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Tropische Lethargie

Es ist ein heißer Tag an der Wall Street. Nicht nur die 34 Grad Celsius legen alles lahm. Es ist auch das Warten auf die Ankündigung von Notenbank-Chef Alan Greenspan um 20:00 MESZ. Dann wird sich herausstellen, ob der US-Offenmarktausschuss die Zinsen zum sechsten Mal in diesem Jahr senken wird. Nicht verwunderlich ist daher, dass das Handelsvolumen um 30 Prozent geringer ausfällt als am Mittwoch letzter Woche. Doch nach einem uneinheitlichen Handelsauftakt geben sich die Finanzmärkte angetrieben von den Bankwerten optimistisch und entschieden sich für die grüne Zone.

Die Mehrheit der Anleger rechnet mit einem Zinsschritt um 25 Basispunkte. Diese Entscheidung dürfte der Markt bereits vorweggenommen haben. Bei einem halben Prozentpunkt kann der Schuss nach hinten losgehen. Die Anleger könnten darin ein Zeichen für eine extrem schwierige Lage der US-Wirtschaft sehen. Mit einen solchen Schritt könnte ihnen jegliche Phantasie auf weitere Zinssenkungen genommen werden.

Reichlich gemischte Nachrichten gibt es heute aus der IT- Ecke. Von Palms positiven Nachrichten profitiert auch Konkurrent Handspring. Palm, der größte Hersteller von Handheld- Computern kündigt an, bis Ende des Jahres wieder Gewinn zu erwirtschaften. Die Analysten von UBS Warburg nehmen an, dass Handspring dem guten Beispiel von Palm folgen und stufen den Wert prompt von "halten" auf "kaufen". Palm und Handspring gehören zur Mittagsstunde zu den größten Gewinnern des Tages.

Die Nachrichten von Palm reißen auch Chiphersteller wie PMC Sierra und Vitesse Semiconductor mit. Die Aktie von Vitesse legt zu, obwohl das Unternehmen eine Ertragswarnung aussprach. Im bisherigen Jahresverlauf wurden bereits die Gehälter der Geschäftsführung gekürzt und Angestellte entlassen. Statt eines Gewinns in Höhe von drei Cents pro Aktie wird der Chiphersteller voraussichtlich einen Verlust von sechs Cents pro Papier einfahren. Auch Softwareentwickler Oracle notiert in der Gewinnzone. Laut Oracle-Chef Larry Ellison sei der Boden erreicht und es gehe wieder aufwärts. Die Aktie hatte im Jahresverlauf unter Spekulationen über eine drohende Gewinnwarnung gelitten.

Xilinx setzt dagegen den Chipsektor unter Druck. Der führende Hersteller von programmierbaren Chips veröffentlichte bereits die zweite Gewinnwarnung für das erste Quartal. Xilinx wird voraussichtlich keinen Gewinn erzielen. Die schlechte Lage der US-Wirtschaft habe dazu geführt, dass Kunden ihre Aufträge verschoben oder storniert haben, so die Unternehmensleitung. Das Brokerhaus Lehman Brothers senkt die Gewinnerwartungen von Xilinx und Konkurrent Altera für das laufende und kommende Geschäftsjahr. Der Titel von Xilinx gehört am Mittag zu den größten Tagesverlierern.

Ebenfalls ins Minus geht es für 3Com. Der Quartalsverlust fiel höher aus als erwartet. Lucent leistet 3Com im roten Bereich Gesellschaft. Die Anleger sind von der Tatsache wenig begeistert, dass der Telekommunikationsausrüster möglicherweise plant, insgesamt über 10 000 Arbeitsplätze zu streichen. Auch JDS Uniphase und Lucent ziehen nach. Telekomausrüster Lucent will weitere 10 000 Arbeitsplätze streichen. Bereits zu Jahresbeginn war von 10 000 Entlassungen die Rede. Auch JDS Uniphase wird sich von rund 20 Prozent seiner Belegschaft trennen. Die Rezession im Telekommunikationssektor zwinge zu weiteren Einsparungen, so die Unternehmensführung.

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