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Triumph im "Skandal-Spiel": Werder Europa-Spitze

Es wurde getreten, gemeckert und gespuckt. Doch ein Straßen-Fußballer aus Paraguay behielt im „Skandalspiel“ von Valencia die Nerven und bescherte Werder Bremen gut zwei Wochen vor dem Fest ein millionenschweres Weihnachtsgeschenk.

dpa VALENCIA. Es wurde getreten, gemeckert und gespuckt. Doch ein Straßen-Fußballer aus Paraguay behielt im "Skandalspiel" von Valencia die Nerven und bescherte Werder Bremen gut zwei Wochen vor dem Fest ein millionenschweres Weihnachtsgeschenk.

Dank der "goldenen Tore" von Nelson Valdez (83./90.+2) zum 2:0 (0:0)-Erfolg beim FC Valencia erreichte der deutsche Meister das Achtelfinale der Champions League und darf sich nun zur europäischen Spitze zählen.

Während die Bremer feiern durften, verloren mehrere Spieler des spanischen Meisters in der chaotischen Schlussphase die Nerven. Auf dem Rasen des Mestalla-Stadions gab es - als Valencias Aus feststand - handfeste Rangeleien. Mittelfeldspieler Miguel Angel Angulo spuckte nach seinem rüden Foul an Nelson Valdez und seinem Platzverweis in Richtung der Bremer.

Vicente rangelte mit Valerien Ismael. "So etwas gehört absolut nicht auf den Fußballplatz, auch wenn ich Valencias Enttäuschung verstehen kann", sagte Werders Manager Klaus Allofs. Mannschaftskapitän Frank Baumann: "Das hatte mit Fußball nichts zu tun."

"Die Valencianer gaben ein peinliches Bild ab. Die Bilder von der Schlussphase sollten als abschreckendes Beispiel in den Schulen gezeigt werden", schrieb die spanische Sportzeitung "Marca" und vermutete: "Dieses Spiel wird dem Disziplinarausschuss der Uefa noch viel Arbeit bereiten."

Valencias Trainer Claudio Ranieri schob die Schuld dem schwedischen Schiedsrichter zu und fiel verbal ebenfalls aus der Rolle. "Anders Frisk hat alle nervös gemacht. Jetzt verstehe ich auch, weshalb sie ihm in Rom den Kopf gespalten haben", sagte Ranieri. Er bezog sich damit auf einen Zwischenfall im römischen Olympiastadion, bei dem Frisk von einem Wurfgeschoss getroffen worden war und eine blutige Platzwunde am Kopf erlitten hatte.

Die Spanier begründeten ihre Ausraster damit, dass die Bremer sich mit Gesten über die Fans lustig gemacht hätten. Vor allem der Jubel der Werder-Spieler nach dem 1:0 sei eine Verhöhnung des Publikums gewesen. "Meine Spieler wollten ihre Fans vor den Gesten der Deutschen verteidigen", sagte Ranieri. Mittelfeldspieler Rubén Baraja: "Die Bremer haben uns provoziert, aber wir hätten in diese Falle nicht tappen dürfen."

Für die Bremer waren die Tumulte der Schlussphase dank des Erfolges schnell abgehakt. "Das waren die wichtigsten Tore meiner Karriere. Die sind auch für den Verein sehr, sehr wertvoll", sagte Valdez. 2,7 Mill. Euro gibt es für die nächste Runde, dazu kommt weiteres Geld aus dem TV- und Marketingpool.

Mit der Einwechslung von Valdez hatte Trainer Thomas Schaaf auf die Schlussoffensive der Spanier reagiert. "Ich wollte ihn bringen, damit er die spanische Abwehr mehr beschäftigt", sagte Schaaf zu seinem Glücksgriff. "Ich kenne derzeit keinen besseren Einwechsler. Wie Nelson seine beiden Tore erzielt hat, war einfach genial", lobte Vereinschef Jürgen L. Born den Joker. Zunächst technisch perfekt und dann eiskalt: Valdez bewies, dass er mehr als eine Alternative zu seinen Offensiv-Kollegen Miroslav Klose, Angelos Charisteas und Ivan Klasnic sein kann. Schaaf: "Bislang stand Nelson meistens im Schatten der anderen. Dieses Rampenlicht hat er sich wirklich verdient."

Der 21 Jahre alte Nationalspieler Paraguays meisterte auch den anschließenden Rummel um seine Person souverän. "Wir haben vier Super-Stürmer. Jeder von uns muss seine Sache machen. Dann können wir noch weit kommen", sagte der Jungstar zunächst in gutem Deutsch, dann auf Spanisch. "Das Halbfinale ist drin", betonte er selbstbewusst.

Werders Offizielle hörten diese Ansage mit Wohlwollen, dämpften aber sogleich die Euphorie. Allofs: "Wir wollten in der Königsklasse mithalten. Das haben wir geschafft und gemerkt: Wir können uns durchsetzen. An diesem Anspruchs-Niveau müssen wir weiter arbeiten."

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