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Trittin warnt Bahn vor Preiserhöhungen und 'riskantem' Börsenkurs

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat Bahnchef Hartmut Mehdorn vor Preiserhöhungen und einem "riskanten" Börsenkurs gewarnt. "Mit höheren Ticketpreisen werden die Weichen in die falsche Richtung gestellt", schrieb Trittin in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag". Um den bundeseigenen Konzern für Aktionäre attraktiv zu machen, wolle der Vorstand "auf Biegen und Brechen" Gewinne erreichen. "Am Ende könnte eine finanziell sanierte Bahn stehen, der die Kunden davonlaufen." Mehdorn verteidigte derweil seine Pläne für eine Teilprivatisierung mitsamt des Gleisnetzes.

dpa-afx BERLIN. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat Bahnchef Hartmut Mehdorn vor Preiserhöhungen und einem "riskanten" Börsenkurs gewarnt. "Mit höheren Ticketpreisen werden die Weichen in die falsche Richtung gestellt", schrieb Trittin in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag". Um den bundeseigenen Konzern für Aktionäre attraktiv zu machen, wolle der Vorstand "auf Biegen und Brechen" Gewinne erreichen. "Am Ende könnte eine finanziell sanierte Bahn stehen, der die Kunden davonlaufen." Mehdorn verteidigte derweil seine Pläne für eine Teilprivatisierung mitsamt des Gleisnetzes.

Für die 2004 angestrebte schwarze Null in der Bilanz steuere die Bahn einen "riskanten Kurs", schrieb Trittin. Oberstes Ziel müsse aber sein, mehr Kunden in die Züge zu locken. "Mehr Service, mehr Pünktlichkeit, einfache Tarife: Das sind die Mittel, um die Bahn in Deutschland attraktiver zu machen. Für die eigenen Kunden - und zukünftige Aktionäre." Der Minister kritisierte die von der Bahn ins Auge gefasste Anhebung der Ticketpreise im Nah- und Fernverkehr wegen gestiegener Energiekosten. Dies sei "zur Zeit in Mode". Diese Kosten machten aber nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus. Beschlüsse hat die Bahn bisher nicht getroffen.

Mehdorn: Ohne Netz Kein Börsengang

In der Debatte um die Modalitäten eines Börsengangs sagte Mehdorn, es gebe keine profitable und kundennahe Bahn, bei der Netz und Betrieb getrennt seien. "Ohne Netz wird es keinen Börsengang der Bahn geben", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Schienenanlagen dem Staat zurückzugeben, könne nicht gut gehen. "Der Staat vernachlässigt das Netz auf lange Sicht, weil das Geld zum Unterhalt fehlt." Scharf griff er den Bundesverband der Deutschen Industrie und den Deutschen Industrie- und Handelskammertag an. Sie warnen wie Verkehrspolitiker des Bundestags vor einem übereilten Börsengang und bevorzugen eine Abtrennung des Netzes. "Der Börsengang der Bahn geht die Verbände gar nichts an", sagte Mehdorn. Er strebt den Schritt schon 2006 an. Die Entscheidung darüber liegt beim Bund.

Die sommerlichen Sonderaktionen mit Billigtickets ab 29 ? haben die Nachfrage in ICE und Intercity unterdessen belebt. Die Auslastung der Fernzüge sei auch dadurch im Juli auf 42,9 % gestiegen, nachdem es ein Jahr zuvor 39,9 % gewesen seien. Auch im August sei die Quote besser gewesen, sagte ein Sprecher dem "Tagesspiegel am Sonntag". Die Speisewagen, die eigentlich ausrangiert werden sollten, machten inzwischen ebenfalls mehr Umsatz.

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