Triumph für Aker-Chef Røkke
Kvaerner nach Übernahmekampf gerettet

Die seit Wochen tobende Übernahmeschlacht um den angeschlagenen Schiffs- und Anlagenbauer Kvaerner scheint vorüber zu sein. Der Konkurrent Aker Maritime übernimmt die Kontrolle bei Kvaerner.

HB STOCKHOLM. Der seit Monaten schwer angeschlagene norwegisch-britische Schiffs- und Anlagenbauer Kvaerner scheint endgültig gerettet zu sein. Nach einer dramatischen Nachtsitzung konnte sich die Kvaerner-Leitung mit dem norwegischen Konkurrenten und Hauptaktionär, Aker Maritime, auf eine Fusion beider Unternehmen sowie eine Kapitalerhöhung von 3,5 Mrd. Kronen einigen. Damit ist die Liquiditätskrise bei Kvaerner abgewendet, und Aker Maritime mit seinem Hauptaktionär Kjell Inge Røkke hat die seit langem angestrebte Fusion der Öl- und Gas-Sparten beider Konzerne erreicht. Aker wird nach Vollzug des Rettungsplans etwa 50 % an Kvaerner halten und ist dann der mit Abstand größte Aktionär.

Die Kvaerner-Spitze hatte sich bis zuletzt gegen den Einstieg von Aker Maritime gewehrt und dem Sanierungskonzept des russischen Ölkonzerns Yukos Oil, der mit 22 % auch zweitgrößter Aktionär ist, den Vorzug gegeben. Da aber Røkke den Rettungsplan der Russen blockierte, musste eine neue Lösung gefunden werden. "Wir hatten keine andere Chance, um einen Konkurs zu umgehen", sagte gestern Kvaerner-Aufsichtsratschef Harald Arnkvaern.

Yukos Oil zieht sich vermutlich ganz zurück

Während die Übernahme für Aker-Chef Røkke einen Triumph bedeutet, hat Yukos Oil mittlerweile dem Sanierungsplan zugestimmt und den eigenen Plan zurückgezogen. Es wurde in Oslo vermutet, dass sich Yukos Oil aus Kvaerner wieder zurückzieht. Man werde sich nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen und keinen Kandidaten für den Aufsichtsrat vorschlagen, sagte ein Yukos-Vertreter. Der Kurs der Kvaerner-Aktie zog nach Bekanntwerden der Einigung um 50 % an. Auch die Aker-Aktie stieg um etwa 6 %.

Vertreter beider Unternehmen betonten in Oslo, dass die endgültige Entscheidung der Banken noch ausstehe. Sie werde bis Ende dieser Woche erwartet. Die größten Kreditgeber von Kvaerner haben sich bereits positiv geäußert. Der in der Nacht von Aker Maritime präsentierte Plan sieht neben der Verschmelzung der Kernaktivitäten beider Unternehmen - der Öl- und Gas-Sparte - zwei Aktienemissionen mit einem Gesamtvolumen von 3,5 Mrd. Kronen (440 Mill. Euro) sowie eine Stundung der Kreditrückzahlungen vor. Danach soll die Tilgung eines 4,5-Mrd.-Kronen-Kredits erst in zehn Jahren erfolgen, ein weiterer Kredit über 4 Mrd. Kronen werde erst in drei Jahren zurückgezahlt werden.

Außerdem hätten die Banken nicht die Möglichkeit, einen Teil der Schulden in Eigenkapital umzuwandeln, erklärten Kvaerner und Aker Maritime.

Die Kursspanne soll zwischen vier und acht Kronen liegen

Die erste gerichtete Emission mit einem Volumen von 2 Mrd. Kronen wird von Aker Maritime mit 500 Mill. Kronen garantiert. Dadurch steigt Akers Kvaerner-Anteil auf rund 50 %. Die Kursspanne soll zwischen vier und acht Kronen liegen und wird endgültig durch Bookbuilding festgelegt. Eine zweite Emission über 1,5 Mrd. Kronen, die am 14. Dezember startet, richtet sich an die Kvaerner-Aktionäre.

Die Fusion der Öl- und Gas-Sparten von Aker und Kvaerner, die jeweils die Produktion, Wartung und Entwicklung von Plattformen umfasst, wurde von Analysten positiv bewertet. Beide Unternehmen hätten sich in der Vergangenheit intensive Preiskämpfe bei der Vergabe von lukrativen Ausrüstungsaufträgen geliefert, sagten sie. Außerdem sei der Ausbau der norwegischen Öl- und Gasfelder so weit fortgeschritten, dass sich die Unternehmen nun mit gemeinsamer Kraft auf den Weltmarkt begeben könnten.

Zukunft der Warnow-Werft weiter unsicher

Während viele der rund 35 000 weltweiten Kvaerner-Mitarbeiter aufatmen, besteht große Unsicherheit, was aus den Werften, darunter die Warnow Werft in Rostock, wird. Sowohl Kvaerner wie auch Aker Maritime hatten bereits vor einiger Zeit den Verkauf der Werftaktivitäten angekündigt.

Kvaerner war Mitte September in akute Zahlungsschwierigkeiten geraten, nachdem Banken Kredithilfen verweigert hatten. Viele Experten sehen den Expansionsdrang des norwegischen Konzerns Mitte der 90er- Jahre aber als eigentliche Ursache für die heutigen Schwierigkeiten. 1996 hatte Kvaerner den britischen Mischkonzern Trafalgar House übernommen und sich bei der Sanierung überanstrengt. Die Verschuldung des Konzerns auf nunmehr 6,4 Mrd. Kronen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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