der Normandie nach Gorleben startete.

rtr VALOGNES. Nach vierjähriger Unterbrechung ist wieder ein Castor-Transport mit Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins niedersächsische Gorleben unterwegs. Nur wenige Atomkraftgegner mit Transparenten versammelten sich am Montagmorgen an der Bahnstrecke, als der Transport nahe Valognes in der Normandie startete. Zur Sicherung des Zuges waren Polizisten in zwei Bahnwagen und zusätzliche 200 Beamte an der Strecke im Einsatz. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace trugen Polizisten vier Atomkraftgegner weg, die sich auf die Schienen gesetzt hatten. Deutsche Atomkraftgegner bereiten sich seit Wochen auf Proteste und Blockaden vor. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) verteidigte den Castor-Transport.

Polizei und Bundesgrenzschutz sind in der Region Gorleben mit mehr als 15 000 Beamten im Einsatz und sichern die Transportstrecke. In Valognes war die Lage jedoch ruhig, als sich der Transport in Bewegung setzte. Auf Transparenten von Atomkraftgegnern stand zu lesen: "La Hague - Die Mülltonne quillt über" und "Keine Atomtransporte nirgendwohin". Ein Castor-Gegner ließ aus Protest gegen den Atommülltransport eine Leuchtrakete aufsteigen. Frederic Marillier von Greenpeace in Frankreich sagte, es gehe der Umweltorganisation nicht darum, den Transport zu blockieren. Es sei normal, dass der Müll dahin zurückgebracht werde, wo er herkomme. Allerdings befürchteten die Atomkraftgegner, dass durch den Castor-Transport neuen Atommülllieferungen aus Deutschland Tür und Tor geöffnet werde. Vor vier Jahren war es in Deutschland zu massiven Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Atomkraftgegnern gekommen.

Die Castorbehälter sollten gegen 23.00 Uhr den französischen Grenzbahnhof Lauterbourg nördlich von Straßburg erreichen und danach südlich von Karlsruhe die deutsche Grenze passieren. Am Dienstagabend werden die sechs Castoren an der Verladestation im niedersächsischen Dannenberg erwartet. Von dort werden die Behälter voraussichtlich am Mittwoch mit Tiefladern auf der Straße ins 20 Kilometer entfernte Zwischenlager Gorleben im Wendland gebracht. In den Castor-Behältern befinden sich nach Angaben des französischen Nuklearunternehmens Cogema insgesamt 168 Glaskokillen mit Atommüll. Am Wochenende hatten rund 10 000 Atomkraftgegner in Lüneburg gegen den Castor-Transport und den ihrer Meinung nach unzureichenden Atomkonsens der rot-grünen Bundesregierung mit der Stromwirtschaft protestiert.

Künftig 2-3 Transporte pro Jahr

Die Bundesregierung hatte im Sommer im Atomkonsens mit der Stromwirtschaft auch die Wiederaufnahme der Castor-Transporte zugesagt, die im März 1998 wegen Zweifeln an der Sicherheit der Castorbehälter gestoppt worden waren. Mittlerweile hat die französische Atomgesellschaft Cogema zugesichert, dass die Behälter internationalen Sicherheitsstandards genügen. Die Rücknahme des Atommülls aus der Wiederaufbereitung deutscher Brennstäbe ist zwischen Deutschland und Frankreich vereinbart. Pro Jahr sollen künftig zwei bis drei Transporte nach Gorleben folgen.

Trittin verteidgt Transporte

Trittin sagte im ARD-Morgenmagazin, es sei immer klar gewesen, dass der Atommüll aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente aus Frankreich wieder zurückgenommen werden müsse. Die Bundesregierung habe allerdings mit dem Atomkonsens sicher gestellt, dass die Rahmenbedingen für die Transporte stimmten, sagte Trittin weiter. Zugleich bekundete er Verständnis für die Atomkraftgegner, die im Wendland gegen den Transport demonstrieren. "Ich verstehe die Gorlebener, die sagen, wir wollen den Atommüll nicht haben." Keine Bundesregierung könne allerdings zulassen, dass deutscher Atommüll im Ausland bleibe, sagte Trittin. Ob die Industrie die Möglichkeit nutze, bis zum im Konsens festgeschriebenen Ende der Wiederaufbereitung 2005 weitere Brennelemente nach Frankreich zu bringen, sei jedoch fraglich. Die Wiederaufarbeitung sei schließlich teuer, und die Kosten könnten nicht mehr auf den Stromkunden umgelegt werden, sagte Trittin. Der Umweltminister verteidigte zudem die Anwesenheit von Parteichefin Claudia Roth und anderer grüner Spitzenpolitiker bei Demonstrationen in Gorleben. "Es ist alles gut, was hilft, die Situation zu entspannen", sagte Trittin im Südwestrundfunk. Er begründete zugleich sein eigenes Fernbleiben damit, dass "es nicht zur Entspannung beitragen würde, wenn der, der qua Amt diese Transporte zu genehmigen hat, dort ist".

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