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Trittin fordert von Prag Verzicht auf Reaktor Temelin

dpa PRAG/BERLIN. Wenige Tage vor dem Anfahren des südböhmischen Atomkraftwerks Temelin hat das Bundesumweltministerium Tschechien zum Verzicht auf das Kraftwerk aufgefordert. Nach Auffassung der deutschen Atom-Aufsicht müssten zuvor dringend bestimmte Sicherheitsfragen geklärt werden, erklärte das Umweltministerium am Dienstag in Berlin. Prager Behörden betonten dagegen, das Kraftwerk erfülle die erforderlichen EU-Normen. Temelin soll 2001 ans Netz gehen. Mit dem Auslösen der Kettenreaktion wird bis Mitte September gerechnet.

Nach einer Studie der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) sei die Zuverlässigkeit wichtiger Sicherheits-Ventile nicht ausreichend nachgewiesen, unterstrich das Umweltministerium. Zudem bestünden Bedenken, ob ausreichend Vorsorge gegen die Gefahr eines Bruchs von Speisewasser- und Dampfleitungen getroffen worden sei. Ein Sprecher des Prager Außenministeriums sagte der Nachrichtenagentur CTK am Dienstag, man verstehe die Erklärung nicht als Äußerung der deutschen Regierung. Dem schloss sich ein Sprecher des Regierungsamtes in Prag an.

Nach Angaben des Umweltministeriums sind die Ergebnisse der Studie der tschechischen Atomaufsichts- und Genehmigungsbehörde SUJB mit dem Wunsch übermittelt worden, die Sicherheitsbedenken vor dem Anfahren des Reaktors bei einem Treffen von Experten beider Behörden zu erörtern.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hatte mehrfach an Prag appelliert, auf Temelin zu verzichten. Das AKW vom sowjetischen Typ WWER 1000 ist seit Mitte der 80er Jahre im Bau. Für Kraftwerke dieses Typs sind international zahlreiche Sicherheitsdefizite festgestellt worden. Temelin wird jetzt mit Hilfe des US-Kraftwerksbauers Westinghouse fertiggestellt.

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