Triumph für Behle-Schützling: Weltmeister aus Versehen: Teichmann siegt über 15 km

Triumph für Behle-Schützling
Weltmeister aus Versehen: Teichmann siegt über 15 km

Der Bundestrainer stieß einen lauten Jubelschrei aus, die Techniker köpften vor Freude schon im Zielbereich die erste Sektflasche, nur der Sensations-Weltmeister war die Ruhe selbst: Praktisch aus Versehen hat Axel Teichmann den Titel über 15 km klassisch gewonnen und dem Deutschen Skiverband (DSV) am Freitag die erste Medaille bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften beschert.

HB/dpa VAL DI FIEMME. Mit seinem Sieg beim "Einlaufen" für das Verfolgungsrennen am Sonntag beendete der Lobensteiner in Val di Fiemme zugleich eine 29 Jahre lange Durststrecke der deutschen Langläufer.

"Ich freue mich, dass ich der Erste bin, der nach so langer Zeit wieder einen Titel geholt hat. Ich werde eine ganze Weile brauchen, um das zu realisieren", sagte der äußerlich gelassen wirkende Teichmann. "Das war ein großer Tag für den deutschen Skilanglauf", würdigte Gerhard Grimmer seinen Nachfolger, dem er sofort ein Glückwunschfax ins Fleimstal schickte. Der Oberhofer hatte als letzter Deutscher 1974 in Falun WM-Gold im Langlauf gewonnen.

Jochen Behle war völlig aus dem Häuschen. "Das ist der unglaublichste Tag in meinem Trainer-Leben. Das ist nur mit dem Goldmedaillengewinn der Frauen-Staffel in Salt Lake City zu vergleichen", meinte der Bundestrainer. "Das ist ein großer Erfolg für mich und den Verband", meinte Teichmann, der nach 35:47,5 Minuten mit 6,9 Sekunden Vorsprung vor dem Esten Jaak Mae und 8,6 Sekunden vor dem Norweger Frode Estil ins Ziel kam. Mehr Gedanken als über die historische Dimension seines Sieges machte sich der 23-Jährige jedoch um die Körperpflege. "Jetzt darf ich mich überhaupt nicht mehr rasieren", scherzte er in Anspielung auf sein "Ziegenbärtchen", das ihm Glück brachte.

In einem unglaublichen Rennen diktierte der Sportsoldat von Beginn an das Geschehen. "Als ich nach der ersten Runde von meiner Bestzeit hörte, habe ich mit einer Medaille geliebäugelt", berichtete Teichmann nach seinem Husarenstück, von dem er selbst überrascht war. "Eigentlich hatte ich ganz besonders für die Verfolgung trainiert und wollte erst am Sonntag angreifen. Aber jetzt gibt es wohl kaum noch eine Steigerung", meinte der erst 1989 zum Langlauf gekommene Thüringer. Damals hatte er auf Fußball keine Lust mehr. "Und zum Skisprung oder der Nordischen Kombination fehlte mir die Statur", erzählte das "Schwergewicht" im deutschen Team.

Vor seinem ersten WM-Start war Teichmann noch sehr aufgeregt. "Ich wusste nicht, welche Ski ich benutzen soll. Ich habe drei Paar nahezu identische. Da musste ich den Technikern vertrauen", berichtete er. Mit seiner kurzfristig geänderten Taktik, von Beginn an auf Tempo zu laufen, machte er die Konkurrenz mürbe. "Allein die Tatsache, dass er Titelverteidiger Elofsson überholt hat, spricht Bände", lobte Behle seinen Musterschüler, den er schon vor zwei Jahren als größtes deutsches Talent bezeichnet hatte.

Teichmann hatte schon Ende Dezember in Ramsau aufhorchen lassen, als er 13 Jahre nach Behle wieder einen Weltcupsieg für die DSV - Läufer landete. Nun krönte er seine rasante Entwicklung mit dem WM- Titel. "Der Erfolg bedeutet sehr viel für mich, denn bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen war ich bisher entweder krank oder nicht in Form. Ich freue mich über den Beweis, dass ich zum Höhepunkt fit sein kann", meinte Teichmann.

Tränen der Enttäuschung vergoss dagegen Andreas Schlütter. Der Oberhofer verpasste als Fünfter wie schon über 30 km knapp die erhoffte Medaille und verließ ohne Kommentar das Ski-Stadion in Lago di Tesero.

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